Marcel Andreas Ober in St. Lambertus, D-Altstadt u.a.

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 02. April 2013, 12:01 (vor 4898 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Dienstag, 02. April 2013, 12:14

Hallo Forum,

“Lumen Christi!” Dreimal ertönte der Ruf auf immer gesteigerter Tonhöhe: Incantation pour une Jour Saint von Langlais. Marcel Andreas Ober spielte das April-Konzert der Internationalen Orgelkonzerte an St. Lambertus. Die Eröffnung gelang gewaltig und beeindruckend.

Klangschön war das Offertorium für den Ostertag über “O filii, et filae” von Dandrieux. Dann folgten Variationen über “Victimae paschali laudes” Zunächst fünf Versetten von Thierry Escaich. Das Thema ist hier allgegenwärtig, wird aber höchst unterschiedlich behandelt. So ist in der ersten Versette der Rhythmus vorherrschend, die zweite ist eine enggeführte Fuge mit großer Chromatik.. Sehr interessante Musik. Und problemlos zu hören. Die Fantasie e-moll BWV 718 - habe ich wohl erstmals gehört - versteckt dagegen das Thema “Christ lag in Todesbanden”.

Ausdrücklich pour les temps pascal komponiert sind die Vogelgesänge (Nr. 4 aus dem Orgelbuch von 1954) von Messiaen. Ober zelebrierte die Vogelrufe auf das Feinste Und die Orgel wußte einmal mehr in ihrem Farbenreichtum zu gefallen.

Am Ende noch Widor: Aus der Siebten spielte Ober die Sätze 4 bis 6. Innerlich und mit schöner Cantilene das Allegro ma non troppo. Auch das Lento verhalten. Als dann nach dem klangmächtigen Allegro vivace der Schlußakkord verklungen war, setzte sofort der anhaltende Beifall der gut 70 Hörer ein. Zugabe “Ach bleib’ bei uns, Herr Jesu Christ” BWV 549 mit silberhellem c.f. - Ein schönes österliches Programm auf hohem Niveau.

Am Nachmittag zuvor hatte es im Bach-Saal der Johanneskirche ein Klavierrezital gegeben: Alfredo Perl spielte BWV 988. Die Golberg-Variationen gehören als Mikrokosmos in jede Überlebensausrüstung z.B. auf der einsamen Insel. Hier ist das Leben in Fülle, ein Mutmacher in Sachen Ewigkeitserwartung. Schon weil das Werk quasi ein perpetuum mobile ist. Nach der Aria da capo könnte es ja, müßte sogar wieder losgehen mit Variation eins...

Perl spielte auf höchst beachtlichem Niveau. Bei einer (seltenen!) Live-Aufführung des Werks merkt man, wie virtuos hier auf nur einem Manual gespielt werden muß. Es war spannend und man blieb volle 80 Minuten dran (alle Wiederholungen wurden ausgespielt- m.E. ein Muß!). Großer Beifall.

Gruß Clemens Schäfer

die nächsten Konzerte in St. Lambertus:
06.05.2013, 19:30h, Lidia Ksiaskiewicz-Duboios, Vincent Dubois (Soissons, Strassbourg)
03.06.2013, 19:30h, Giamaolo di Rosa (Rom)
01.07.2013, 19:30h, Elisa Teglia (Bologna)
05.08.2013, 19:30h, Stephan Tharp (New York)
02.09.2013, 19:30h, Prof. Roland Maria Stangier (Essen)
07.10.2013, 19:30h, Wayne Marshall (Manchester)
14.10.2013, 19:30h, Wolfram Goertz (Mönchengladbach), Marcel Andreas Ober, Ars Cantandi
(Düsseldorf): Eben Faust & Suite liturgica
04.11.2913, 19:30h, Prof. Stefan Schmidt (Würzburg)
02.12.2013, 19:30h, Thierry Escaich (Paris)

Und am 10.04.2013, 18:30h, beginnt der Oberkasseler Orgelfrühling in der Auferstehungskirche mit einem Konzert von Barry Jordan (Magdeburg)

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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