Radiotipp

Florian-L, Donnerstag, 14. März 2013, 10:09 (vor 4965 Tagen)

Hallo!

Eine Feuerprobe für die Orgel im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins: Symphonie Nr. 3 c-Moll op. 78 von Camille Saint-Saens.

Noch bis Sonntag "on demand" nachzuhören.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Radiotipp

Orlos, Donnerstag, 14. März 2013, 23:14 (vor 4965 Tagen) @ Florian-L

Danke für den Tipp. Es gibt ja viele putzige Aufnahmen dieses Stückes, ich erinnere mich an eine mit Karajan und Cochereau an Notre-Dame. Hier in Wien klingt alles sehr sauber, differenziert und gediegen, allerdings kommt die Orgel beim letzten Satz im Radio nicht so majestätisch herüber. Wahrscheinlich ist aber im Saal alles bestens ausgesteuert. Das ist eben das Problem bei solchen Übertragungen.

Radiotipp

Contrebasson 32' @, Freitag, 15. März 2013, 01:54 (vor 4964 Tagen) @ Orlos

...allerdings kommt die Orgel beim letzten Satz im Radio nicht so majestätisch herüber. Wahrscheinlich ist aber im Saal alles bestens ausgesteuert. Das ist eben das Problem bei solchen Übertragungen.

Damit war bei Ernst auch zu rechnen... alles andere hätte mich gewundert.

Radiotipp

Friedrich @, Samstag, 16. März 2013, 20:24 (vor 4963 Tagen) @ Contrebasson 32'
bearbeitet von Friedrich, Samstag, 16. März 2013, 21:19

...allerdings kommt die Orgel beim letzten Satz im Radio nicht so majestätisch herüber. Wahrscheinlich ist aber im Saal alles bestens ausgesteuert. Das ist eben das Problem bei solchen Übertragungen.

Man fragt sich beim Hören, ob beim Finalbeginn überhaupt Manualzungen drin sind. Ich finde, die Interpretation geht in dieser Hinsicht am Stück vorbei (wenn sie auch sonst ganz schön gespielt ist; da gibt es traumhafte Streicherklänge, schön präzises und leises Blech, herrliche Flöten, und die etwas kehlige Oboe gefällt mir ganz gut). In der Partitur steht bei der Orgel zum Finalbeginn allerdings nur f, alle sonst üblichen französischen Registrierangaben fehlen – das ist also ganz schwer Interpretationssache.

Die Uraufführungsorgel in der Londoner St James’s Hall war eine Gray & Davison von 1858; nicht auszuschließen, dass die hinter einer französischen Orgel der Zeit ziemlich zurückblieb.

Ich stelle mir so etwas vor wie ein moderates Tutti, also GPR, GO Fonds 16 8 4 + Anches 8 4 (incl. Pleins-jeux), Pos Fonds + Anches 8 4, R Fonds + Anches 16 8 4, P Fonds + Anches 16 und Tirasse GO (bzw. Tirasses GPR), alles ohne Octaves graves. Dann hat man noch ordentlich etwas zum Draufsatteln und trotzdem einen intensiven Klang.

Dann die p-Stellen unter den Klavier-Arpeggien, wo in der Stimme nur »p« steht: Für mich ist das ganz klar ein Demi Grand Chœur, das p bezieht sich also auf den Stand der Jalousien; der französisch geschulte Organist würde also nur die Appels GO, Pos und P abstellen, oder er spielt auf R allein, oder er stellt die Anches Pos und P ab und wechselt aufs Pos-Manual. Power-Biggs und Ormandy haben das so aufgenommen, mit Tutti im geschlossenen Schwellkasten, und es klingt grandios. Guillou macht dann sogar ein < auf dem letzten p-Akkord – perfekt!

So etwas weiß ein Dirigent aber in der Regel nicht. Der braucht dann eine Einführung in französische Orgelkunde. Dass das so ist, muss er aber erst einmal einsehen, da wird’s dann diplomatisch.

Über die Jahre habe ich immer mehr gestaunt, wie gut die Biggs-Ormandy-Aufnahme insgesamt immer noch abschneidet – in Orchesterspiel, Orgelspiel, Gesamtinterpretation und Aufnahmetechnik. Dabei kam sie mir beim ersten Hören (1984?) enttäuschend trocken vor. So gewöhnt man sich.

Gruß,
Friedrich

P. S.
“Nevertheless, by 1875, the house style of Gray & Davison was for fairly mild-toned fluework, modest power and smooth reeds, and this was to influence Rothwell for the rest of his career.” Zitat von hier.

Radiotipp

JSBach @, Aachen, Samstag, 16. März 2013, 21:01 (vor 4963 Tagen) @ Friedrich

was hälst du von der Aufnahme Roth/Roth in St. Sulpice, wenn du (oder jemand anderes hier) sie kennt?

Radiotipp

stein @, Samstag, 16. März 2013, 22:46 (vor 4963 Tagen) @ JSBach

Ich kenne keine bessere.

Radiotipp

Friedrich @, Sonntag, 17. März 2013, 04:46 (vor 4962 Tagen) @ JSBach

was hälst du von der Aufnahme Roth/Roth in St. Sulpice, wenn du (oder jemand anderes hier) sie kennt?

Auf die Frage hin habe ich sie gleich runtergeladen und mir endlich mal angehört. Die ist in der Tat sehr schön – gut, wenn jemand am Pult steht, der was von Orchesterinstrumenten und von der Orgel versteht und der den Organisten gestalten lässt. Was FX Roth im Adagio aus den Streichern herausholt – z. B. diesen kleinen Schweller in der Begleitung am Ende des ersten Themendurchgangs –, das ist exquisit, und darauf kommen nicht alle.

Eigentümlich ist natürlich der vibratoarme Streicherklang des Orchesters Les siècles und die Schärfe, die er den Bassregistern gestattet – die sägenden Posaunen und das im Forte sehr zottige Fagott. Er versteht auch, dass Saint-Saëns bisweilen regelrecht registriert und warum er das tut (in den Wiederholungen des Adagio etwa die sehr aparte Mischung Posaune und Klarinette). Das Blech erreicht freilich im Ensemble nicht die Präzision, die das Philadelphia oder auch die Wiener Symphoniker draufhaben. Französisches Holz dagegen macht immer Spaß, so auch hier.

Die Orgelpartie und die Rolle des Instruments im Ensemble ist im Finale tatsächlich unerreicht. In der Abmischung klingt die Orgel von Saint-Sulpice groß und weich und trotzdem kraftvoll, regelrecht orchestral. Der Schwellwerkseinsatz ist wunderschön, sehr geschmackvoll und künstlerisch, auch wenn die Lade offenbar in einer kühleren Zone der Kirche steht und merklich tiefer intoniert. Beim C-Dur-Schluss passiert dann unüberhörbar, wovor es Orchestern und Dirigenten graust: Druckabfall und damit ein leichtes Absacken der Stimmung. Eine spezialisierte Konzertsaalorgel reagiert da vermutlich anders. Umso lobenswerter, dass das die Familie Roth nicht kümmert und sie die Aufnahme hat veröffentlichen lassen. Die dramatische Stretta reißt die leichte Einbuße reichlich heraus. Perfekte Tempokontrolle.

Das ist tatsächlich eine sehr schöne und empfehlenswerte Aufnahme. Sie bestätigt mal wieder meinen Verdacht, dass es nicht viele Orgel-Orchester-Stücke gibt, die an die Saint-Saëns-Sinfonie rankommen. Da lohnt es sich doch, wenn Komponist und Interpreten auf dem gleichen intellektuellen und künstlerischen Niveau stehen.

Gruß,
Friedrich

Radiotipp

Florian-L, Sonntag, 17. März 2013, 07:36 (vor 4962 Tagen) @ Friedrich

Man fragt sich beim Hören, ob beim Finalbeginn überhaupt Manualzungen drin sind.

Der betreuende Orgelbauer, der zuvor alle Zungen gestimmt hat, soll ziemlich wütend gewesen sein.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Radiotipp

Offenbass ⌂ @, Göttingen, Samstag, 16. März 2013, 17:59 (vor 4963 Tagen) @ Florian-L

hier noch zwei Ganztagsangebote im Internet.

http://www.organlive.com
http://www.positivelybaroque.com/

Gruß Martin

Radiotipp

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Samstag, 16. März 2013, 18:10 (vor 4963 Tagen) @ Offenbass

Positvelybaroque ist 'ne feine Sache.
Besonders dank der zu jedem Beitrag verfügbaren Informationen.


Wobei der Tippfehler in der Disposition der momentan zu hörenden Orgel auf eine fragwürdige mentale Verfassung des Vertippers schließen lässt ;-)

http://www.hcs.harvard.edu/organ/organs.php

Siehe Pedal.

Radiotipp

Offenbass ⌂ @, Göttingen, Samstag, 16. März 2013, 18:15 (vor 4963 Tagen) @ Poupoulcorouse

jetzt geht es wieder :-)

powered by my little forum