Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

orgamat, Samstag, 09. März 2013, 06:11 (vor 4972 Tagen)

Bisher kenne ich nur linguale 16'-Register, die quasi als Podest unter eine Truhe bzw. ein kleines Positiv gebaut wurden und mittels einer Pedalklaviatur angespielt werden. Gibt es solch platzsparende Lösungen (abgesehen von einem Qubus 16') irgendwo auch mit einem einem labialen 16', der ja eigentlich sehr viel Platz benötigt?

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

Orgelbaumeister, Samstag, 09. März 2013, 07:36 (vor 4972 Tagen) @ orgamat

Hallo,

ich erinnere mich dass Fa. Oberlinger einen labialen 16' (sog. Kubus 16' o.ä.) gebaut, und im Programm hatte. Wir hatten bisher in unserer Firma noch nicht die Zeit uns damit ausführlich zu beschäftigen.

Grüße

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

Oliver Horlitz ⌂, Samstag, 09. März 2013, 17:18 (vor 4971 Tagen) @ Orgelbaumeister

Hallo,

ich erinnere mich dass Fa. Oberlinger einen labialen 16' (sog. Kubus 16' o.ä.) gebaut, und im Programm hatte. Wir hatten bisher in unserer Firma noch nicht die Zeit uns damit ausführlich zu beschäftigen.

Der Kubus, den ich mal hören konnte, machte eher undefiniert "huibuh". Allerdings hat mir jemand erzählt, daß er drei Orgeln mit Kubus bei Oberlinger probieren konnte, einer habe ganz passabel geklungen, bei einem anderen sei ein deutlich Quintklang zu hören gewesen und der dritte muß ähnlich dem geklungen haben, den ich hörte. Ich stelle mir auch vor, daß so ein Kubus schwer bis nicht zu intonieren ist: Muß doch eine Pfeife nach Okarina-Art eine ganze Oktave abdecken. Wenn die tiefen Töne ordentlich ansprechen sollen, könnte es passieren, daß die hohen Töne kurz vor dem Übberblasen sind (was die hörbare Quinte aus Nr. 2 erklären würde).

Da sind Doppeltonpfeifen oder Dreitonpfeifen intonatorisch noch wesentlich handhabbarer, weil sie zehn oder acht Töne, die der Kubus mehr abdeckt, nicht erreichen müssen. Und mit solchen Pfeifen (z.B. Dreitonpfeife C,Cis,D, dann Dis, E, F, dann Zweitonpfeife Fis, G und Gis, A und schließlich zwei einzelne Pfeifen B und H) ließe sich auch Platz sparen. Allerdings ist der bauliche Aufwand für die Mehrtonpfeifen hoch.

Alternativ könnte man die große Oktave auch akustisch bauen, ein gelungenes Beispiel an einer Truhenorgel (allerdings hinter dem Spieler) kann man im Museum der Oskar-Walkerschule besichtigen...

Und wenn man es ganz platzsparend haben will, dazu noch dynamisch, dann könnte man doch lingual bauen, wie es die Fa. E.F.Walker im 19. Jhdt. getan hat. Ein "Serpent 16´" ist auch noch per Winddrossel dynamisch..


meint, fröhlich grüßend,
Oliver

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

stein @, Sonntag, 10. März 2013, 08:01 (vor 4971 Tagen) @ Oliver Horlitz

Der Kubus, den ich mal hören konnte, machte eher undefiniert "huibuh". Allerdings hat mir jemand erzählt, daß er drei Orgeln mit Kubus bei Oberlinger probieren konnte, einer habe ganz passabel geklungen, bei einem anderen sei ein deutlich Quintklang zu hören gewesen und der dritte muß ähnlich dem geklungen haben, den ich hörte. Ich stelle mir auch vor, daß so ein Kubus schwer bis nicht zu intonieren ist: Muß doch eine Pfeife nach Okarina-Art eine ganze Oktave abdecken. Wenn die tiefen Töne ordentlich ansprechen sollen, könnte es passieren, daß die hohen Töne kurz vor dem Übberblasen sind (was die hörbare Quinte aus Nr. 2 erklären würde).

Kann ich nur bestätigen. Die drei Orgeln standen fast baugleich nebeneinander. Einer der drei Kuben war eine wirklich sehr gut gelungene Alternative. Schade, dass man diese Form des 16 Fuss nicht mehr weiter verfolgt hat.
Sicherlich mit der Firmenpleite und dem Oberlingerpatent schwierig.
Eigentlich eine garnicht so schlechte Firma. Sie wird häufig auf ihre Fehler in den 70gern reduziert. Es fehlten vielleicht auch so manche Stars. Die Infrastruktur des Betriebes erzielte immer ihre Wirkung.
gruss stein

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

Florgel @, Sonntag, 10. März 2013, 21:10 (vor 4970 Tagen) @ stein

Eigentlich eine garnicht so schlechte Firma. Sie wird häufig auf ihre Fehler in den 70gern reduziert. Es fehlten vielleicht auch so manche Stars. Die Infrastruktur des Betriebes erzielte immer ihre Wirkung.
gruss stein

Hmm, leider kenne ich nur ein Instrument dieser Firma. Das stammt allerdings schon aus den 80er Jahren. Wunderbarer Raum und fantastisches, historisches Orgel-Gehäuse. Seit einiger Zeit gibt es dort einen Förderverein für eine neue Orgel.
Die absolut sehenswerte und sehr große Kirche hat auch ein gutes Instrument verdient.

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

der_kasibaer, Sonntag, 10. März 2013, 13:12 (vor 4970 Tagen) @ Oliver Horlitz

Da sind Doppeltonpfeifen oder Dreitonpfeifen intonatorisch noch wesentlich handhabbarer, weil sie zehn oder acht Töne, die der Kubus mehr abdeckt, nicht erreichen müssen. d mit solchen Pfeifen (z.B. Dreitonpfeife C,Cis,D, dann Dis, E, F, dann Zweitonpfeife Fis, G und Gis, A und schließlich zwei einzelne Pfeifen B und H) ließe sich auch Platz sparen. Allerdings ist der bauliche Aufwand für die Mehrtonpfeifen hoch.

Diese Ausführung scheint in der Tat selten zu sein. Ich erinnere mich an zahllose Diskussionen in Bezug auf einen 16' bei Hausorgel und Mehrton-Pfeifen, kenne aber kein realisiertes Beispiel persönlich. Wenn solche Pfeifen gebaut werden, dann wohl in erster Linie als offener oder halboffener Bass. einen Gedackt mit zuschaltbaren geschlossenen Kammern, wie ihn zB Audsley zeigt, gibts den überhaupt? Da finde ich die Version eines Gedacktes mit 1-2 Rohrflöten-Röhrchen für die zwei nächsthöheren Töne schon machbarer. Evtl. mit einem zweiten Ventil für eine angepasste Windmenge. Und auf einer elektrischen Zusatz-Lade, sonst wird der Aufwand für die Ansteuerung vermutlich sehr hoch.

Ich wäre interessiert, ob es das irgendwo gibt (bestimmt!) uns wie es sich bewährt (im Vergleich zu einfach 12 normalen Pfeifen).

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Sonntag, 10. März 2013, 17:33 (vor 4970 Tagen) @ der_kasibaer
bearbeitet von Hausorgler, Sonntag, 10. März 2013, 17:36

Orgelbau Vier hat solche Mehrtonpfeifen gebaut. Ich denke, man könnte dort nachfragen, wo diese Orgeln stehen und sich das dann einfach anhören.

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

Oliver Horlitz ⌂, Sonntag, 10. März 2013, 17:44 (vor 4970 Tagen) @ der_kasibaer

Da finde ich die Version eines Gedacktes mit 1-2 Rohrflöten-Röhrchen für die zwei nächsthöheren Töne schon machbarer. Evtl. mit einem zweiten Ventil für eine angepasste Windmenge. Und auf einer elektrischen Zusatz-Lade, sonst wird der Aufwand für die Ansteuerung vermutlich sehr hoch.

Ein zusätzliches Ventil ist nicht notwendig, eine elektrische Lade ebensowenig. Die Variante mit den seitlich verschiebbaren Rohren, die in die Pfeife hineinragen, steuert sich über kleine Bälgchen, die das Rohr öffnen. Es gibt dann zwei bzw. drei "Windbahnen" mit entsprechender Rückschlagklappe zu der/den anderen. Keine Elektrik nötig...

Ich wäre interessiert, ob es das irgendwo gibt (bestimmt!) uns wie es sich bewährt (im Vergleich zu einfach 12 normalen Pfeifen).

Unter anderen die Fa. Späth und Fa. Vier haben so etwas gebaut: Mechnismus Mehrtonpfeifen (ganz runter scrollen)

meint, freundlich grüßend,
Oliver

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

zehnzweidrittel @, Sonntag, 10. März 2013, 20:04 (vor 4970 Tagen) @ Oliver Horlitz

Hier ein absoluter Zufallsfund bei Youtube.

Leider verstehe ich kein Französisch. Aber es sieht ganz schön gebastelt aus.
Fachleute vor!


Viele Grüße

zehnzweidrittel

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

stein @, Sonntag, 10. März 2013, 20:45 (vor 4970 Tagen) @ zehnzweidrittel

Der scheint wohl hinterm Mond zu leben. Meine Blockflöte hat noch viel mehr Löcher und Töne.

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

zehnzweidrittel @, Sonntag, 10. März 2013, 20:58 (vor 4970 Tagen) @ stein

Und Akkorde braucht dann auch keiner mehr üben ...

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

SlowOrg @, Maribor, Sonntag, 10. März 2013, 17:48 (vor 4970 Tagen) @ der_kasibaer

Diese Ausführung scheint in der Tat selten zu sein. Ich erinnere mich an zahllose Diskussionen in Bezug auf einen 16' bei Hausorgel und Mehrton-Pfeifen, kenne aber kein realisiertes Beispiel persönlich. Wenn solche Pfeifen gebaut werden, dann wohl in erster Linie als offener oder halboffener Bass. einen Gedackt mit zuschaltbaren geschlossenen Kammern, wie ihn zB Audsley zeigt, gibts den überhaupt? Da finde ich die Version eines Gedacktes mit 1-2 Rohrflöten-Röhrchen für die zwei nächsthöheren Töne schon machbarer. Evtl. mit einem zweiten Ventil für eine angepasste Windmenge. Und auf einer elektrischen Zusatz-Lade, sonst wird der Aufwand für die Ansteuerung vermutlich sehr hoch.

Ich wäre interessiert, ob es das irgendwo gibt (bestimmt!) uns wie es sich bewährt (im Vergleich zu einfach 12 normalen Pfeifen).

Hallo,

diese, 2003/2004 erbaute kleine Orgel...

[image]

... in der Kapelle des Priesterseminars in Maribor hat im Subbass 16’ für die Töne C bis G nur vier Pfeifen ...

[image]

... die jeweils zwei Töne produzieren. Funktioniert überzeugend und problemlos.

M

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

Benjamin Danner, Montag, 11. März 2013, 07:07 (vor 4970 Tagen) @ SlowOrg

Wer hat die Orgel gebaut?

Fragt Benjamin

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

Florian-L, Montag, 11. März 2013, 07:35 (vor 4970 Tagen) @ Benjamin Danner

Wer hat die Orgel gebaut?

Fragt Benjamin

Orglarska Delavnica Maribor

Weitere Bilder zur Orgel hier.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

Friedrich @, Samstag, 09. März 2013, 07:49 (vor 4972 Tagen) @ orgamat

Bisher kenne ich nur linguale 16'-Register, die quasi als Podest unter eine Truhe bzw. ein kleines Positiv gebaut wurden und mittels einer Pedalklaviatur angespielt werden. Gibt es solch platzsparende Lösungen (abgesehen von einem Qubus 16') irgendwo auch mit einem einem labialen 16', der ja eigentlich sehr viel Platz benötigt?

Wenn ich mich recht erinnere, hat das Kenneth Jones mit seiner Continuo-Orgel fürs Megaron in Athen gemacht. Wir hatten da mal ein Foto in Orgel International, das ich aber nicht mehr zur Hand habe. Ich glaube, es ist diese Orgel (Foto von Kenneth Jones’s Website):

[image]

Wahrscheinlich sitzt der Organist da auf der großen Oktave eines 16'.

Gruß,
Friedrich

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

J.Bremme, Samstag, 09. März 2013, 08:54 (vor 4972 Tagen) @ Friedrich

Es gab bei Weishaupt vor Kurzem eine solche Orgel aus Österreich im Angebot:

[image]


Disposition
Manual I
Gedackt 8'
Principal 4'
Schwiegel 2'
Scharff 1'
Tremulant
Manual II
Gedackt 8'
Rohrflöte 4'
Regal 8'
Pedal
Subbass 16'

Auf dem Bild ist der Podest höchstens zu ahnen, er ist auch nicht sehr hoch, aber in der Tiefe ausladend

Die Orgel scheint verkauft zu sein...

Labialer 16' als Podest unter Truhen- bzw. Positivorgel

Miss Marple @, Samstag, 09. März 2013, 18:31 (vor 4971 Tagen) @ orgamat

In der Schottenkirche in Wien (Schottenstift Wien) stand bis zu Kirchenrenovierung und Orgelneubau (sowohl Chor- als auch Hauptorgel durch Mathis) eine kleine zweimanualige Orgel von Hradezky (842 - 48 - 16, II/I, I/P), deren Subbaß 16´ liegend als Podest gebaut war (ich bin nicht gut im Schätzen, aber ca. 30cm hoch, dann etwa 170x 240). Die Orgel sah ziemlich genauso aus wie diese Orgelbau Hradetzky - 3teilige Orgel. Der Klang war sehr gut und der Bass hat die Kirche aus der Vierung heraus schon ordentlich gefüllt. Die Orgel steht (mein letzter Wissensstand) als Übeorgel im Orgelstudio, der alten Pfarrkanzlei - quasi vor dem Turm neben dem Schubladkasten, für die Ortskundigen.

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