Iris Rieg i.d. Auferstehungskirche, D-Oberkassel
Hallo Forum,
auch das fünfte Konzert des 9. Oberkasseler Orgelfrühlings hatte höchstes Niveau. Iris Rieg, Köln, seit 2011 freiberufliche Organistin, seit 2012 Lehrauftrag an der MHS Köln, bot ein abwechslungsreiches Programm:
Zu Beginn von Latry “Salve Regina”. Hier wird das gregorianische Salve Regina mehrfach - unterschiedlich registriert - leise solo vorgetragen; dazwischen gibt es dann die Ausdeutungen. Hier wechseln sich die Charakteren ab. So hört man z.B. ein großes Crescendo-Descrescendo, eine Variation ganz legato mit weichen Stimmen, eine solche mit ostinater absteigender Baßlinie... Am Ende eine große Steigerung - ein Fußtritt und ein einziges leises Register bleibt übrig und hält den hohen Ton. Darunter beginnt dann der Piano-Abgesang. Wirkungsvoll gemacht.
An zweiter Stelle “Schmücke dich, o liebe Seele” BWV 654. Schon wegen dieses Stückes hätte sich das Kommen gelohnt gehabt. Sehr schön gleichmäßig und doch mit innerem Swing, der c.f. schlicht, die Umspielung flötig. Einfach herrlich.
Der Kontrast war riesig: Lemares Bizet/Carmen Verschnitt, kurzweilig und fast lustig. Mit Freude nutzte Rieg die schmetternden Trompeten und den quäkenden Orlos. Alles frisch und mit Engagement in Szene gesetzt. Ob man nach dem neuen Nichtrauchergesetz in NRW in geschlossenen Räumen allerdings noch eine Zigarettenoper spielen darf, wird unter Juristen lebhaft diskutiert.
Nach diesem Ausflug in die gehobene Unterhaltung wurde es wieder ernst: Franck, Choral a-moll. Im Tempo durchaus mutig aber keineswegs gehetzt. Ganz überzeugend der Übergang in das Oboensolo: Der letzte hohe Ton im Forte wurde quasi unmerklich umgedeutet in den leisen Oboenbeginn. Auch sonst feine Registrierungen und schlüssiges Ende.
Am Ende Esquisse b-moll op. 40.2 von Dupré. Virtuos, immer wieder Generalpausen, Neuansätze. Eine Musik in Schüben. Der Beifall der über 90 Hörer war sofort da und dauerte lange.
Gruß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)