Bachs Markuspassion
Nach der Uraufführung der Markuspassion von Bach gestern die Erstaufführung in der ev. Kirche Hamburg-Tonndorf. Jawohl, es gab zwar schon einige Versuche der Rekonstruktion, die allesamt eher dürftig ausfielen. Frank Vollers, der die gestrige Aufführung leitet (und für die kirchenmusikalische Arbeit in HH-Tonndorf verantwortlich ist) hat das Werk rekonstruiert - und brauchte viele viele Jahre dafür. Das gesamte Libretto ist erhalten. ein Glücksfall, daß Bach sich des sogenannten Parodie-Verfahrens bediente (bereits früher entstandene Musik wird mit einem neuen Text unterlegt). So nutzte Bach fünf Sätze aus der Trauerode von 1727 und eine Kantaten-Arie von ca. 1714. 1727 hatte Bach eine groß angelegte Trauermusik geschaffen, deren Text keine Wiederaufführung erlaubt hätte. So beschloß er, den Text einer oratorischen Passion zu unterlegen, damit diese in Leipzig alljährlich am Karfreitag aufgeführt werden konnte (was man ihm ja keinesfalls verübeln kann). Bach hatte sich entschieden, für seine später entstandene h-Moll-Messe nämlich auch Musik aus der Markus-Passion zu entleihen. die vier bislang verloren geglaubten Arien finden sich nämlich mit lateinischem Text in der Messe wieder und konnten dank des überlieferten Librettos zur Markus-Passion rückübertragen werden. Es gab gestern die Version einer Kammerfassung (neben den 4 Solisten und dem Chor benötigt man Traversflöte, 2 Violinen, Viola, Cello, Violone, Orgel und Cembalo). Der Orgelpart wurde übrigens - da nur ein Gedackt 8' (+ ggf. eine 4'-Flöte) benötigt wird, auf einem Viscount Sakral Keyboard ausgeführt. Mit geschlossenen Augen konnte man das nicht wirklich von Pfeifen unterscheiden. Klein und handlich, das Teil, mit eingebauten Lautsprechern.
Für Hamburger (und Umgebung): Am Karfreitag wird die Passion noch einmal aufgeführt in der Christuskirche HH-Wandsbek (19:30), dann mit Barockorchester (Leitung: Gerd Jordan). Eine echte Bereicherung der Passionsliteratur allemal.
Gruß
Andreas