Naji Hakim in Graz, Herz-Jesu
Hallo!
Naji Subhy Paul Irénée Hakim, so sein voller Name, war am 1. Mai 2013 in Graz, Herz-Jesu zu Gast und brachte eigene Kompositionen, Werke von César Franck und Johann Sebastian Bach sowie eine Improvisation zu Gehör.
"Die Walcker-Orgel der Herz-Jesu-Kirche aus dem Jahr 1889 zählt zu den klanggewaltigsten Instrumenten in Graz.", war im Programm zu lesen, und das demonstrierte Hakim ausgiebig, besonders in seinen Kompositionen "Theotokos" und "Ezpata Dantza (Säbeltanz)", eine Uraufführung, die ausgesprochen rhythmusbetonte und perkussive Teile beinhalteten. Durchaus originelle Registrierungen, bei den Tuttistellen stieß die Windversorgung bisweilen an ihre Grenzen.
Die Dispoition ist dank Piet Bron hier zu finden.
Nachdem das Konzert mit "Theotokos", einer siebensätzigen Suite, die marianische Gesänge verschiedener Stile und Regionen zum Inhalt hat, begonnen hatte, kam "Prélude, Fugue et Variation" von César Franck als zweiter Programmpunkt, ziemlich nüchtern für meinen Geschmack.
Der bereits erwähnten Uraufführung folgte "Präludium und Fuge in C-Dur" von Johann Sebastian Bach, BWV 547.
Angesichts dieser Interpretation in dickem Klangbrei war ich nahe daran, aufzustehen und zu gehen. Aufgrund des völlig überzogenen Tempos mischten sich immer wieder Gasttöne ins Spiel, von Durchhörbarkeit konnte sowieso keine Rede sein. Keine Spur von Rücksichtnahme auf den ziemlich halligen Raum. Auch einige Zuhörer um mich sind regelrecht "verfallen". Ein Bärendienst des Interpreten an Bach und auch an sich selbst.
Bevor Hakim mit einer Improvisation das Konzert beschloss, spielte er seine "Suite Française" in zwölf kurzen Sätzen mit "klassischen" Titeln, wie "Entrée sur les grands jeux", "Flûtes", "Dialogue de Cromorne et de Cornet", "Premier Plein Jeu" usw., die meist verschiedene Tanzsätze der Renaissance zum Thema hatten, vor allem in der Überlieferung nach Claude Gervaise und Thoinot Arbeau in seinem Tanzbuch "Orchésographie".
Einige Registrierungen mussten entsprechend den Möglichkeiten der Orgel abgeändert werden, so trat etwa im Satz "Fonds et Voix humaine" ein Quintatön an die Stelle der vorgesehenen Solostimme.
Für die Improvisation bekam Hakim von Gunther Rost das "Davidsthema" und das "Liebesthema" aus den "Meistersingern von Nürnberg" von Richard Wagner zugeteilt.
Solides Handwerkszeug zwar, aber nicht besonders inspirierend und von reichlichem Gebrauch des Crescendotritts beherrscht. Da hätte ich mir mehr erwartet, vor allem harmonisch.
Aber da sich auch bei diesem Konzert meine Erfahrung, dass "schnell und laut" - mag es auch recht substanzlos sein - meistens gut ankommt, bewahrheitet hatte, wurde reichlich Beifall gespendet.
So kann ich mich nur den Meinungen in diesem Thread anschließen. Wirklich eine sehr auffällige künstlerische Entwicklung.
Gruß, Florian
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"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-