Josephs-Kapelle, Düsseldorf. Infos und Konzert

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Mittwoch, 20. März 2013, 14:37 (vor 4959 Tagen)

Hallo Forum,
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Josephs-Kapelle Düsseldorf. Aus der Festschrift zur neu aufgestellten Orgel auf der Empore, gebaut 1795 von Samuel Green, London:

Disposition

I. Great GG, AA-e3, 57 Töne, Lade erhalten

1 Open Diapason 8’ Prospekt, original vergoldete Pfeifen
2 Sesquialtera 3-fach, Bass/Diskantteilung zwischen h0/c1
3 Fifteenth 2’
4 Twelfth 2 2/3’
5 Principal 4’
6 Corbnet 4-fach, alle Pfeifen neu
7 Stop Diapason 8’, Bass-Diskantteilung zwischen h0/c1
8 Trumpet 8’

II. Swell, g0-e3, 34 Töne, Lade neu

9 Open Diapason 8’
10 Dulciana 8’
11 Stop Diapason 8’
12 Principal 4’
13 Sesquialtera 3-fach
14 Hoboy 8’

Pfeifen weitgehend (bis ins einzelne gehende Spezifikation in der Festschrift) original, neue Zungen
Tonhöhe 440 Hz (original), Winddruck k.A.
Stimmung lt. Festschrift Valotti, lt. Aussage von Markus Belmann Bach-Kellner; vermutlich hat man sich nach Drucklegung noch umentschieden.
Gehäuse original, massiv Mahaghony Spielanlage, Registermechanik und Klaviaturen neu.
Restaurierung und Rekonstruktion Fa. Klais, Bonn.
Eigentum des Erzbistums Köln, Dauerleihgabe an die Josephs-Kapelle.
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Die Angaben über das Vorleben der Orgel sind dürftig. Möglicherweise hat der Vortrag von Dr. Theobald (Klais) am 09.03. hier weitere Informationen gebracht - oder die Ansprachen zur Orgelweihe. Diese Termine konnte ich nicht wahrnehmen. Wer dabei war, möge weitere Informationen beisteuern. Lt. Festschrift wurde die Orgel ursprünglich in der Pfarrkirche Sr. Mary in Chatham aufgestellt. Nachdem sie bereits Anfang der 70-iger Jahre lange Zeit unbenutzt geblieben war, wurde sie abgebaut und zunächst bei Prof. Rudolf Ewerhart, ab 1992 bei Fa. Klais eingelagert. Wie und warum sie nach Deutschland kam, weshalb die Spiel- und Registertraktur, die Balganlage wie auch alle Teile des Spieltisches verloren gingen, bleibt in der Festschrift unerläutert. Bezüglich Umbauten wird nur eine Gehäuseverbreiterung (wg. Erweiterung der Great-Lade auf GG-g3) erwähnt, die bei der Restaurierung rückgängig gemacht wurde. Vorbilder für die Rekonstruktionsmaßnahmen waren Green-Orgeln in Attingham Hall (1788) und Durrow, Ireland (1797?)

Was auch immer die Orgel erlebt haben mag, es ist ein überaus sympathisches Instrument. Eine schlanke, kecke Diskanttrompete sticht etwas heraus (und darf das auch!), ansonsten sonorer Zusammenklang vom Feinsten. Besonders die Verschmelzung der Zungen ist herrlich. Und überraschend ist auch, welche Vielfalt mit diesem Registerfundus möglich ist.
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Ein “Engelskonzert” am 19.03.2013 gab darüber Aufschluß. Markus Belmann begann mit einem mutwilligen Stück (Voluntary!) von William Boyce. Es folgte eine Sonate für Flöte und Tasteninstrument von Händel in F-Dur HWV 160. Stefan Oechsle blies stilsicher und mit vollem Ton. Dann nutzte Belmann in Joh. Chr. Bachs Sonate W.A.10b die Möglichkeit, im Variationssatz die verschiedenen Stimmen vorzustellen. Nun nahm Oechsle an der Orgel Platz und spielte ein Voluntary von John Stanley. Belmann schlug dazu die Pauken, so daß eine festliche Intrada entstand. Als Abschluß gab es Mozarts Doppelkonzert für Flöte und Harfe (Esther Langer) (Bearb. Belmann). Zwar verschwammen in der dortigen Akustik die tieferen Lagen der Harfe, im übrigen aber war es ein frisches, klangschönes Musizieren. Bei alledem erwies sich die Orgel ihren Aufgaben und dem voll besetzten Raum gewachsen. Großer Beifall.
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Ein echter Gewinn für die Orgelstadt Düsseldorf.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. zu den Fotos: In der Luft hingen Schwaden von Weihrauch; vor dem Konzert hatte es ein Hochamt zum Patrozynium gegeben.

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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ado @, Berlin, Mittwoch, 20. März 2013, 15:23 (vor 4959 Tagen) @ Clemens Schäfer

vielen dank für bilder und beschreibung!

zur (rückgängig gemachten) erweiterung der hauptwerkslade bis g3: laut NPOR war greens ursprünglicher höchster ton f3, in beiden manualen, zuletzt aber (wohl nach dem umbau von 1888) g3. jetzt hingegen ist es dem foto nach e3.

was mich aber total verwirrt: sowohl die wiedergabe der ursprünglichen disposition im NPOR als auch die der jetzigen durch clemens schäfer gibt für das obermanual 34 töne an. dieses verkürzte manual (echo- oder solomanual) ist für englische orgeln des 18. jhs. auch durchaus typisch.

bloß: auf dem foto des neuen spieltisches haben beide manuale doch gleichviel tasten?

erwarten würde man ein bild wie dieses (zum foto des spieltischs nach unten scrollen).

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kjz1, Mittwoch, 20. März 2013, 15:50 (vor 4959 Tagen) @ ado

bloß: auf dem foto des neuen spieltisches haben beide manuale doch gleichviel tasten?

Nur eine Vermutung: vielleicht wollte man optisch die Symmetrie wahren?

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Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Mittwoch, 20. März 2013, 15:54 (vor 4959 Tagen) @ kjz1

Hallo, das hat mich auch verwirrt. Ich habe extra nachgefragt. Der linke Teil der Tasten des Obermanuals ist Atrappe, läßt sich nicht niederdrücken! Kurios, aber wahr. Vielleicht wollte man verhindern, daß auf einem einfachen Brett Kaffee, Aschenbecher oder dergl. abgestellt werden???!

Gruß Clemens Schäfer

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doppelfloete_h @, Hannover, Mittwoch, 20. März 2013, 16:01 (vor 4959 Tagen) @ Clemens Schäfer

Das hat echt schlichte Symmetriegründe, würde ich behaupten! ;)

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ado @, Berlin, Mittwoch, 20. März 2013, 16:04 (vor 4959 Tagen) @ Clemens Schäfer

der linke teil des obermanuals ATTRAPPE? das finde ich ja oberdrollig...und nicht unproblematisch. mal ganz abgesehen von der frage der authentizität dürfte dieses arrangement für den spieler gewöhnungsbedürftig sein -- es dürfte einige zeit vergehen, bis man aufhört, aus versehen auf stumme tasten zu hauen...

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ado @, Berlin, Mittwoch, 20. März 2013, 16:09 (vor 4959 Tagen) @ ado

von rechts wegen hat das auszusehen wie hier (thomas elliott-orgel von 1818 in der kapelle von ashridge house).

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doppelfloete_h @, Hannover, Mittwoch, 20. März 2013, 16:11 (vor 4959 Tagen) @ ado

Also ehrlich gesagt, wenn man's weiß, kann ich nicht so recht dran glauben, dass das hinderlich sein soll. Ich dachte, es gibt genügend Beispiele wo das genauso ist... Irgendwo hab ichs doch schonmal gesehen...
Man hat doch oft aus Symmetriegründen auch "stumme" Registerzüge gebaut.

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Trombetten @, Mittwoch, 20. März 2013, 16:16 (vor 4959 Tagen) @ doppelfloete_h

Sehr wohl,
bei der Klais-Orgel in St. Klemens in Viersen sind diese sogar mit dem Namen "Symetrie" bezeichnet :-)

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Friedrich @, Mittwoch, 20. März 2013, 18:59 (vor 4959 Tagen) @ Trombetten

Sehr wohl,
bei der Klais-Orgel in St. Klemens in Viersen sind diese sogar mit dem Namen "Symetrie" bezeichnet :-)

Echt?
Die Klaisens wieder … Immer zwei ff für den Scharf übrig, aber nicht genug m für den stummen Zug.

Gruß,
Friedrich

Registerzüge

Florian-L, Donnerstag, 21. März 2013, 07:27 (vor 4958 Tagen) @ Friedrich

Sehr wohl,
bei der Klais-Orgel in St. Klemens in Viersen sind diese sogar mit dem Namen "Symetrie" bezeichnet :-)


Echt?
Die Klaisens wieder … Immer zwei ff für den Scharf übrig, aber nicht genug m für den stummen Zug.

Ich kenne eine Orgel, wo neben zwei f für Scharff auch noch eine Reise nach Tremuland inkludiert ist:

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Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Registerzüge

Orlos, Donnerstag, 21. März 2013, 10:49 (vor 4958 Tagen) @ Florian-L

Diese Orgel steht wahrscheinlich in Franken.

Registerzüge

doppelfloete_h @, Hannover, Donnerstag, 21. März 2013, 11:17 (vor 4958 Tagen) @ Orlos

Nee. Dann stünde da "Drrremuland".

Registerzüge

Florian-L, Freitag, 22. März 2013, 10:48 (vor 4957 Tagen) @ Orlos

Diese Orgel steht wahrscheinlich in Franken.

Nein, in Kärnten.

Gruß, Florian

--
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-Joseph Marx-

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Benjamin Danner, Mittwoch, 20. März 2013, 21:19 (vor 4959 Tagen) @ Trombetten

Sehr wohl,
bei der Klais-Orgel in St. Klemens in Viersen sind diese sogar mit dem Namen "Symetrie" bezeichnet :-)

Vleugels hat mal in einer mittelgroßen Orgel (~20 Register) als Symmetriezug einen Tacet 32' gebaut...

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Friedrich @, Mittwoch, 20. März 2013, 16:10 (vor 4959 Tagen) @ ado

der linke teil des obermanuals ATTRAPPE? das finde ich ja oberdrollig...und nicht unproblematisch. mal ganz abgesehen von der frage der authentizität dürfte dieses arrangement für den spieler gewöhnungsbedürftig sein -- es dürfte einige zeit vergehen, bis man aufhört, aus versehen auf stumme tasten zu hauen...

Das haben doch die französischen Vettern jenseits des Kanals genauso gemacht mit ihren Echo- und Récitmanualen. Und für heutige Augen sieht es so auch etwas weniger bontempimäßig aus. Ist doch schön.

Überhaupt finde ich es sehr erfreulich, dass es jetzt in Deutschland eine Orgel dieses sehr insularen Stils zu hören und zu spielen gibt – da kann man nun erleben, wofür die voluntaries komponiert wurden und woran der Bach-Fan Mendelssohn verzweifelte.

Gruß,
Friedrich

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ado @, Berlin, Mittwoch, 20. März 2013, 16:16 (vor 4959 Tagen) @ Friedrich

also verzweifelt ist der arme mann doch bestimmt nicht am klang. bach OHNE PEDALWERK birgt natürlich schwierigkeiten eigener art (mendelssohns zeitgenosse samuel wesley, großer propagator des leipziger meisters auf der insel, löste das durch bearbeitungen für orgel vierhändig).

als mendelssohn auf der insel ankam, wurden immerhin NEUE orgeln bereits mit pedalwerken ausgestattet und sogar einige der alten -- wenn auch die pedalfreie variante sicher noch in der großen mehrzahl war.

heute ist, umgekehrt, von diesen alten englischen instrumenten fast keines mehr erhalten, schon gar nicht die größeren -- da kann einen auch ein bißchen verzweiflung beschleichen.

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Friedrich @, Mittwoch, 20. März 2013, 16:46 (vor 4959 Tagen) @ ado

also verzweifelt ist der arme mann doch bestimmt nicht am klang. bach OHNE PEDALWERK birgt natürlich schwierigkeiten eigener art …

Eben.
Mancher Zeitgenosse hatte allerdings auch mit Greens Klangideal so seine Probleme – die Orgeln waren vielen, vor allem den kontinental bereisten, allzu fein und leise.

heute ist, umgekehrt, von diesen alten englischen instrumenten fast keines mehr erhalten, schon gar nicht die größeren -- da kann einen auch ein bißchen verzweiflung beschleichen.

Das ist das eigentlich Traurige, auch wenn es sehr verständlich ist. Bach und das für ihn unabdingbare »German system« (C-Umfänge und voll ausgebaute Teilwerke), später die Bedürfnisse reisender Virtuosen machten die alten Instrumente überflüssig. Einerseits möchte man gratulieren – ein Leben mit Bach ist einfach viel besser als eines ohne –, andererseits sich die Haare raufen.

Gruß,
Friedrich

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Florian-L, Donnerstag, 21. März 2013, 07:31 (vor 4958 Tagen) @ ado

als mendelssohn auf der insel ankam, wurden immerhin NEUE orgeln bereits mit pedalwerken ausgestattet und sogar einige der alten -- wenn auch die pedalfreie variante sicher noch in der großen mehrzahl war.

Hier ein Video dazu: "The German Revolution in English Organ Technology" (englisch).

Und hier der Vortrag zum Nachlesen.

Gruß, Florian

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stein @, Mittwoch, 20. März 2013, 16:18 (vor 4959 Tagen) @ Friedrich

Das haben doch die französischen Vettern jenseits des Kanals genauso gemacht mit ihren Echo- und Récitmanualen. Und für heutige Augen sieht es so auch etwas weniger bontempimäßig aus. Ist doch schön.

Ich kenne nur noch ein einziges Instrument, wo bei nicht ausgebauten Oktaven keine Tasten vorhanden sind, diese steht in Otterberg. Eine Goll Orgel der 90ger. Anstelle eines Aschenbechers hat man dort ein kath. Gotteslob und ein ev. Kirchengesangsbuch liegen. Die wunderschöne Kirche wird simultan von beiden Konfessionen benutzt.

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Axel ⌂ @, Mechernich, Mittwoch, 20. März 2013, 21:39 (vor 4959 Tagen) @ stein

Erdnüsse, da gehören die Erdnüsse hin. Hab ich jedenfalls in Orgelkunde gelernt.

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Axel ⌂ @, Mechernich, Mittwoch, 20. März 2013, 21:41 (vor 4959 Tagen) @ Clemens Schäfer

Hat jemand von den Düsseldorfer Kollegen eine Adresse oder einen Ansprechpartner? Das würde bei einem so seltenen Exemplar glatt mal lohnen hinzufahren.

Danke und Grüße
Axel

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Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Mittwoch, 20. März 2013, 22:22 (vor 4959 Tagen) @ Axel

hier der link zur Pfarre!

dort St. Lambertus, dann Kirchenmusik anklicken und nach unten scrollen!

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