Zum "Cochereau-Spieltisch" in Notre-Dame de Paris
genau dafür bin ich so gern im Forum- weil es hier qualifizierte Infos gibt, die sonst kaum oder nicht zu finden sind. Auch herzlichen Dank von mir!
Hier noch einige Ergänzungen und der Vergleich der verschiedenen Spieltisch-Layouts:
Jean Hermann-Spieltisch 1962 (in einer Seitenkapelle des südlichen Seitenschiffs in Notre-Dame):
![[image]](images/uploaded/20130309142102513b454eb304e.jpg)
Quelle: http://www.notredamedeparis.fr/IMG/jpg/NDP_2007_07_04-2.jpg
Von links nach rechts sieht man die Registergruppen von Pédale, Grand Orgue, Positif, Récit, Solo und Grand Chœur in jeweils drei senkrechten Reihen angeordnet:
1. Prinzipale und Mixturen
2. Flöten und Aliquoten
3. Zungenregister
Im Spieltisch waren bereits Registerzüge für die geplante Erweiterung des Pedals eingebaut, dessen Zusatzladen und Pfeifenwerk aber erst nach 1965 hinzugefügt wurden. Sechs Registerzüge des Pedals, die nicht mehr in die äußersten drei linken Reihen passten, wurden aus Platzgründen unter die Abteilung der Registerzüge vom 1. Manual (Grand Orgue) eingefügt. Es waren etwa 15 Registerzüge vorbereitend eingebaut worden, die aber keine Funktion hatten.
Jean Hermann hatte im Spieltisch (als Kippschalter über dem 5. Manual und als Fußpistons) sechs "Appels Anches" für die fünf Manuale und das Pedal eingebaut. Es war ein Zugeständnis an die frühere Cavaillé-Coll-Orgel, das eigentlich überflüssig geworden war: diese "Appels" bewirkten nur die elektronische Aktivierung der Zungenregister jedes Teilwerks und entsprachen nicht mehr den ursprünglichen "Jeux de Combinaison" (Grundstimmen über 4'-Lage, Aliquoten, Mixturen und Zungen). Bei den Arbeiten von 1959-63 wurde zwar die Windladenaufteilung zwischen Grundstimmen und "Jeux de Combinaison" beibehalten. Aber die Ventile zur Aktivierung der "Jeux de Combinaison" (die im Cavaillé-Coll-Spieltisch durch Einführungstritte betätigt worden waren) wurden dauerhaft geöffnet. Die nun vorhandene Setzeranlage liess die neu installierten "Appels Anches" umso deutlicher nutzlos werden; eigentlich waren es Zungenabsteller für jedes Teilwerk.
Jean Hermann-Spieltisch in den 80er Jahren:
![[image]](images/uploaded/20130309142238513b45ae819f2.jpg)
Quelle: http://villa.hautetfort.com/album/notre_dame_de_paris/claviers_nd_paris.3.jpg
Der Spieltisch hatte seit 1972 ein grundlegend überarbeitetes Layout mit neu angefertigten Registerzügen. Der Registerbestand vor allem im Pedal war derart angewachsen, dass die ursprüngliche Symmetrie der Registerzüge (drei senkrechte Registerzug-Reihen je Teilwerk) aufgegeben werden musste. Zusätzlich hatte Cochereau 19 Registerzüge für das geplante (aber nie gebaute) Rückpositiv einbauen lassen, die sich in jeweils zwei senkrechten Reihen links und rechts der Manuale befanden (diese Registerzüge trugen nur die Registernamen ohne Fußton-Bezeichnung). Etwa 25 der mehr als hundert Registerzüge im Spieltisch von Notre-Dame hatten keine Funktion.
Über den Registerzügen befanden sich seit 1962 rechteckige Elfenbeinschilder mit der Bezeichnung des jeweiligen Teilwerks, die beim Drücken als werksweise Absteller fungierten. Das technische Versagen dieser Absteller führte schließlich zum endgültigen Ausfall und Stilllegen der Setzeranlage im Oktober 1983.
Wie schon erwähnt, bestand das Gehäuse des Hermann-Spieltisches aus laminierten Spanplatten, während andere Bauteile sehr viel höherwertiger und robuster waren. Angesichts der unzähligen Überarbeitungen und Ergänzungen der (letzlich provisorischen) Spieltisch-Elektrik und Verkabelung sowie des Designs zwischen 1963 und 1983 ist es eigentlich nicht überraschend, dass der Spieltisch relativ schnell verschlissen war und nur die langlebigsten Komponenten durch Jean-Loup Boisseau wiederverwendet worden sind.
Übrigens ließ schon Louis Vierne 1932 durch Joseph Beuchet die unterschiedlichen Winddrücke von Bass und Diskant in allen Windladen beseitigen, einige der größeren Zungenregister neu intonieren und Repetitionspunkte in mehreren Mixturen nach neo-klassischer Ästhetik verändern.
Abschließend die Übersicht der beiden Umbaupläne von Louis Vierne (1928) und Pierre Cochereau (1982), die nie umgesetzt wurden:
Projet de Louis Vierne non réalisé (1928)
Projet d’agrandissement de Pierre Cochereau non réalisé (1982)
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- Zum "Cochereau-Spieltisch" in Notre-Dame de Paris - Cor de Basset, 09.03.2013, 11:19
- Zum "Cochereau-Spieltisch" in Notre-Dame de Paris - fluteceleste, 09.03.2013, 13:19
- Zum "Cochereau-Spieltisch" in Notre-Dame de Paris - Cor de Basset, 09.03.2013, 15:06
- Zum "Cochereau-Spieltisch" in Notre-Dame de Paris - stein, 09.03.2013, 17:27
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