Widor Hausorgel

stein @, Samstag, 25. Mai 2013, 16:24 (vor 4845 Tagen)

Hier einmal einige Fotos von Widors Hausorgel.
Sie wurde 1897 von Gabriel Cavaillé-Coll gebaut.(1864-1916)
Dispo: I M8 FH8 P4 II B8 G8 VC8 FOct4 PJIII Bass.-Hautbois8 Ped.Sb16 Alle Koppeln + OG Rec.-GO zwei Schweller.
Klingt butterweich und schön. Mixtur wirkt wie ein Fremdkörper, scheint aber original zu sein.
Sie steht seit einigen Jahren in Selongey 30 min nördlich von Dijon.
Ein altes Bild der Orgel mit Widor zeigt ihn an einem Spielschrank mit franz. Pedal.
Ich meine es handele sich da um noch ein anderes Instrument, kann mich da aber täuschen.
Man ist schon verblüfft, wenn man plötzlich vor dieser Orgel steht. Ich kannte sie nur von alten schlechten Fotos mit einem herzlich dreinschauenden Widor. Von ihrer Existenz habe ich erst kürzlich erfahren.

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Text von cult.gouv.fr kopiert:
Gabriel Cavaillé-Coll wird am 17. Oktober 1864 in Paris geboren. Zusammen mit seinen Brüdern Emmanuel und Joseph besucht er das katholische Knabeninternat Notre-Dame-des-Champs. Er interessiert sich besonders für den Einsatz der Elektrizität bei der Orgel und die neuen Technologien. Das Telefon ist kaum erfunden worden, da besitzt er auch schon einen Apparat!

Im zweiten Stock der Werkstatt der Manufaktur Avenue du Maine, auf der Südseite, verfügt Gabriel Cavaillé-Coll " im Dezember 1891 über zahlreiche Versuchsapparate, eine Anlage mit verschiedenen elektrischen Geräten, Voltmeter, Ampèremeter, Froment-Motoren, Akkumulatoren usw., die zu Studien über den Einsatz der Elektrizität bei Kirchenorgeln dienen. "

Das Verhältnis zu seinem Vater Aristide wird zusehends gespannter. Der Organist Charles-Marie Widor unterstützt den jungen Mann, indem er bei ihm eine Hausorgel in Auftrag gibt, deren Gehäuse sich an das weiß-goldene aus dem Jahre 1747 anlehnt, das Gehäuse „des Dauphins" genannt (Schloß von Versailles).Am 17. Mai 1892, zum Zeitpunkt der Liquidierung des Unternehmens Cavaillé-Coll, gründet Gabriel Cavaillé-Coll nach elfjähriger Tätigkeit in der Werkstatt seines Vaters zusammen mit Albert Kastner-Boursault, einem reichen Mitinhaber, sein eigenes Unternehmen. Die Firma hat ihren Sitz Rue Bonaparte 17, die Werkstätten befinden sich in Ivry-sur-Seine. Das Unternehmen überlebt nur ein Jahr und meldet am 10. November 1893 Konkurs an. Der vom Pech verfolgte junge Mann geht nach Avilés in Spanien, in die Heimat seiner Vorfahren. Er heiratet dort und arbeitet bis zu seinem Tod als Ingenieur in den Kohlebergwerken.

Am 7. Dezember 1900 lebt er in Luarca, Asturien; dies ist sein zuletzt bekannter Wohnsitz. Er ist dort als Elektroingenieur in den Kohlebergwerken aufgeführt. Er stirbt im Jahre 1916.

Widor Hausorgel

JSBach @, Aachen, Samstag, 25. Mai 2013, 16:53 (vor 4845 Tagen) @ stein

die Orgel ist auch im neuen Cavaille-Coll DVD-Set zu sehen/hören!

Widor Hausorgel

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Samstag, 25. Mai 2013, 17:41 (vor 4845 Tagen) @ JSBach

Richtig, und macht dabei ne ziemlich gute Figur!

:-)

--
Thomas Haubrich

Widor Hausorgel

Cor de Basset, Samstag, 25. Mai 2013, 19:21 (vor 4845 Tagen) @ stein
bearbeitet von Cor de Basset, Samstag, 25. Mai 2013, 19:45

Hier einmal einige Fotos von Widors Hausorgel.
Sie wurde 1897 von Gabriel Cavaillé-Coll gebaut.(1864-1916)
Dispo: I M8 FH8 P4 II B8 G8 VC8 FOct4 PJIII Bass.-Hautbois8 Ped.Sb16 Alle Koppeln + OG Rec.-GO zwei Schweller.
Klingt butterweich und schön. Mixtur wirkt wie ein Fremdkörper, scheint aber original zu sein.
Sie steht seit einigen Jahren in Selongey 30 min nördlich von Dijon.
Ein altes Bild der Orgel mit Widor zeigt ihn an einem Spielschrank mit franz. Pedal.
Ich meine es handele sich da um noch ein anderes Instrument, kann mich da aber täuschen.

Richtig, es handelt sich um ein anderes Instrument, das bis 1968 in einer der Kapellen in Saint-Sulpice in Paris stand und 1975 nach Versailles versetzt wurde, wo es heute - ohne Pedal - im Schloss ausgestellt ist (siehe auch hier und hier). Charles-Marie Widor hatte zur "Orgue du Dauphin" einen Beitrag verfasst, der hier in englischer Übersetzung von Rollin Smith nachzulesen ist. In diesem Dokument ist auch das erwähnte Foto mit Widor an der Orgel mit dem "französischen" Pedal zu sehen.

Das Gehäuse seiner eigenen Hausorgel hatte Widor nach dem Vorbild der "Orgue du Dauphin" von Gabriel Cavaillé-Coll bauen lassen, allerdings mit einigen kleineren Abweichungen im Detail. Es gibt auch einige Bilder im Web, die Widor an seiner Orgel, die im Institut de France in Paris aufgestellt war, zeigen (hier, hier, hier und hier).

Dabei fällt ein Spieltischdetail auf: Spätestens bei der Aufstellung der Orgel in Selongey wurde der obere Teil des Spieltisches verändert, da dieser nun mit Seitenwänden versehen und mit einer Deckelklappe verschließbar gemacht wurde. Siehe zum Vergleich auch dieses historische Foto von 1937, auf dem Marcel Dupré zu entdecken ist.

Man ist schon verblüfft, wenn man plötzlich vor dieser Orgel steht. Ich kannte sie nur von alten schlechten Fotos mit einem herzlich dreinschauenden Widor. Von ihrer Existenz habe ich erst kürzlich erfahren.

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Widor Hausorgel

stein @, Samstag, 25. Mai 2013, 21:11 (vor 4845 Tagen) @ Cor de Basset

Schau einfach im Brockhaus oder Cor de Basset nach!
Danke!

Widor

OrganisteTuttilaire, Montag, 27. Mai 2013, 07:28 (vor 4843 Tagen) @ stein

Was war Widor eigentlich für ein Mensch? Er galt ja wohl als ein strenger Lehrer und schaut auf allen Bildern, die ich bislang gesehen habe, grundsätzlich äußerst grimmig. Seine Musik aber spricht eine vollkommen andere, oft sehr liebliche Sprache. Wie geht das zusammen?

Widor

Florian-L, Montag, 27. Mai 2013, 07:40 (vor 4843 Tagen) @ OrganisteTuttilaire

Was war Widor eigentlich für ein Mensch? Er galt ja wohl als ein strenger Lehrer und schaut auf allen Bildern, die ich bislang gesehen habe, grundsätzlich äußerst grimmig. Seine Musik aber spricht eine vollkommen andere, oft sehr liebliche Sprache. Wie geht das zusammen?

Es ist auffällig, dass es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein offenbar generell nicht üblich war, für Fotos ein freundliches Gesicht zu machen.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Widor

JSBach @, Aachen, Montag, 27. Mai 2013, 07:46 (vor 4843 Tagen) @ Florian-L

Bach guckt auf Fotos ja auch immer etwas streng...

Widor

perotin @, Rhein-Neckar-Raum, Montag, 27. Mai 2013, 11:15 (vor 4843 Tagen) @ JSBach

Bach guckt auf Fotos ja auch immer etwas streng...

Er ließ sich gar nicht gerne fotografieren ...

Widor....und andere

FranzS. @, Montag, 27. Mai 2013, 18:26 (vor 4843 Tagen) @ OrganisteTuttilaire
bearbeitet von FranzS., Montag, 27. Mai 2013, 18:40

Was war Widor eigentlich für ein Mensch? Er galt ja wohl als ein strenger Lehrer und schaut auf allen Bildern, die ich bislang gesehen habe, grundsätzlich äußerst grimmig. Seine Musik aber spricht eine vollkommen andere, oft sehr liebliche Sprache. Wie geht das zusammen?

auffallend ist meiner Meinung nach, dass französische Orgelkomponisten viel strengere Lehrer und schwierigere Menschen waren, als in anderen Ländern, zumindest was man so hört und liest. Wenn die CD-Beihefte so stimmen, war unter den französischen Komponisten einzig Eugene Gigout ein betont sehr netter Mensch. Auch die damaligen(?), für mich völlig verrückten französischen "Orgelsitten" (wie war das; der Organist der Chororgel darf nicht an der Hauptorgel spielen, "wildfremde" Gäste aber schon und umgekehrt?) beweisen nicht gerade das Gegenteil. Ist das nur mein Eindruck, oder legten besonders die französischen Organisten/Komponisten ein etwas schwieriges Verhalten an den Tag?
Jedenfalls scheint mir ein Spaßvogel wie Sigfid Karg-Elert, ein derber Wirtshausbruder wie Max Reger, oder auch ein Hugo Distler, der seine Studenten mit dem Auto mitgenommen hat, in Frankreich undenkbar gewesen zu sein, oder?

Widor....und andere

stein @, Montag, 27. Mai 2013, 18:36 (vor 4843 Tagen) @ FranzS.

Guilmant gehörte auch zu den sanfteren Ausnahmen (Père-Guilmant)

Widor....und andere

FranzS. @, Montag, 27. Mai 2013, 18:48 (vor 4843 Tagen) @ stein

Guilmant gehörte auch zu den sanfteren Ausnahmen (Père-Guilmant)

wie schauts den mit dem Vierne aus? Sinn für Humor hatte er ja (zumindest in vielen Werken....).

Widor....und andere

stein @, Montag, 27. Mai 2013, 18:54 (vor 4843 Tagen) @ FranzS.

Mindestens genauso viel Depression hört man in seinen Werken. Er hatte es nicht leicht gehabt. Krankheit, Liebeskummer ...

Widor

Schreipositiv @, Wetter, Montag, 27. Mai 2013, 19:09 (vor 4843 Tagen) @ Florian-L

Es ist auffällig, dass es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein offenbar generell nicht üblich war, für Fotos ein freundliches Gesicht zu machen.

Gruß, Florian

In der Tat.

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Meine Urur(ur?)-Großeltern, vor 1900


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Mein Uropa, ca. 1913/1914

Gruß,
Pascal

Widor

JSBach @, Aachen, Montag, 27. Mai 2013, 19:14 (vor 4843 Tagen) @ Schreipositiv

liegt vielleicht auch an den langen Belichtungszeiten? Ich weiß nicht wie die um 1900 waren... 20 Minuten in eine komische Kiste grinsen war vielleicht auch nicht so spaßig...

zudem war damals eh alles so grau in grau.... heute in Farbe ist das Leben dann doch viel lustiger

Widor....und andere

JSBach @, Aachen, Montag, 27. Mai 2013, 19:14 (vor 4843 Tagen) @ FranzS.

wie genau zeichnet sich dieser Sinn für Humor für dich denn aus?

Widor....und andere

FranzS. @, Montag, 27. Mai 2013, 19:28 (vor 4843 Tagen) @ JSBach

wie genau zeichnet sich dieser Sinn für Humor für dich denn aus?

nun ja, es gibt da einige Sachen, wie das verlinkte Finale der 6. Symphonie (genial gespielt von Fox, für alle die es noch nicht wissen, "blau" = link), oder auch andere Orgelstücke aus den Sammlungen, die unzweifelhaft humorvoll, wenn nicht sogar bitter ironisch gemeint sind. Auch das Benedictus seiner Messe hat meiner Meinung nach einen kleinen "Gag", den möglicherweise nur der aufmerksame Chorsänger wahrnimmt.

Grüße
Franz

Widor

FranzS. @, Montag, 27. Mai 2013, 19:33 (vor 4843 Tagen) @ JSBach
bearbeitet von FranzS., Montag, 27. Mai 2013, 19:45

liegt vielleicht auch an den langen Belichtungszeiten? Ich weiß nicht wie die um 1900 waren... 20 Minuten in eine komische Kiste grinsen war vielleicht auch nicht so spaßig...

na ja, der Friedemann musste für dieses Gemälde noch VIEL länger grinsen, als der Widor auf dem Foto. Daran lag es wohl nicht, es ist wohl vielmehr eine Sitte der 19. und frühen 20. Jahrhundert. Außerdem glaube ich, ohne ein Fotofachmann zu sein, dass die Belichtungszeit um 1900 keine wirklich große Rolle mehr gespielt hat.

Widor....und andere

JSBach @, Aachen, Montag, 27. Mai 2013, 19:48 (vor 4843 Tagen) @ FranzS.

leider entgeht mir Humor und Ironie in der Musik bisher... könntest du es vielleicht in Worte fassen, wie genau sich das ausdrückt bzw wo auch z.b. der von dir genannte "Gag" liegt?

(das mit dem Link war mir schon klar)

Widor

Schreipositiv @, Wetter, Montag, 27. Mai 2013, 19:51 (vor 4843 Tagen) @ FranzS.

Außerdem glaube ich, ohne ein Fotofachmann zu sein, dass die Belichtungszeit um 1900 keine wirklich große Rolle mehr gespielt hat.

Theoretisch wäre man bei Idealbedingungen bis knapp unter 1 Sekunde gekommen, aber da die Optiken früher noch nicht so gut waren, musste man extrem hohe Blendenwerte nehmen, um eine vernünftige Tiefenschärfe zu erreichen.
Allerdings waren die Blitze früher wirklich unangenehm, danach sieht man wirklich nur noch Sternchen...

Widor....und andere

florianf, Graz, AT, Montag, 27. Mai 2013, 19:58 (vor 4843 Tagen) @ FranzS.

Jedenfalls scheint mir ein Spaßvogel wie Sigfid Karg-Elert, ein derber Wirtshausbruder wie Max Reger, oder auch ein Hugo Distler, der seine Studenten mit dem Auto mitgenommen hat, in Frankreich undenkbar gewesen zu sein, oder?

Gibt es dafür irgendwelche Quellen? Das ist jetzt eine Frage aus Interesse, DIE Bücher hätt ich gern gelesen ;-)

Widor....und andere

JSBach @, Aachen, Montag, 27. Mai 2013, 20:02 (vor 4843 Tagen) @ florianf

von Reger gibts doch das Zitat an einen Kritiker:
"Ich sitze im kleinsten Raum meines Hauses. Ich habe Ihre Kritik vor mir.
Bald werde ich sie hinter mir haben."

Widor....und andere

FranzS. @, Montag, 27. Mai 2013, 20:23 (vor 4843 Tagen) @ JSBach
bearbeitet von FranzS., Montag, 27. Mai 2013, 21:14

leider entgeht mir Humor und Ironie in der Musik bisher... könntest du es vielleicht in Worte fassen, wie genau sich das ausdrückt bzw wo auch z.b. der von dir genannte "Gag" liegt?

(das mit dem Link war mir schon klar)

Dann gibt es gleich noch einen Link. In den Stück "Fantomes" wird programmatisch ein groteskes Gespräch verschiedener Personen über die Zukunft geschildert:

Person 1: Geisterbeschwörer: "Wem also gehört die Zukunft?"
Person 2: Der junge Ästhet: "Mir... Ich bin frei!"
Person 3: Der alte Pedant: "Mir... Ich bewahre die Tradition!"
Person 4: Der Neger: "Die Zukunft gehört dem Tänzer."
Person 5: Der Affe: "Die Zukunft gehört der Fantasie..."
Person 6. Der Bettler: "Sie gehört dem Elend... ‹O Sole Mio›"
Person 7. Schicksal: "Sie gehört niemandem und allen."

Im Notentext sind die Nummern eingetragen, welche Person gerade durch die Musik "spricht". Diese Art von Humor ist natürlich heute nicht mehr aktuell, dafür geht es uns zu gut.

Auch das Finale der letzen Symphonie ist doch schon sehr überdreht und parodiert mit den markanten Synkopen und nicht zuletzt mit dem Schlussakkord die damalige Unterhaltungsmusik, ähnlich wie bei Karg-Elert (zB. der "Valse Mignonne"). Auf den Kopf getroffen hat es Hofmannstahl: »Die Tiefe muss man verstecken. Wo? An der Oberfläche!«. Jedenfalls höre ich das so.

Der "Gag" bei der Messe ist sehr subjektiv, aber die schwülen Akkorde des Benedictus kommen genau dann, wenn der Großteil des Weihrauchs ins Mittelschiff einer großen Kathedrale aufsteigt. Ich habe die Messe vor vielen Jahren in einer relativ großen Kathedrale (einiges größer als der Regensburger Dom) mitgesungen, auf der Westempore ganz genau diesen Effekt bemerkt und bei mir gedacht "Ha! a Matz war a scho, der Luggi!".

Widor....und andere

FranzS. @, Montag, 27. Mai 2013, 20:40 (vor 4843 Tagen) @ florianf
bearbeitet von FranzS., Montag, 27. Mai 2013, 20:51

Jedenfalls scheint mir ein Spaßvogel wie Sigfid Karg-Elert, ein derber Wirtshausbruder wie Max Reger, oder auch ein Hugo Distler, der seine Studenten mit dem Auto mitgenommen hat, in Frankreich undenkbar gewesen zu sein, oder?


Gibt es dafür irgendwelche Quellen? Das ist jetzt eine Frage aus Interesse, DIE Bücher hätt ich gern gelesen ;-)

also ich glaube es gibt keine Reger-CD, in deren Beiheft nicht die "feuchtfröhliche Runde", oder ein "nicht immer stubenreiner Witz" erwähnt ist. Von Karg-Elert gibt es auch viele humorvolle Berichte, wie die in jedem Karg-Elert-CD-Beiheft erwähnte "Ich hab Flöhe"-Geschichte, oder seine selbst erfundenen Kritiker, deren Namen auch immer seltsam sind (z.B. heißen die Bergk, statt ganz normal Berg...). Und über das fast freundschaftliche Verhältnis von Distler zu seinen Studenten kann man hier lesen.
Möglicherweise liest du die Beihefte nicht, oder den CD-Regal muss unbedingt aufgefüllt werden ;-)

Widor

Manuel, Montag, 27. Mai 2013, 21:46 (vor 4843 Tagen) @ OrganisteTuttilaire

Widor soll ein durchaus hilfsbereiter Mensch gewesen sein, aber er hatte wohl auch ein loses Mundwerk, und dadurch hat er sich das ein oder andere Mal wohl auch Feinde gemacht.

Außerdem hatte er einen Sprachfehler (sagte Olivier Messiaen).

Widor....und andere

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Montag, 27. Mai 2013, 22:28 (vor 4843 Tagen) @ FranzS.

über Max Regers Eskapaden sollte man auch die Biografie von Cadenbach lesen. Dort stehen die unglaublichsten Geschichten, die sonst überall verharmlost wurden.

--
R.K.

Widor....und andere

Florian-L, Dienstag, 28. Mai 2013, 06:36 (vor 4842 Tagen) @ JSBach

von Reger gibts doch das Zitat an einen Kritiker:
"Ich sitze im kleinsten Raum meines Hauses. Ich habe Ihre Kritik vor mir.
Bald werde ich sie hinter mir haben."

Und an seinen kleinen "Fanclub", als er anlässlich des Tonkünstlerfestes des Allgemeinen Deutschen Musikvereines im Jahr 1905 in Graz zu Besuch war, richtete er laut Überlieferung von Joseph Marx folgende Worte:

"Spielt also fleißig Reger und verliert nicht den Verstand dabei!"

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Widor....und andere

stein @, Dienstag, 28. Mai 2013, 17:20 (vor 4842 Tagen) @ Florian-L
bearbeitet von stein, Dienstag, 28. Mai 2013, 18:01

Ich hätte gerne die nächsten Stunden Wiener Schnitzel mit Bier...oder so ähnlich, auch von ihm.
Die Briefunterschriften aus MR am Wendepunkt zur Moderne (Popp, Shigihara)

stets dein Rex Mager

Mit 100000 herzlichsten Grüssen
von der ganzen Regerei dein Musikkarnickel

dein Max Reger
lebenslängliches Ehrenmitglied der Kreisirrenanstalt Eglfing bei München

Max Reger
"berüchtigter" Componist

Beste Grüsse vom ... Weissbiermörder

immer dein alter Reger
Accord=Arbeiter

uvm.

Dann noch ein Bild Regers im Sanatorium in Meran von 1914

Das Buch birgt eine Vielzahl von Dokumenten Regers.
Hier wird ständig sein ausgeprägter Sinn für Humor, aber auch sein exzentrisches Wesen beleuchtet.

Widor....und andere

stein @, Dienstag, 28. Mai 2013, 17:51 (vor 4842 Tagen) @ stein

Hier das Bild
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Widor....und andere

Friedrich @, Dienstag, 28. Mai 2013, 18:04 (vor 4842 Tagen) @ stein

Ich hätte gerne die nächsten Stunden Wiener Schnitzel mit Bier...oder so ähnlich, auch von ihm.
Die Briefunterschriften aus MR am Wendepunkt zur Moderne (Popp, Shigihara)

Das Buch birgt eine Vielzahl von Dokumenten Regers.
Hier wird ständig sein ausgeprägter Sinn für Humor, aber auch sein egozentrisches Wesen beleuchtet.

Das schon erwähnte Buch von Cadenbach (Max Reger und seine Zeit, Laaber 1991) setzt einen etwas anderen, m. E. lebensnäheren Akzent. Ich finde es quälend, die Witzeleien Regers zu lesen und auch immer wiederholt zu sehen (Reger mit der Zeitung auf dem Klo, hohoho !!! Sooo schön gegen die Journaille geschossen !!! Nochmal, bitte !!!). Sicher kennt jeder mindestens einen solchen Witzeler, und mancher wird einem solchen auch in Verbindung mit viel Alkohol begegnet sein. Das ist nicht komisch, sondern tut weh. Ich bin dann hin- und hergerissen zwischen dem Impuls »Nur noch weg!« und der Befürchtung, Schaden begrenzen zu müssen.

Cadenbach zitiert unter anderem einen furchtbaren Bericht Max Brods von einem Besuch Max Regers in Prag. Ganz klassische Abfolge: Großspurigkeit, Witzelei, Suff, Aufdringlichkeit, Enthemmung, das heulende Elend, Verlegenheit aller außer des Säufers. Spricht man natürlich nicht drüber. Es wird keineswegs das einzige Mal gewesen sein.

Es fällt mir schwer, das als Humor zu verbuchen. Eher gehört es zur Pathologie eines zutiefst verstörten, gehemmten, verletzten und hochbegabten Narzissten, der sich im Leben und oft auch beim Komponieren selbst im Weg stand.

Was die grimmigen Mienen von »großen Männern« angeht: Ich glaube, man kann sich heute kaum noch vorstellen, was Autorität damals bedeutete. Sie wurde wohl von den allermeisten noch ungeschieden als Struktur- und Charaktereigenschaft behandelt und war deswegen ständig gefährdet. Die autoritäre Fassade war üblich, was dahinter war, durfte erst einmal nicht in Frage gestellt werden, selbst wenn es alle Achtung verdiente.

Sicher erinnern sich manche an die in AO (von Joseph Burg, Jg. 1983?) zitierte Anekdote von Dupré, der fotografiert worden war, als er mit seinen Enkelkindern auf dem Sofa saß und Asterix las. Später barmte er beim Fotografen, das bloß nicht zu veröffentlichen, weil er befürchtete, kindisch zu wirken. Eher gütige Charaktere, wie vielleicht Franck oder Guilmant, genossen nicht dasselbe Ansehen wie die strengen Zuchtmeister.

Gruß,
Friedrich

Widor....und andere

stein @, Dienstag, 28. Mai 2013, 18:37 (vor 4842 Tagen) @ Friedrich

Die psychopathologische Erkrankung wollte ich damit nicht ausklammern. Diese stand da sicherlich im Vordergrund und lässt schliesslich von einem tragischen Schicksal sprechen.
Humor hat er dennoch gehabt. Von einem fröhlichen Menschen Max Reger würde ich eher nicht sprechen.
gruss stein

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