Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 04. März 2013, 13:41 (vor 4977 Tagen)

Hallo Forum,,

Tabernakelwanze rief (Dank für den Tip!), Clemens non Papa folgte. 75 Kilometer, die sich lohnten. Iveta (ohne “k” im Vornamen!) Apkalna war wieder großartig. Und ihr Programm auch:

Bach Es-Dur BWV 552
Hindemith, 2. Sonate
Kalejs, Lux aeterna
Glass, Mad Rush
Escaich, Evocation II

In zügigem Tempo ging Apkalna das Es-Dur-Praeludium an; von etwas eigenwilliger Agogik, die Echostellen. Sehr prägnant und durchhörbar die Fuge; deutlich wurde die Verwandtschaft der drei Themen. Das war ein Auftakt nach Maß. Da hieß es erst mal durchatmen.

Erstaunlich, wie gut sich nach diesem dicken Brocken die Hindemith-Sonate behauptete. Geschickt registriert, traf Apkalna den Charakter der Sätze bis zur heiteren Fuge, die am Ende aber doch ernsthafter wurde.

Eine Entdeckung war Lux aeterna von Aivars Kalejs (*1951). Ganz im Stil von église éternelle war dieses im memoriam Olivier Messiean geschriebene Stück gehalten. Changierende Akkordfolgen mit langsamer, großartiger Steigerung - ruhiger Abgesang. Ein sehr wirkungsvolles Stück, das gut ins Ohr ging. Möge es Eingang in den allgemeinen Konzertbetrieb finden!

Mad Rush hatte ich 2011 von Apkalna in St. Lambertus, Düsseldorf, gehört. Damals schrieb ich:
Dann zwei abfallende Liegetöne, etwas Konstrukt darum herum, zeitweilig Auflösung in Girlanden (mal vom SW der Chor- dann vom SW der Hauptorgel). Im letzten Drittel ein aufsteigender Dreiklang als Melodie, vielfach wiederholt; Tonrepetitionen langer Werte im Legato. Wieder Girlanden, abfallende Zweisamkeit...Lapidares Ende. 15 Minuten. Große Andachtsmusik.
Auch diesmal: Das Durchhaltevermögen bei dieser litaneihaften Musik war berückend. Man dachte an perpetuum mobile, aber dann ist doch kurz Schluß. Einnehmende, spannende Musik, die freilich angespannte Aufmerksamkeit erfordert..

Am Ende Escaich. Apkalna ging volles Risiko und gewann. Über pochendem Baß-Ostinato schlugen einem die Akkordfetzen nur so um die Ohren. Klar, daß die Orgel gerne und willig mitmachte. So wirken zu dürfen, muß die reine Freude sein.

Als sich Iveta Apkalna an der Emporenbrüstung zeigte, waren schon alle Hörer aufgestanden und applaudierten zur Künstlerin gewandt dankbar und heftig. Aber auch in Kevelaer wachsen die Bäume nicht n den Himmel: Mehr als 70 Hörer dürften es kaum gewesen sein.

Gruß Clemens Schäfer

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

JSBach @, Aachen, Montag, 04. März 2013, 14:37 (vor 4977 Tagen) @ Clemens Schäfer

Danke für den schönen Bericht, aber:

70 Leute ist für Kevelaer volles Haus!

Bei Planyavsky vor 1-2 Jahren waren vielleicht 15-20 da...

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 04. März 2013, 15:43 (vor 4977 Tagen) @ JSBach

bei Guillou war das Langhaus voll besetzt - und bei Latry kam ich nur im Querhaus unter. Also Hunderte.

Nun ja, die zahlreichen Cafés im Ort waren bis auf den letzten Platz besetzt. Schmunzelt Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

3rd_astronaut, Montag, 04. März 2013, 16:00 (vor 4977 Tagen) @ Clemens Schäfer

hab heut schlechte laune ;-)

also: warum spielt sie denn immerzu das gleiche? wenn sie hier mitlesen würde, hätte sie z.b. anstatt dem mad rush mal einen dance von glass spielen können oder was von ad wammes, takle, pärt, welmers, ...
ok, bei kalejs wechselt sie die stücke durch, aber sie könnte auch mal wieder ne neue entdeckung machen. (na gut, die musica-baltica-edition, bei der ich kalejs gebet mal bestellen wollte, ist auch angeblich im webseiten-umbau begriffen, und das sicher seit einem jahr. da versteh ich, dass neuentdeckungen nicht vorankommen ;-) )

den escaich spielt sie auch hoch und runter.

machen das alle konzertorganisten so? also auf einer "tournee" ist mir das klar, aber herr schäfer hat den mad rush ja schon vor 2 jahren von ihr gehört... warum kein größeres repertoire zum durchwechseln?

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 04. März 2013, 20:53 (vor 4976 Tagen) @ 3rd_astronaut

hab heut schlechte laune ;-)

ich dachte immer, Selbsterkenntnis wäre der erste Schritt zur Besserung?! *g*

Nein, mich hat überhaupt nicht gestört, daß Apkalna Mad Rush und Évocation II in Kevelaer gespielt hat, obwohl ich beide Stücke von ihr schon in Düsseldorf gehört hatte. Wie soll man mit zeitgenössischen, teils noch nicht auf CD verfügbaren Werken vertraut werden, wenn man alles nur ein einziges Mal zu hören bekäme?

Gruß, Clemens Schäfer, der gerade in St. Lambertus Karl Hoyer, Mozart, Messiaen und Bach von Johannes Trümper gehört hat. Dazu demnächst an dieser Stelle.

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Montag, 04. März 2013, 22:02 (vor 4976 Tagen) @ Clemens Schäfer

So ein Shit! Ich hatte mich sehr auf das Konzert gefreut - leider war der Magen-Darm-Trakt dagegen. Weiter will ich das mal nicht ausführen, aber ärgerlich ist es trotzdem....ich kenne die meisten Sachen nicht, die sie da spielte.

--
Gruß vom Niederrhein

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

doppelfloete_h @, Hannover, Montag, 04. März 2013, 23:09 (vor 4976 Tagen) @ 3rd_astronaut

...und das mit dem immerzu kann ich jetzt auch gerade nicht bestätigen. okay, ist der gleiche bach wie in hh, und mad rush und escaich II waren auch dabei - aber ehrlich gesagt, das programm sprach dermaßen für sich, dass man das auch in gleicher zusammenstellung noch ein paar mal hätte hören können. was ich noch nicht von der mehrzahl meiner erlebten konzerte behaupten kann...
und in königslutter war das programm nen monat später komplett ausgewechselt - und hervorragend der orgel angepasst.
aber jeder darf auch mal einen schlechten tag haben ;)

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

3rd_astronaut, Dienstag, 05. März 2013, 15:14 (vor 4976 Tagen) @ doppelfloete_h

...und das mit dem immerzu kann ich jetzt auch gerade nicht bestätigen. okay, ist der gleiche bach wie in hh, und mad rush und escaich II waren auch dabei - aber ehrlich gesagt, das programm sprach dermaßen für sich, dass man das auch in gleicher zusammenstellung noch ein paar mal hätte hören können. was ich noch nicht von der mehrzahl meiner erlebten konzerte behaupten kann...
und in königslutter war das programm nen monat später komplett ausgewechselt - und hervorragend der orgel angepasst.
aber jeder darf auch mal einen schlechten tag haben ;)

Klar, ich hatte natürlich einfach Lust, bisschen rumzumeckern ;-)
Das Programm ist ja an sich äußerst interessant, aber ich hatte halt beim Lesen ein Déjà-Vu, und ein wenig Googlen förderte dann doch recht viele fixe Posten in ihren Konzerten zutage.

Ein "ortsfester" Organist muss da schon flexibler disponieren, oder zumindest tun es die lokalen Größen hier... So herausragende Leistungen wie die beschriebene von Guilmant und anderen sind dann aber natürlich Ausnahmeerscheinungen.

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

Karsten, Dienstag, 05. März 2013, 07:52 (vor 4976 Tagen) @ 3rd_astronaut

hab heut schlechte laune ;-)

also: warum spielt sie denn immerzu das gleiche? wenn sie hier mitlesen würde, hätte sie z.b. anstatt dem mad rush mal einen dance von glass spielen können oder was von ad wammes, takle, pärt, welmers, ...
ok, bei kalejs wechselt sie die stücke durch, aber sie könnte auch mal wieder ne neue entdeckung machen. (na gut, die musica-baltica-edition, bei der ich kalejs gebet mal bestellen wollte, ist auch angeblich im webseiten-umbau begriffen, und das sicher seit einem jahr. da versteh ich, dass neuentdeckungen nicht vorankommen ;-) )

den escaich spielt sie auch hoch und runter.

machen das alle konzertorganisten so? also auf einer "tournee" ist mir das klar, aber herr schäfer hat den mad rush ja schon vor 2 jahren von ihr gehört... warum kein größeres repertoire zum durchwechseln?

Hallo!

Das kann man auf sehr viele (gute bis sehr gute) Konzertmusiker übertragen, ich sehe da grundsäzlich erst mal kein Grund zur Kritik. Und es ist tatsächlich so, dass viele Musiker auf Tourneen verschiedene Konzertprogramme vorbereiten und dann anbieten. Ausnahmen gab und gibt es immer, man denke nur an die extremen Leistungen Guilmants, der in seinen Konzerten auf der Weltausstellung keinen Programmpunkt wiederholte oder Jeanne Demessieux, die mehrere tausend Stücke abrufbereit "eingespeichert" hatte und ohne Noten reiste... Andere Profimusiker sind so gut und vor allem dazu bereit, dass sie (fast) jedes gewünschte Werk innerhlb einer extrem kurzen Zeitspanne aufführungsreif einstudieren und afführen können.

Letztlich kommt es auf die Qualität und nicht die Quantität sowohl des Vortrags als auch des Repertoires an. Auch Olivier Latry hat im Konzert sehr viele mehr oder wenige "fixe Posten", die er immer und immer wieder gerne auf's Programm setzt.
Sicher, das Orgelrepertoire ist per se relativ eingeschränkt, was wirklich gutes bis sehr gutes Konzertrepertoire angeht, wenn man es beispielsweise mit dem gigantischen Repertoire der Klaviermusik vergleicht. Da fallen Wiederholungen schneller (unangenehm) auf als die vierzigste Schubert-Klaviersonate, die man im Konzert hört.

Gruß
Karsten

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Dienstag, 05. März 2013, 09:23 (vor 4976 Tagen) @ Karsten

was wirklich gutes bis sehr gutes Konzertrepertoire angeht, wenn man es beispielsweise mit dem gigantischen Repertoire der Klaviermusik vergleicht. Da fallen Wiederholungen schneller (unangenehm) auf als die vierzigste Schubert-Klaviersonate, die man im Konzert hört.


Gruß
Karsten


Jau! Der olle Scarlatti hat ja durchaus "einige" 'Clavier'-Sonaten hinterlassen, von denen sich so manche auch für die Orgel eignet. Da ist man dann doch mal ein paar Tage beschäftigt mit ;-)

Thomas

--
Thomas Haubrich

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

Orlos, Dienstag, 05. März 2013, 09:31 (vor 4976 Tagen) @ untersatz32

Scarlatti?
Na, ob das für Kevelaer das Richtige wäre...

Aber von Reger wird auch nicht mehr viel gespielt, da gibt es einige Sachen, die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf einem Programm gelesen habe.

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Dienstag, 05. März 2013, 11:07 (vor 4976 Tagen) @ Orlos

Ach, Guillou und seine Apostel/Apostelinnen spielen Scarlatti mit teils fulminanter Wirkung auch in
Sanctus Johannus Guillousius EUSTACHE.
Nicht übel...

Grüsse

Thomas

Aber es ist teils richtig, die Chopin-CD z.B. aus Kevelaer haut mich nicht so ganz wirklich vom Sockel (obwohl ja hochromantische Musik auf einer hochromantischen Orgel und virtuos gespielt vom Interpreten),
aber das ist natürlich Geschmackssache und vielen gefällts bestimmt...

--
Thomas Haubrich

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

Karl-Bernhardin Kropf, Dienstag, 05. März 2013, 16:45 (vor 4976 Tagen) @ Orlos

Scarlatti?
Na, ob das für Kevelaer das Richtige wäre...

Vielleicht doch?
Kommt drauf an, wer's wie macht...

Hab mich im Mander-Forum scheinbar gerade blamiert, weil ich den Purcell, gespielt im BBC3-Evensong diese Woche (ab 51:00), auf dieser Orgel, gelobt habe...

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Dienstag, 05. März 2013, 20:35 (vor 4976 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Sieht herrlich aus. Und das DU gutes Spielen und einen guten Purcell erkennst, dürfte jeder mit klarem Kopf dir auch zugestehen...

Es gibt auch puristische Engstirnigkeit bzw. Scheuklappen. Scheins auch in England...

Viele Grüsse

Thomas

--
Thomas Haubrich

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

Max Reger, Samstag, 09. März 2013, 14:20 (vor 4972 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von forenadmin, Samstag, 09. März 2013, 19:02

"Aber von Reger wird auch nicht mehr viel gespielt, da gibt es einige Sachen, die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf einem Programm gelesen habe."

Wir mussten den folgenden Beitrag leider entfernen, da er wohl nicht der Wahrheit entsprach. Leute, bitte mäßigt euch mit euren Äußerungen, besonders, wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen.

Gudrun Kollerics
Forenbetreiberin

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

orgelfreund, Montag, 04. März 2013, 22:54 (vor 4976 Tagen) @ Clemens Schäfer

hallo,wo gibts denn die orgelnoten von kalejs "lux aeterna"?.es ist äußerst schwierig ,an noten von stücken zu kommen,die frau apkalna spielt.anfragen an sie waren zwecklos.bis ich endlich die fantasie in g von kalnins hatte,war eine odyssee.habt ihr ähnliche erfahrungen gemacht fragt sich der orgelfreund...

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

JSBach @, Aachen, Montag, 04. März 2013, 22:59 (vor 4976 Tagen) @ orgelfreund

viele sachen von Kalejs sind bisher nicht erschienen, Apkalna spielt wohl oft aus seinen Manuskripten...

Iveta Apkalna in Kevelaer, der Bericht

doppelfloete_h @, Hannover, Montag, 04. März 2013, 23:01 (vor 4976 Tagen) @ orgelfreund

Hm, da hab ich verhältnismäßig gegensätzliche Erfahrungen gemacht. Hatte mich ja nach dem HH-Konzert im Juni nach dem Kalejs-Gebet erkundigt; sie nannte mir Musica Baltica als Kontakt. Bot sogar noch an, selbst was zu organisieren, wenn es da Probleme geben sollte - die website scheint ja bis heute nicht auf das Bestellsystem eingestellt zu sein.
Wie auch immer, war nicht nötig, ich habe bei einem Besuch bei einem Notenhändler meines Vertrauens nach Bestellmöglichkeiten gefragt. Das wurde positiv beantwortet, allein der Bestellprozess dauerte ein paar Wochen, aber mittlerweile übe ich brav am "Gebet"... ;)

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