Kirchenmusik und Männlichkeit

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Dienstag, 26. Februar 2013, 20:37 (vor 4984 Tagen)

Am späten Abend noch ein eher anspruchsvolles Thema:


Ich versüße mir derzeit meine Semesterferien mit einem Blockseminar über Fragen der theologischen Männer- und Frauenforschung, vor allem aus Perspektiven von Seelsorge, Liturgik und Predigtpraxis. Auch das Thema Kirchenmusik wurde am Rande angeschnitten.
Ein momentanes Schwerpunktthema ist die Frage nach spezifisch "männlichen" Erwartungen an Gottesdienstgestaltung.

Nun würde ich gerne die Gelegenheit nutzen, für die Sitzung am Donnerstag ein Stimmungsbild aus der "Orgelszene" einzuholen.


Ein paar Impulsfragen zur Diskussion:

- Wie würdet ihr euch speziell männliche Erwartungen an ansprechende Kirchenmusik vorstellen?

- Seid ihr in eurer Organistentätigkeit schon einmal mit als eher geschlechterspezifisch zu bezeichnenden Vorstellungen, vor allem in Sachen Gemeindegesang und Gemeindebegleitung, konfrontiert gewesen oder meint, solche zwischen den Zeilen herausgelesen zu haben?

- Was wären eure persönlichen Ansprüche an gelingende Predigtpraxis und Gottesdienstgestaltung, die sowohl die Lebensumstände von Frauen als auch Männern im Blick hat?

- Seid ihr der Ansicht, daß solche Fragen in den Gemeinden zu wenig Beachtung finden oder daß sie zu vernachlässigen sind?


Vielleicht findet ihr ja die Zeit, zu ein paar dieser Fragen eure persönlichen Erfahrungen und Ansichten zu schildern.

Ich wäre übrigens dankbar, wenn dies nicht in eine allgemeine Debatte über die Legitimation von kritischer Frauen- und Männerforschung in der Theologie ausarten würde ;-)
Diese Diskussion kann man durchaus führen, aber dafür ist dieses Forum sicher nicht der richtige Ort.

Kirchenmusik und Männlichkeit

Orlos, Dienstag, 26. Februar 2013, 22:00 (vor 4984 Tagen) @ Poupoulcorouse

Man kann die Fragen durchaus ernst nehmen.
Es mag jetzt wie ein riesiges Klischee klingen, aber mir ist aufgefallen, dass Männer es gerne kräftig und imposant haben. Jedenfalls hat mir noch nie ein Mann gesagt, dass ich zu laut spielen würde, das waren immer nur Frauen. Denen gefallen auch eher die leisen, mystischen Klänge der Orgel. Gleiches gilt übrigens für den Chorgesang.
Rhythmische Lieder kamen wiederum eher bei Frauen an, Männer sind diesbezüglich Muffel, was nicht negativ gemeint ist. Aber Mitklatschen und freudiges Mitsingen erlebe ich eher bei Frauen. Männer lassen sich lieber überwältigen, sind also passiver. Wenn ich einen Kanon leite und in die Gemeinde schaue, bestätigt sich dieser Eindruck.
Das war jetzt mal eine ganz generalisierende Sicht nach 25 Jahren Kirchenmusiker-Leben. Es mag Einzelfälle geben, die anders reagieren, aber alles in allem ist das schon mein Eindruck.
War das zu plump?

Kirchenmusik und Männlichkeit

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Mittwoch, 27. Februar 2013, 06:47 (vor 4984 Tagen) @ Orlos

Ich habe mir über dieses Thema noch nie Gedanken gemacht, es in meiner bisherigen Arbeit auch noch nie Thema gewesen, deshalb schließe ich mich Wolfgang an: "Letzteres".

--
Gruß vom Niederrhein

Kirchenmusik und Männlichkeit

daggies @, Mittwoch, 27. Februar 2013, 07:43 (vor 4984 Tagen) @ Tabernakelwanze

Ich schließe mich dem an: letzteres.

Kirchenmusik und Männlichkeit

NoliMeTangere, Mittwoch, 27. Februar 2013, 07:48 (vor 4984 Tagen) @ Poupoulcorouse

Das einzige Mal, daß mir dieses Thema untergekommen ist, war, als der Pfarrer erzählte: In der Nachbargemeinde würden sich die Frauen weigern , GL 637 (alte Auflage) zu singen, weil es dort heißt: Laßt uns loben, Brüder, loben.

Alberne Bemerkung des Pfarrers dazu: "Wir beten doch auch nicht: Bitte für uns Sünderinnen und Sünder."

Kirchenmusik und Männlichkeit

Unda Maris ⌂, nahe Hamburg, Samstag, 02. März 2013, 12:01 (vor 4981 Tagen) @ NoliMeTangere

Das kann ich toppen: Eine meiner Pastorinnnen (zu Diebstbeginn als PZA' lerin gleich geoutet) bringt regelmäßig den aronitischen Segen in ihrer Privatversion "Sie segne dich und behüte dich;
sie lasse ihr Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
Sie hebe ihr Angesicht über dich und gebe dir Frieden." Auch interessant: Kyrie eleison heißt bei ihr "Gott erbarme dich". Noch ein'? "... gab er seinen Jüngern und Jüngerinnen und sprach..." Mann hat nichts gegen Homopartnerschaften, aber DAS ist schon "sehr eigen" Darum ist der DEKT 2013 auch in HH...

Kirchenmusik und Männlichkeit

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Mittwoch, 27. Februar 2013, 08:28 (vor 4984 Tagen) @ Poupoulcorouse

Ohne jetzt schon auf die einzelnen Beiträge einzugehen:

Statistisch gesehen sind Männer, vor allem Berufstätige, beim Gottesdienstbesuch deutlich unterrepräsentiert. Vor diesem Hintergrund sind die Fragen zu sehen.

Uns interessiert, welchen Einfluss die Kirchenmusik auf dieses Thema haben kann und welche spezifischen Erwartungen Kirchenmusiker und Kirchenmusikfreunde als "Spezialisten" an dieses Thema haben könnten.


Darüberhinaus ging es auch um die Frage, welche Ansprüche Männer an Predigten haben könnten, die sie von den Ansprüchen von Frauen unterscheiden. Ich würde die Diskussion deshalb nicht allein darauf beschränken, ob solche Fragen schon einmal Thema waren oder nicht, sondern würde mich freuen, wenn ihr auch eigene Ansichten zum Thema beitragen könntet.

Kirchenmusik und Männlichkeit

bluenote, Mittwoch, 27. Februar 2013, 08:42 (vor 4984 Tagen) @ Poupoulcorouse

Hey Poupulcorouse,

ich kann mich die Beobachtungen von Orlos nur unterstreichen. Meine eigene Beobachtung ist die, dass bei meinen Orgel-Youtube-Videos 75 bis 80 Prozent der Besucher männlich sind. Bei meinen Klavier-Youtube-Videos ist es anders; da ist das Verhältnis ausgewogen.

Daraus schlussfolgere ich, wenn ich so will, dass Orgelmusik eindeutig männliche Wesen anspricht und die Orgel ein "männliches" Instrument ist.

Kirchenmusik und Männlichkeit

P.Kampf, Donnerstag, 28. Februar 2013, 12:17 (vor 4983 Tagen) @ bluenote

Hey Poupulcorouse,

ich kann mich die Beobachtungen von Orlos nur unterstreichen. Meine eigene Beobachtung ist die, dass bei meinen Orgel-Youtube-Videos 75 bis 80 Prozent der Besucher männlich sind. Bei meinen Klavier-Youtube-Videos ist es anders; da ist das Verhältnis ausgewogen.

Daraus schlussfolgere ich, wenn ich so will, dass Orgelmusik eindeutig männliche Wesen anspricht und die Orgel ein "männliches" Instrument ist.

Oder man differenziert das Instrument gleich in männliche und weibliche Klangfarben aus :-D

Kirchenmusik und Männlichkeit

Orlos, Donnerstag, 28. Februar 2013, 12:58 (vor 4983 Tagen) @ P.Kampf

Putzig. Aber was ist an einem "Unterbaß 16'" weiblich???

Kirchenmusik und Männlichkeit

Martin78 @, Donnerstag, 28. Februar 2013, 13:01 (vor 4983 Tagen) @ P.Kampf

Oder man differenziert das Instrument gleich in männliche und weibliche Klangfarben aus :-D

Aha. Quintadenen, Rohrflöten und Koppelflöten sind dann wohl Zwitter :-)

Kirchenmusik und Männlichkeit

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Donnerstag, 28. Februar 2013, 03:40 (vor 4983 Tagen) @ Poupoulcorouse

Darüberhinaus ging es auch um die Frage, welche Ansprüche Männer an Predigten haben könnten,...

Ich kann nicht für andere Männer reden, aber für mich verhält sich die Sache so: Predigen öden mich in den allermeisten Fällen und mit sehr steigender Tendenz an. Ob ich kritischer geworden bin oder das Niveau der Predigten gesunken ist, vermag ich nicht zu sagen.
Mein Wunsch ist vor allem Einer: Prägnanz. Und daraus resultierend: Kürze, Kürze und nochmals Kürze.

Kirchenmusik und Männlichkeit

stein @, Donnerstag, 28. Februar 2013, 09:00 (vor 4983 Tagen) @ Hausorgler

Mein Wunsch ist vor allem Einer: Prägnanz. Und daraus resultierend: Kürze, Kürze und nochmals Kürze.

In einer Sakristei habe ich einmal als Anweisung für Gastpriester gelesen: Man kann über alles predigen, nur nicht über 10 min.

Kirchenmusik und Männlichkeit

C-Musiker, Donnerstag, 28. Februar 2013, 10:50 (vor 4983 Tagen) @ stein

Den Spruch kenne ich mit 5 Minuten.

Kirchenmusik und Männlichkeit

JSBach @, Aachen, Donnerstag, 28. Februar 2013, 10:19 (vor 4983 Tagen) @ Hausorgler

Wie mein englischlehrer mal so schön sagte:
"Short and pregnant"

Predigten

willscher, Donnerstag, 28. Februar 2013, 12:29 (vor 4983 Tagen) @ Hausorgler

Predigen öden mich in den allermeisten Fällen und mit sehr steigender Tendenz an.

Besonders, wenn es Hirtenworte sind, die man dann am Wochenende mehrmals "genießen" darf.

Mein Wunsch ist vor allem Einer: Prägnanz. Und daraus resultierend: Kürze, Kürze und nochmals Kürze.

Oje, bloß nicht. Der schönste Zeitpunkt, Intonationen und Sätze zu komponieren.
heißt es doch: Alles hat seine Zeit ;-))

Gruß

Andreas

Predigten

Miss Marple @, Freitag, 01. März 2013, 05:28 (vor 4982 Tagen) @ willscher

Ich rede in der Schule immer mal wieder vom Hamburger Verständlichkeitsfenster:
Einfachheit (nicht Schlichtheit!), Kürze/Prägnanz, Ordnung und zusätzliche Anregungen.
(Hat Schulz von Thun u.a. auf etwa 10 Taschenbuchseiten entfaltet). Kannst Du ja als Anregung mal in der Sakristei liegen lassen. Oder es wie weiland Friedhelm Mennekes SJ machen: Von hinten durch die Kirche brüllen: Hör auf mit dem (...), das glaubt Dir ja nicht mal Deine Oma. Runter da vorne! (Zugegegben: Waren homiletische (Trocken-)Übungen in leerer Kirche...
(Und bevor Wolfgang es sagt: Manchmal sind sich Übung und Realität zum Verwechseln ähnlich).
Moin!

Predigten

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Samstag, 02. März 2013, 07:38 (vor 4981 Tagen) @ willscher

Oje, bloß nicht. Der schönste Zeitpunkt, Intonationen und Sätze zu komponieren.
heißt es doch: Alles hat seine Zeit ;-))

Ok. Das ist natürlich ein Argument! Und ich gebe zu: Ich habe an längeren Predigten mit durchaus einigem Gewinn teilgenommen. Nämlich indem ich nochmals kurz "trocken" geübt habe. In einer (nicht näher zu verratenden) Krche hatte ich auch einen Fernseher im Schubfach unter den Registerzügen. Da konnte man immerhin noch die Abendnachrichten verfolgen...

gesteht überhaupt nicht reumütig
ein Hausorgler

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