Orgeln in Marburg?
Als "Mann an ihrer Seite" darf ich meine Frau am 24. und 25.5. auf eine Dienstreise nach Marburg begleiten. Da es aber kein "Damenprogramm" gibt, würde ich währenddessen gerne ein wenig die Marburger Orgellandschaft kennenlernen.
Welche Orgeln kann man in Marburg am 24.5. nachmittags und am 25.5. vormittags hören oder (natürlich noch lieber) spielen?
Über Nachrichten (gerne auch per PM) würde ich mich sehr freuen...
Der Dorforganist
Orgeln in Marburg?
Als "Mann an ihrer Seite" darf ich meine Frau am 24. und 25.5. auf eine Dienstreise nach Marburg begleiten. Da es aber kein "Damenprogramm" gibt, würde ich währenddessen gerne ein wenig die Marburger Orgellandschaft kennenlernen.
Welche Orgeln kann man in Marburg am 24.5. nachmittags und am 25.5. vormittags hören oder (natürlich noch lieber) spielen?
Über Nachrichten (gerne auch per PM) würde ich mich sehr freuen...
Der Dorforganist
Hallo,
ich kann dir leider nicht sagen, welche Orgeln wann zu hören sind, aber wenn du selbst Orgel spielst und sehens- und hörenswerte Orgeln in Marburg besuchen möchtest, empfehle ich dir folgende Kirchen:
Matthäuskirche im Vorort Ockershausen (per Stadtbuslinie gut ans Zentrum angebunden) (ter Haseborg)
Und wenn's noch was gutes vielseitiges orgelbewegtes sein darf:
Lutherische Pfarrkirche (Karl Schuke)
und natürlich die kürzlich restaurierte Hammer-Orgel in der Universitätskirche
Die Organisten der jeweiligen Kirchen (über die Websiten gut zu finden) waren in der Vergangenheit eigentlich immer recht aufgeschlossen gegenüber entsprechenden Anfragen.
LG
Jörg
Orgeln in Marburg?
Die hätte ich auch genannt.
Falls Du was Historisches suchst, musst Du außerhalb von Marburg:
- Im Schloss befindet sich das "Althefer" Positiv von 1590/1600, allerdings unspielbar.
- 8 km südwestlich in Oberweimar gibt es eine Orgel von Joh. Chr. Köhler, die Woehl 2011 restauriert hat (I/15).
- Einige Kilometer weiter in Gladenbach steht eine Schöler-Orgel (1967 von Oberlinger um ein Echowerk auf II/29 erweitert).
- Eine Viertelstunde nördlich von MR in Wetter eine fantastische Heinemann-Orgel von 1766, exzellent von Förster & Nicolaus 1999 restauriert, mit milden und farbigen Einzelstimmen. Die einzige erhaltene zweimanualige Heinemann-Orgel (II/22, Zweidrittel original). Der Silbermann Hessens.
Gruß, Walter
Orgeln in Marburg?
Die hätte ich auch genannt.
Falls Du was Historisches suchst, musst Du außerhalb von Marburg:
- Im Schloss befindet sich das "Althefer" Positiv von 1590/1600, allerdings unspielbar.
... wobei das Schloss ja nicht wirklich "außerhalb" ist
- 8 km südwestlich in Oberweimar gibt es eine Orgel von Joh. Chr. Köhler, die Woehl 2011 restauriert hat (I/15).
War schon vor der Restaurierung ein schönes Instrument, habe ich einige Male gespielt und bin gespannt, sie nun nach der Restaurierung kennen zu lernen. (In "meiner" Kirche spiele ich ja auf einem Instrument hinter einem originalen Köhler-Prospekt...)
- Einige Kilometer weiter in Gladenbach steht eine Schöler-Orgel (1967 von Oberlinger um ein Echowerk auf II/29 erweitert).
Die Orgel würd' ich grad' gar nicht empfehlen ... kenne sie in- und auswendig, war über Jahre mein Übe- und Ausbildungsinstrument. Die "Restaurierung" in den 60ern hat dem Instrument mehr geschadet als genutzt. Nicht nur Kemper konnte historischen Bestand entfremden...
Wenn es Schöler sein soll, dann lohnt es sich unbedingt, bis nach Solms-Altenberg zu fahren. Das ist Schöler, wie man ihn sonst nicht bekommt. Und es macht einfach nur Spaß - zu spielen und zu hören! Die tiefe historsiche Stimmung verleiht dem Instrument einen - meiner Meinung nach - ungeheuren Charme...
- Eine Viertelstunde nördlich von MR in Wetter eine fantastische Heinemann-Orgel von 1766, exzellent von Förster & Nicolaus 1999 restauriert, mit milden und farbigen Einzelstimmen. Die einzige erhaltene zweimanualige Heinemann-Orgel (II/22, Zweidrittel original). Der Silbermann Hessens.
Auch diese Orgel kenne ich nur vor der Restaurierung, und ich muss sagen: Bosch hat zwar hier in den 60ern absolut keine vorbildliche Restaurierung durchgeführt, aber das Instrument "atmete" trotzdem noch einen historischen Hauch - nach meinem Empfinden deutlich anders als in Gladenbach. Die restaurierte Version kenne ich leider auch noch nicht, jedoch war die Restaurierung in einem Punkt sehr umstritten, nämlich was die Rückführung auf die hohe historische Stimmung (a'=466 Hz) angeht. Das sorgt bei der Liedbegleitung für einige Probleme. (Hier haben früher auch häufig Güttler und Kircheis konzertiert - seit der Restaurierung auch nicht mehr möglich...) - Allemal lohnenswert!
Gruß, Walter
Gruß Jörg
Orgeln in Marburg?
Solltest Du bei Deinem Besuch in die Unversitätskirche kommen und deren Organisten
Gerold Vorrath sehen, grüß ihn schön von mir (Frank Berger aus Wassenberg). Wir
kennen uns seit meinem Studium in den 70er Jahren, leider ist der Kontakt seit längerem eingeschlafen (frei nach dem Motto : aus den Augen - aus dem Sinn).
Gerold müsste auf den Ruhestand zugehen, ist aber meines Wissens nach noch im Amt.
Er kann sich ja mal wieder bei mir melden ...
Die Klais in der Elisabeth-Kirche kenne ich noch nicht, nur die nicht mehr existente Vorgängerin (Bosch). Die Orgel der Unikirche kenne ich nur vor der letzen Renovierung - ich war seit längerem nicht mehr in Marburg ...
Auf der Luth.-Pfarrkirchen-Orgel (St. Marien, Karl Schuke, 1969) habe ich als Student oft geübt, ich war damals von dem Instrument begeistert. Sie hatte damals III+P/51 mit 5 vacanten Registern. Kann sein, dass die inzwischen ergänzt sind.
Viele Grüße
Frank
Orgeln in Marburg?
Hallo Frank,
wir werden in die Uni-Kirche kommen, allerdings ist Gerold Vorrath selbst an diesem Tage urlaubsbedingt (er ist ab morgen im Urlaub) nicht anwesend.
Ich habe mir daher erlaubt, ihm deine Nachricht und den Gruß eben gerade per Email zukommen zu lassen.
Ich hoffe, das war dir recht?!?
LG
Jörg
Orgeln in Marburg?
Hallo Jörg,
sicher ist mir das recht.
Ich wünsche Dir viel Vergnügen in Marburg, die (Alt)Stadt ist auch sonst schön
und sehenswert, auch z. B. das Schloss oberhalb der Stadt.
In der Schlosskapelle stand früher mal eine kleine Orgel, die aber schon vor meiner Studentenzeit entfernt worden war.
Irgendwann werden wir (meine Familie) auch noch mal hinfahren (Nostalgie ...)
LG
Frank
Orgeln in Marburg (1)
„Elegant“ dürfte das in vielerlei Hinsicht passendste Adjektiv für die ziemlich neue Klais-Orgel der in Marburg so genannten E-Kirche (St. Elisabeth) sein: Der aufstrebende Prospekt
und die gläserne Emporenbrüstung lassen das durchaus große Werk im Kirchenraum schweben, und der Spielschrank ist aufgeräumt und übersichtlich, so dass man sich sofort zurechtfindet, auch wenn man nur wenig Zeit hat – wobei allerdings auffiel, dass die schräggestellten Registertableaus dazu führen, dass man bei normaler Sitzhaltung direkt auf die Registerschilder blickt und kaum sieht, welche Register wirklich gezogen sind.
Die Traktur ist leichtgängig und exakt, wobei bei mechanischer Kopplung aller Werke schon ein ordentlicher Widerstand zu spüren ist. Doch der kann durch wahlweise elektrische Koppeln zum III. Manual fühlbar reduziert werden – eine elegante Lösung, die immer öfter in größeren mechanischen Werken zu finden ist.
Die Disposition lässt keine Wünsche offen, doch die Balance der Teilwerke vom Spielschrank aus gut einzuschätzen würde mehr Zeit erfordern - die aber wegen der touristischen Bedeutung der „ältesten rein gotischen Hallenkirche Deutschlands“ einfach nicht zur Verfügung stand -: denn während das frei ohne Gehäuse auf dem Emporenboden stehende Großpedal (im Bild links in der unteren Ecke zu sehen)
![[image]](images/uploaded/2013061820400851c0c5a87f90c.jpg)
mächtig um den schlanken und hohen Orgelfuß herumgrummelt, klingen die dadurch sehr hoch gestellten Werke ziemlich weit über dem Kopf des Organisten über die Emporenbrüstung hinweg.
Zusätzliche Spielzeit kostete darüberhinaus der sichtlich nervöse schwarzgewandete ältere Herr mit weißem Stehkragen - seiner Visitenkarte zufolge Wein- und Buchhändler, Opernchorist und Solist -, der sich auch vom Hinweis, dass sicher nicht wir ihn am Nachmittag begleiten würden, nicht abhalten ließ, eine Verständigungsprobe mit „Jesu bleibet meine Freude“ aus BWV 147 zu fordern. Seinem danach wesentlich entspannteren Gesichtsausdruck zufolge ließ sich das aber wohl in die Kategorie „ein gutes Werk pro Tag“ einordnen, und so machten wir uns nach knapp 45 Minuten auf zur Universitätskirche.
Orgeln in Marburg (2)
"Markig“ kann man wohl den Klang der Orgel der Universitätskirche nennen, der im gesamten Kirchenraum (der akustisch nicht unproblematisch sein dürfte) sehr präsent ist. Dazu trägt sicher der ungewöhnliche Standort auf dem Chor hinter dem Altarraum bei (der aber kein Mönchschor, wie vermutet, sondern nur eine Decke auf den Gemeinderäumen hinter dem Altar ist). Das neobarocke Werk mit seinem aufstrebenden Prospekt
![[image]](images/uploaded/2013061820484251c0c7aa16fd9.jpg)
im expressionistischen „Zackenstil“ aus dem Jahr 1927, das mit sehr respektvollen Eingriffen bei der letzten Renovierung ein akustisch breiteres Fundament bekam, hat eine dazu passende markige Traktur aus dem Jahr 1986, die einen kräftigen und exakten Anschlag fordert. Die terrassierte Anordnung der Registerzüge im Halbrund auf der Höhe der jeweiligen Klaviaturen führt zwar zu etwas weiteren Wegen, ist aber für die schnelle Eingewöhnung sehr effizient.
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Die 2009 durchgeführte Überarbeitung des 1965 von Hammer neu gebauten Werks unter Beibehaltung aller typischen Klangeigenarten wie Septen und Nonen ist ein gutes Beispiel dafür, wie man mit erhaltener (guter) Substanz der orgelbewegten Zeit umgehen sollte. Sie zeichnet außerordentlich gut polyphone Strukturen bis in die tiefen Lagen und verschafft diesen mit zwei akustischen 32‘-Registern und kräftig posaunenden Pedalzungen ein beeindruckendes Fundament.
Auch wenn der Küster derart Interessantes und Spannendes aus der Kirchen- und Religionshistorie zu erzählen wusste, dass wir erst mit einiger Verspätung die Orgel traktieren konnten, war hier schon mehr zeitlicher Spielraum, bevor dann die junge Organistin ihren Platz für die Vorbereitung des nächsten Gottesdienstes einforderte, so dass wir uns auf den Weg zur katholischen Kirche St. Johannes Evangelist, besser bekannt als Kugelkirche, machten.
In der auf dem Weg liegenden lutherischen(!) Marien(!)-Kirche bekamen wir noch einige Takte eines schön fundierten Crescendos von der Schuke-Orgel hinter dem historischen Prospekt
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mit, die trotz ähnlicher Entstehungszeit ein weitaus weicheres und verschmelzungsfähiges Klangbild zeigte. Die aushängenden Plakate verrieten ein fleißiges Konzertprogramm, dem viele Zuhörer zu wünschen sind.
Orgeln in Marburg (3)
„Außergewöhnlich“ in vieler Hinsicht ist die „Repräsentationsorgel“ von Woehl, die mit 38 Registern auf 4 Manualen in der nicht besonders großen Kugelkirche auf den ersten Blick etwas überdimensioniert scheint. Doch Woehl brachte zum einen das Kunststück fertig, diese Registerzahl in einem extrem flachen Gehäuse unterzubringen (und es 2003 noch um 3 große Register, darunter eine Prinzipalschwebung, zu erweitern, die auch noch Platz gefunden haben – wenn auch deren Registertraktur außen hinter der Orgel geführt werden mußte), dabei aber die Spieltraktur trotz ihrer Länge in dem relativ hohen Gehäuse
äußerst leichtgängig und mit sehr kurzen Tastenwegen bedienbar zu halten.
Zum anderen ist die Intonation der Register so, dass sie eher zu neuen Klangfarben verschmelzen als die Lautstärke zu forcieren. So wird weder das nur prinzipalisch (plus einem Bordun 16‘, einer Flöte 4‘ und einer geheimnisvollen Vox humana) besetzte Hauptwerk noch die auf dem vierten Manual zu spielende Trompetteria im Plenum jemals unangenehm laut. Und doch ist auch jedes einzelne Register in der Lage, sich im Kirchenraum als Individuum zu zeigen – und sich mit anderen zu immer neuen Klangfarben zu mischen. Auffällig z.B. der sehr edle Prinzipal 8‘ im wohl italienisch inspirierten Hauptwerk, der zu vielen Registern der anderen Werke als Begleitung verwendet werden kann und dem die Octave 4‘ schon einen Glanz verleiht, der für die Begleitung einer kleineren (Diaspora-)Gemeinde oft vollkommen ausreichen dürfte.
Die Idee, die Trompetenstimmen, die zusammen mit dem herben Cornett sowohl französisch als auch spanisch klingen können, auf einem eigenen Manual zusammenzufassen, war 1976 wohl seiner Zeit weit voraus. Damit kann es sowohl solistisch verwendet werden als auch an das Hauptwerk gekoppelt zu einem beeindruckenden Zungenplenum beitragen.
Wenn auch die Anordnung der Manuale (Oberwerk auf dem untersten Manual, Hauptwerk auf dem zweiten, Brustwerk auf dem dritten und Trompetteria auf dem vierten) und der Registerzüge
![[image]](images/uploaded/2013061821094851c0cc9c5ada9.jpg)
nicht auf den ersten Blick einleuchtet, könnte man viele anregende Stunden verbringen, die sich keinesfalls auf barocke Musik beschränken müssten, denn auch Mendelssohn oder Rheinberger lassen sich ohne Abstriche auf dieser wirklich außergewöhnlichen Orgel darstellen.
Doch der Tag hatte sich geneigt, und der auf der Empore mit seinem Lehrer eingetroffene sehr junge Nachwuchsorganist ließ die Erinnerung an die eigenen Anfänge wieder auferstehen. Er wirkte auch nicht unglücklich darüber, dass der Kantor noch einen Teil der Unterrichtsstunde mit mir verplauderte, wobei ans Tageslicht kam, dass er „meine“ Sandtner-Orgel auch schon mal gespielt und in guter Erinnerung hat. Sein Zungenschlag verriet ohnehin, daß er aus Regensburg kam, wo ich in meinen jungen Jahren studiert hatte. Die Welt ist manchmal doch ein Dorf…
Orgeln in Marburg (4)
Ein halbstündiger Spaziergang zur Matthäuskirche im Vorort Ockershausen führte am nächsten Tag zu einer Orgel, für die „widersprüchlich“ die charakterisierende Bezeichnung ist. Wer sich dieser 60er-Jahre-Kirche nähert, erwartet wohl eher eine Orgel mit solcher Optik:
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und diese füllte auch bis 2001 die Nische, in der jetzt eine 20(+3)-registrige Orgel des friesischen Orgelbauers ter Haseborg steht – mit einem quasibarocken Prospekt
![[image]](images/uploaded/2013061821261651c0d07841144.jpg)
und diversen historisierenden Spielereien wie Manualschiebekoppel (deren Existenz Insiderwissen voraussetzt), (noch nicht eingebautem) Zimbelstern, handbeschrifteten Registerschilderchen (exakt zwischen den Manubrien, so dass man jedes Mal überlegen muss, ob sie über oder unter dem zugehörigen Zug liegen) und gedrechselten Registerzügen, deren vertikale Reihen ziemlich weit auseinanderliegen, so dass man sich zum Umregistrieren im Brustwerk am besten an der Orgelbank festhält – zumal die Registerzüge für das Pedal (und die Koppeln) die ersten beiden Reihen auf der rechten Seite(!) beanspruchen.
Die auf den ersten Blick ebenfalls barocke Disposition wartet mit relativ vielen Grundstimmen auf, was sie für frühe Romantik erstaunlich gut verwendbar macht. Der Klang verliert im Kirchenraum nach hinten (die Orgel steht rechts vom Altar) zusätzlich an Obertönigkeit und ist weitaus grundtöniger als die Optik der Orgel vermuten lässt. Zwei Transmissionen ins Pedal geben ihr ein ziemlich sattes Fundament, das man ihr aufgrund ihrer Größe nicht zugetraut hätte. Auffällig ist der zurückhaltende, mehr flötige Prinzipal und die eher romantische Gamba, die keine Ambitionen zum Sägen hat. Die Mixtur scheint ziemlich früh zu repetieren und klingt nicht unbedingt nach 1 1/3'.
Für die Obertönigkeit scheint mehr das Brustwerk zuständig zu sein, das von einer Traktur angespielt wird, die jedem Orgelschüler zur Pflicht gemacht werden müsste: extrem sensibel aufgrund der kurzen Wege macht sie jede Schlamperei sofort hörbar und fordert einen sehr gleichmäßigen und lockeren, quasi cembalistischen Anschlag. Der Tremulant, der aufs ganze Werk zu wirken scheint, war hingegen ein Erlebnis der besonderen Art: er rumpelt derart laut, dass man Angst bekommen kann, die ganze Orgel würde wie eine Waschmaschine mit Unwucht zu wandern anfangen. Ob das so beabsichtigt war, ist zu bezweifeln – ich habe jedenfalls vorsichtshalber während der nahezu vier ungestörten Stunden auf seine Verwendung verzichtet, bevor ich mich wieder auf den Weg ins Zentrum und zu meiner Frau gemacht habe.
Zwei schöne Tage auf vier Orgeln in Marburg, während die Gattin in Vorträgen und Workshops sitzt – das ist doch mal ein „Damenprogramm“ der anderen Art, ermöglicht vom Mitforisten jrbecker, dem ich ganz herzlich für seine freundliche Aufnahme und reibungslose Organisation der Zugänge zu den Orgeln danken möchte!
(Zudem hat er für diesen Bericht die Fotos beigesteuert, die sich z.T. in den Einträgen in www.organindex.de finden, z.T. auch während unserer Expedition neu entstanden sind.)
Orgeln in Marburg (3)
„Außergewöhnlich“ in vieler Hinsicht ist die „Repräsentationsorgel“ von Woehl, die mit 38 Registern auf 4 Manualen in der nicht besonders großen Kugelkirche auf den ersten Blick etwas überdimensioniert scheint. Doch Woehl brachte zum einen das Kunststück fertig, diese Registerzahl in einem extrem flachen Gehäuse unterzubringen (und es 2003 noch um 3 große Register, darunter eine Prinzipalschwebung, zu erweitern, die auch noch Platz gefunden haben – wenn auch deren Registertraktur außen hinter der Orgel geführt werden mußte)...
klitzekleine Korrektur:
Die drei in 2003 ergänzten Register sind allesamt im Oberwerk ergänzt worden, es handelt sich also um die hier als "Voce celeste" bezeichnete Streicherschwebung, die ergänzt wurde. Die Prinzipalschwebung steht im HW und war von Anfang an vorhanden. Trotzdem: Zwei Schwebungen bei einer Orgel dieser Registeranzahl sind ja so oder so beachtlich...
Vielen Dank, dass du deine Eindrücke hier wiedergegeben hast!
Liebe Grüße gen Süden
Jörg