Wesselburen
Kurze Frage:
Kennt hier jemand vielleicht die Disposition der West-Orgel in Wesselburen (Neubau nach Klapmeyer 1738)?
Vielen Dank im Voraus!
Wesselburen
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Leider hat die Seite in diesem Fall nur veraltete Informationen zu bieten.
Rowan West hat in zwei Bauabschnitten von 2006 bis 2011 das alte Klapmeyer-Gehäuse mit einem stilistisch passenden Neubau, unter Verwendung einiger erhaltener Teile, gefüllt. Die 60er-Orgel wurde dabei ersetzt.
Wesselburen
Rowan West hat in zwei Bauabschnitten von 2006 bis 2011 das alte Klapmeyer-Gehäuse mit einem stilistisch passenden Neubau, unter Verwendung einiger erhaltener Teile, gefüllt. Die 60er-Orgel wurde dabei ersetzt.
Jetzt, wo Du's sagst, erinnere ich mich. 2006 wurden 18 Register rekonstruiert, der Rest 2011. Insgesamt sind es dann 32.
Wesselburen
Wesselburen
Auf die bin ich schonmal gestoßen, vielen Dank trotzdem :-)
Aber 'ne Disposition habe ich nirgends entdecken können.
Manchmal frage ich mich, warum Rowan Wests Neubauten so wenig Beachtung finden. Was man so sieht/hört kann sich ja wirklich sehen lassen. Oder gibts da Gegenstimmen?
Wesselburen
klingen tut´s in der tat klasse.
Wesselburen
Ich habe noch nie eine West-Orgel live gehört, möchte deshalb kein Urteil abgeben. Die Homepage wird schon lange nicht mehr aktualisiert.
Von anderen Orgelbauern hörte ich, dass Herr West etwas schwierig sei, im manchen Dingen dogmatisch, Stichwort: Sandguss. Ich will jetzt hier aber keine Gerüchte erzeugen. Wenn er gute Orgeln baut, sollte das unbedingt bekannter werden!
Wesselburen
was hat es jetzt mit den stichworten "dogmatisch" und "sandguß" auf sich? ist gemeint: kostet mehr, und wenn herr west darauf besteht, bekommt er schwierigkeiten mit den kunden?
ich würde das eher prinzipienfest nennen?
besitze eine sehr interessante dokumentation in buchform über die restaurierung -- durch henk van eken -- der radeker/garrels-orgel in anloo von 1719 (ed panman/henk van eken/harald vogel: opus magnum in de magnuskerk te anloo. een uniek instrument van de orgelbouwers radeker en garrels. stichting "muziek in anloo" 2002)
auch hier wurde für das nachschaffen fehlender originalpfeifen das sandgußverfahren gewählt und es wird stein und bein geschworen (und im detail erklärt), daß bzw. warum dieses und nur dieses verfahren -- mit anschließender manueller bearbeitung der gegossenen folien -- den gewünschten authentischen klang liefert.
Wesselburen
Keine Hinweise?
Sollte das unerschöpfliche Wissen dieses Forums an seine Grenzen gekommen sein? :-)
Wesselburen, Sandguss, Flentrop
Im aktuellen "Concerto"-Heft gibt es ein Interview mit dem Leiter von Flentrop über die neue alte Katharinenorgel (Hamburg).
Er beschreibt das Erlernen des Sandgussverfahrens für seine Firma als sehr mühsam, das Ergebnis aber definitiv überzeugend und den Aufwand wert.
Wesselburen, Sandguss, Flentrop
Gut zu wissen, daß man das dort auch durchzieht. Ist bisher nicht bis zu mir durchgedrungen.
Wesselburen
Ich habe an der rekonstruierten/restaurierten West-Orgel der Stadtkirche in Celle eine CD-Einspielung schon vor einigen Jahren vorgenommen. Ich muß sagen, daß mir selten ein so schönes Instrument unter die Finger gekommen ist. Herr West war übrigens damals sehr zuvorkommend und freundlich.Und wie ich das so mitbekomme, wird das Instrument in Celle ja auch nicht überregional sonderlich bekannt gemacht.
Wesselburen
Dann wird man wohl oder übel beim Organisten/der Kirchengemeinde/Herrn West nachfragen müssen.
Gruß, Walter
Wesselburen
auch hier wurde für das nachschaffen fehlender originalpfeifen das sandgußverfahren gewählt und es wird stein und bein geschworen (und im detail erklärt), daß bzw. warum dieses und nur dieses verfahren -- mit anschließender manueller bearbeitung der gegossenen folien -- den gewünschten authentischen klang liefert.
Da bin ich gespannt welche Expert das Unterschied zwischen auf Sand gegossen und auf Tuch gegossen Pfeifen hören kann.
Grüsse,
Erik
Wesselburen
Da bin ich gespannt welche Expert das Unterschied zwischen auf Sand gegossen und auf Tuch gegossen Pfeifen hören kann.
Das frage ich mich auch, wieviel davon 'Esoterik' ist und wieviel man hört. Es gibt ja auch HiFi-Freaks, die angeblich genau den Unterschied im Sauerstoffgehalt von versch. Kupferkabeln zu hören vermeinen.
Und ich frage mich, ob der Klangunterschied evtl. nicht doch in der sorgfältigeren Bearbeitung der Pfeifen liegt, d. h. jede einzelne Pfeife wird mit wesentlich mehr Zeitaufwand bearbeitet. Und wie das Beispiel Cavaille-Coll zeigt, sind letztendlich auch geniale Intonateure ein wesentlicher Bestandteil einer Klangphilosophie.
Viele Grüße,
- Karl-Josef
Wesselburen
Deshalb auch meine Frage vor ein paar Tagen. Der Unterton war ja durchaus bewußt: "Warum ist der Mann nicht bekannter?"
Wesselburen
Rowan West hat den Nachteil, dass er eine Orgel erst aus der Hand gibt, wenn er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Egal, für wann der KV die Einweihung angesetzt hat.
Ich mag das, aber ich bin ja auch SV und nicht KV.
Zum Sandguß etc.:
Abgesehen von der Esoterik halte ich folgende Punkte für wichtig:
Früher waren Orgelbauer fahrendes Volk, man fuhr der Arbeit hinterher. Eine Sandgußlade macht man sich vor Ort. Wieder weniger Zeug für unterwegs.
Hämmern: Das Metall wird verdichtet, wie beim Treiben des Goldschmieds.
Abziehen: Das Metall kann so am Fuß / in Labienhöhe dick genug für Dauerhaftigkeit/Statik bleiben, man nimmt überflüssiges Gewicht nach oben weg. Auch für das Stimmen offener, auf Länge geschnittener Pfeifen ist dies netter.
Dies und ähnliches ist hier bereits vielfach gepostet worden. Ich unterschreibe es auch bis hierhin und würde es bei einer Restaurierung jederzeit so empfehlen.
ABER:
Es geht viel, viel Arbeitszeit durch die Uhr. Und es darf verschiedene Weisen geben, um zum Ziel zu gelangen. Ich habe erlebt, dass moderne Orgeln mangels Sandguss nicht abgenommen wurden. Ungleichstufige Stimmungen (wohltemperierte) auf frühromantischen Orgeln sind diskutabel, aber manches ist definit Mumpitz....
Wesselburen
Ist wohl so.
Werde ich tun, wenn ich wieder daheim bin. Ich bin zwar passenderweise gerade in Schleswig-Holstein, aber die Fahrkarte nach Wesselburen würde mein beanspruchtes studentisches Budget gerade sprengen.
Dafür war ich heute früh in Itzehoe und konnte wenigstens die äußere Schönheit des Schnitger-Prospekts und der wunderschönen Laurentikirche bewundern. Auch nach vielen Umbauten noch beeindruckend!
Wesselburen
Hallo,
Itzehoe ist doch nicht weit von Wöhrden. In der evang.-luher. Kirche ist noch Pfeifenwerk von Scherer. Original Sandguß. Richtig schwere Pfeifen.
Kleiner Tipp am Rande. Wir hatten in den 1990er Jahren die Orgel gereinigt.
Grüße
Wesselburen
Ich weiß, aber Wöhrden ist von hier aus noch schwerer zu erreichen als Wesselburen. Ich bin auch nur noch morgen hier.
Wesselburen
Itzehoe ist doch nicht weit von Wöhrden. In der evang.-luher. Kirche ist noch Pfeifenwerk von Scherer. Original Sandguß. Richtig schwere Pfeifen.
Weißt Du, wie viele der 13-14 erhaltenen Wilde-Register auf Scherer zurückgehen? Er hat m.W. recht viel aus der Vorgängerorgel übernommen. Und weiß man, wie groß Scherers Orgel war?
Gruß, Walter
Wesselburen, Sandguss, Flentrop
Hendrik Ahrend ist ja auch zum Sandguss zurückgekehrt, während sein Vater dies Verfahren nicht eingesetzt hat.
Auch Winold van der Putten verwendet den Sandguss und arbeitet mit anderen Orgelbauern wie Harm Dieder Kirschner zusammen.
Gruß,
Walter
Wesselburen
Hallo,
das, lieber Walter, kann ich nicht beantworten. In Wöhrden ist das gesamte Pfeifenwerk zusammengemixt. Auch die Becherlängen der Posaune im Pedal haben bei der Intonation erhebliche Probleme bereitet.
Bei den schweren Sandguß-Pfeifen war das besondere, dass das Oberlabium hablrunde Form hatte und so gut wie gar nicht gedrückt war. Rein optisch betrachtet eigentlich unmöglich dass die Pfeifen sprechen. Aber: sehr schöner Klang.
Gruß
Wesselburen
Dennoch sehr herzlichen Dank für den Hinweis auf Scherer, was für mich neu war.
Wesselburen
Bei den schweren Sandguß-Pfeifen war das besondere, dass das Oberlabium hablrunde Form hatte und so gut wie gar nicht gedrückt war. Rein optisch betrachtet eigentlich unmöglich dass die Pfeifen sprechen. Aber: sehr schöner Klang.Gruß
Hmmm, da kommen Erinnerungen an Neuenfelde auf - ich meine, dass da die Oberkante der paar "uralten" Pfeifen (der Legende nach von Kemper aus der abgetragenen Lübecker Scherer-Orgel von Aegidien übernommen) manchmal auch nicht ganz waagrecht lief.....
Wesselburen
Guten Morgen,
ich kann mich erinnern, dass in Wöhrden auch Kemper zugange war. Dies hat zumindest N. Behtke, der damals die Arbeiten begleitet hat und Organist in Wöhrden war, gesagt.
Schönen Gruß
Wesselburen
Nochmals zur Vorgeschichte von Wöhrden: Wenn diese Info stimmt, dass Wilde für seinen Neubau (1593) 50 Jahre alte Pfeifen verwendet haben soll, fällt Scherer d.Ä. als Er-/Umbauer weg. Meist wird bei Scherer von einem Geburtsjahr um 1535 ausgegangen. Arbeiten vor 1570 sind nicht nachgewiesen und er ist erst 1611 gestorben. Es kann sich natürlich um eine Reparatur mit einer Dispositionsänderung handeln. Konrad Küster schreibt, dass Scherer mit dem Organisten Fredemann Kontakte hatte und er ihn möglicherweise für die Abnahme der Wilde-Orgel empfohlen habe. Bisher habe ich aber nirgendwo gefunden, dass Scherer in Wöhrden tätig war. Hat jemand einen Hinweis?
Rätselnd grüßt
Walter
Wesselburen
Schon die Disposition auf der Gemeindeseite hat ihre Schwachpunkte. Daß 'ne Sesquialtera auf Wilde zurückgehen soll, halte ich für 'ne sehr starke These, auf gut deutsch: Ziemlichen Käse. Vielleicht ist sie aus Wilde-Pfeifen zusammengestückelt, aber das hätte man kenntlich machen können. Also würde ich die Aufstellungen dort mit Vorsicht genießen.
Wöhrden ist jedenfalls, so wie man das überblicken kann, eine der großen jüngeren Orgelkatastrophen neben Otterndorf, Koldenbüttel et al.
Wesselburen
Das Hauptwerksgehäuse sieht ja nun klar nach Wilde aus, der Vergleich mit Lüdingworth und Oederquart ist da sehr eindeutig.
Kemper hat die Orgel verschlimmbessert, wie vielerorts. Lustigerweise wurde das bis vor kurzem im Wikipedia-Eintrag zur Orgel noch als "Rückführung auf den Originalzustand" verkauft. Solange, bis ich das geändert hatte ;-)
Der Zustand, der heute anzutreffen ist, trägt die Handschrift von Kemper und Neuthor (ich sage nur: Mölln!). Zu deutsch: Es läuft einem kalt den Rücken runter.
Wesselburen
Hallo,
ich kann bestätigen, dass die Orgel in Wöhrden nur noch wenig Originalsubstanz hat.
Es war damals noch die Tretanlage der 3 Schöpfbälge vorhaden.
Das gesamte Schwellwerksgehäuse ist aus Spanplatten mit roter Farbe lasiert.
Die Registertraktur des Pedals kann man als "gebastel" bezeichnen. Wir haben versucht wenigstens die Registerzugstangen "parallel" laufend zu bekommen. Torsion in den Wellen war ziemlich stark.
Sämtliche gedeckte Pfeifen mit Papier-Dichtung waren jedenfalls alle mit Sandguß-Material (sehr Bleihaltig) vorhanden. Es kann natürlich sein, dass Kemper die Scherer-Pfeifen verwendet hat. Wenn ich richtig informiert bin, ist das Rückpositiv zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt worden.
Von N. Bethke war zu erfahren, dass die Windlade des RP aus seiner Gesellenzeit bei Kemper stammt. Ich muss mal schauen ob ich noch Fotos von der damaligen Ausreinigung Anfang der 1990er Jahren irgendwo finde.
Grüße