Heutiger Todestag von Marcel Dupré
Heute ist der 42. Todestag von Marcel Dupré; er starb am Pfingstsonntag, den 30. Mai 1971, nachdem er vormittags noch zwei Gottesdienste in Saint-Sulpice gespielt hatte. Das letzte, was er an diesem Tag an "seiner" Orgel gespielt hatte, war übrigens keine Improvisation, sondern die Fuge aus Choral et Fugue Opus 57.
Hat jemand heute an Fronleichnam eigentlich etwas von Dupré gespielt? Die schöne Paraphrase sur le Te Deum Opus 43 wäre ein geeignetes Werk für diesen Feiertag gewesen.
Viel Glück, wer versucht, diese beiden Werke ohne eine solide pianistische Grundlage zu erarbeiten. Und noch etwas: Es ist reichlich vermessen, diese pianistische Basis auf einen rein "mechanischen" Aspekt zu reduzieren. Vor allem ein "singendes Legato" wird man in erster Linie am Klavier erarbeiten, und nicht an der Orgel. Was von einem heutigen Musiker gefordert werden kann und sollte, ist Vielseitigkeit, in stilistischer, instrumentaler und repertoiremäßiger Hinsicht. Und war es nicht Sviatoslav Richter, der allen Pianisten empfahl, viel Zeit am Clavichord zu verbringen?
Noch vor 20 Jahren waren die Übebedingungen für Orgelstudierende zuhause noch etwas andere: es waren vor allem Klaviere (ob Wandklaviere, Flügel oder Digitalklaviere), die privat zur Verfügung standen, und man hat in Kirchen bzw. Hochschulen Orgel geübt, zum Teil zu "unchristlichen" Zeiten und Temperaturbedingungen, mit Pulswärmern, Heizstrahlern oder -lüftern (Wärmeparavents waren noch nicht verbreitet) und im Dialog mit Staubsaugern und Bohnermaschinen. Heutzutage habe ich den Eindruck, dass der häusliche "Stellplatz" von Klavieren bei "angehenden" Kirchenmusikern/Organisten durch Digitalorgeln verdrängt wird und das Klavier nunmehr eine untergeordnete Rolle spielt und dessen Bedeutung nicht mehr richtig eingeschätzt wird. Vielleicht irre ich mich hier aber doch nur etwas...
Einige sehr geschätze Organisten, darunter Edgar Krapp, Willibald Guggenmos oder Pierre Pincemaille, habe ich in privatem Rahmen brillant am Klavier erleben können; Pincemaille gab dabei kein geringeres Stück als "Jeux d'eau" von Maurice Ravel zum Besten - und selbstverständlich auswendig! (Hier von Martha Argerich gespielt.)
Heutiger Todestag von Marcel Dupré
Hallo,
Hat jemand heute an Fronleichnam eigentlich etwas von Dupré gespielt? Die schöne Paraphrase sur le Te Deum Opus 43 wäre ein geeignetes Werk für diesen Feiertag gewesen.
leider nicht, heute stand Flor Peeters auf dem Programm. Aber ich habe mir den 30.5.2021 vorgemerkt, das ist der Dreifaltigkeitssonntag 2021.
Grüße von tiratutti
Heutiger Todestag von Marcel Dupré
Viel Glück, wer versucht, diese beiden Werke ohne eine solide pianistische Grundlage zu erarbeiten. Und noch etwas: Es ist reichlich vermessen, diese pianistische Basis auf einen rein "mechanischen" Aspekt zu reduzieren. Vor allem ein "singendes Legato" wird man in erster Linie am Klavier erarbeiten, und nicht an der Orgel. Was von einem heutigen Musiker gefordert werden kann und sollte, ist Vielseitigkeit, in stilistischer, instrumentaler und repertoiremäßiger Hinsicht. Und war es nicht Sviatoslav Richter, der allen Pianisten empfahl, viel Zeit am Clavichord zu verbringen?
Das stimmt natürlich alles, bin aber trotzdem der Meinung, dass diese Rüge verhältnismäßig ungerechtfertigt ist. Gerade die Organisten der heutigen Zeit sind meiner Meinung nach sehr vielfältig. Hier soll auch das Kunst-Harmonium nicht unerwähnt bleiben! Sollte man nicht vielmehr die Pianisten dazu auffordern, endlich mal über den Tellerrand zu schauen und sich wenigstens mit dem Cembalo und Hammerflügel auseinanderzusetzten? Ich glaube der Begriff "Fachidiot" ist nicht unzutreffend, wenn berühmte Pianistinnen nach eigenen Aussagen Lady-Gaga hören (und besser als Schönberg finden)...
Heutiger Todestag von Marcel Dupré
Viel Glück, wer versucht, diese beiden Werke ohne eine solide pianistische Grundlage zu erarbeiten.
Nun ja, es hat sicherlich nicht jeder Orgelschüler das Bestreben, derart anspruchsvolle Stücke spielen zu wollen.
Gruß, Florian
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"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-
Klavierunterricht als Voraussetzung für Orgelspiel
Viel Glück, wer versucht, diese beiden Werke ohne eine solide pianistische Grundlage zu erarbeiten.
Nun ja, es hat sicherlich nicht jeder Orgelschüler das Bestreben, derart anspruchsvolle Stücke spielen zu wollen.Gruß, Florian
Genau!
Natürlich ist eine gute Klaviertechnik ab einem gewissen Schwierigkeitsniveau der Stücke unverzichtbar. Aber es kommt immer darauf an, welche Ansprüche man hat.
Ich machte meine ersten organistischen Gehversuche (davor hatte ich - mit zeitlichem Abstand - schon ein paar Jahre Klavierunterricht gehabt) in einem Gruppenunterricht, der alle zwei Wochen samstags stattfand und damals auf die C-Ausbildung vorbereiten sollte. Später wurde in unserem Bistum die D-Ausbildung bzw. -Prüfung eingeführt.
Innerhalb zweieinhalb Stunden standen für alle Gehörbildung, danach Einzelunterricht an Klavier und Orgel auf dem Programm (4 bis 6 Leute, schätze ich mal).
Der Gehörbildungsunterricht war sehr gut und hat mir viel gebracht.
Danach haben viele Leute so viel Zeit am Klavier verbracht, dass für Orgel nachher nicht mehr viel Zeit blieb, was ich schade fand. Ich wollte Orgel lernen! Das Problem war, dass vom absoluten Klavieranfänger bis zum fortgeschrittenen Schüler ziemlich große Unterschiede herrschten.
Die Allzweckwaffe des Lehrers war C. L. Hanons "Klaviervirtuose". Daraus musste jeder zuerst Etüden spielen. Es war schon skurill: Da gab es dann Leute, die wirklich knifflige Geläufigkeitsübungen transponiert fehlerfrei und sauber durch vier, fünf Oktaven hinauf, hinunter und in Gegenbewegung jodelten und danach als Klavierliteratur den "Holzschuhtanz" aus der Klavierschule darboten :-) Anschließend ging es dann mit J.K.F. Fischers Präludien aus der Kallerschule auf die Orgelbank, wo dann meistens gar keine Zeit mehr blieb.
Ich habe immer versucht, mehr auf der Orgel zu machen. Es gab ja z.B. Bachs kleine g-Moll-Fuge in der Kallerschule, bis dorthin bin ich damals immerhin vorgedrungen.
Natürlich habe ich auch brav meinen Hanon geübt, aber für mich war das im Kurs zuviel Klavier, vor allem im Hinblick auf den eigentlichen Sinn: Praktiker, d.h. nebenamtlichen Organistennachwuchs ausbilden. Die spielen ja eher nicht direkt List und Reger im Gottesdienst.
Als dann die D-Ausbildung eingeführt wurde und der Regionalkantor meinen (Einzel-!)Unterricht übernahm, war das ein wirkliches Aha-Erlebnis für mich.
Viele Grüße
Martin
Klavierunterricht als Voraussetzung für Orgelspiel
Als ich voller Begeisterung das Orgelspiel erlernen wollte (damals wurde in unserem Dorf eine neue Orgel gebaut) wurde mir gesagt, dass ich zuvor mindestens zwei Jahre Klavierunterricht nehmen müsse. Das habe ich getan, mit Hannon und Czerny und allem pipapo. Es war eine schreckliche Zeit. Als es dann endlich mit dem Orgelunterricht losging habe ich zuerst mein sehr schönes und zugleich sehr verhasstes Schimmel-Piano verkauft! Seither haber ich kaum noch Klavier gespielt. Ich konnte damals mit dem Instrument nichts anfangen und kann es bis heute nicht.
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Gruß vom Niederrhein
Klavierunterricht als Voraussetzung für Orgelspiel
Ich bin auch der Meinung, dass man heutzutage Interessenten, die Orgel lernen möchten, seien es Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene, zunächst - mit willkommener Freude - nachgeben, und ihrem Bedürfnis nach "Orgel"-Ausbildung gerecht werden sollte.
Nicht jede(r) will Konzert-Organist oder hauptamtlicher A-Kirchenmusiker werden!!!
Wenn dann das Interesse an schwieriger Literatur mit wachsendem Orgel-Können steigt, kann man gerne anbieten, paralell dazu Klavierunterricht zu goutieren.
Man sollte Kinder oder Erwachsene nicht abschrecken, die ausdrücklich Orgel spielen möchten. Wer dann später Liszt, Frack, Reger, Dupre oder ganz dicke Bäche örgeln will, kann sich gerne zusätzlich ans Klavier begeben.
Grüsse
Thomas
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Thomas Haubrich
pianistische grundlagen (war: Dupré)
Viel Glück, wer versucht, diese beiden Werke ohne eine solide pianistische Grundlage zu erarbeiten. Und noch etwas: Es ist reichlich vermessen, diese pianistische Basis auf einen rein "mechanischen" Aspekt zu reduzieren. Vor allem ein "singendes Legato" wird man in erster Linie am Klavier erarbeiten, und nicht an der Orgel.
Den Punkt mit dem Legato verstehe ich nicht. In meinem einfachen Verständnis macht eine pianistische Technik die Anschlagsdynamik aus (eine Clavicord-Technik die "After-Touch"-Dynamik), eine organistische Technik die Feinheiten der Artikulation. Kann jemand das pianistisch singende Legato in Worte fassen?
Wenn ich mal zurückkehre zu Orgelliteratur, die von der Mehrheit der Organisten bewältigt werden kann: Imho überwiegt dort der koordinative Aspekt, nicht die Schwierigkeit der Einzelstimme bzw des "Einzelkörperteils". Den koordinativen Aspekt übt man an einem Instrument mit Pedalklaviatur, nicht am Klavier. Wichtiger erscheint mir zu sein, an verschiedenen Orgeln zu üben, insbesondere auch mal an welchen mit trockener Akustik. Das ist für mich oft noch frustrierender, als wenn ich mich an ein Klavier setze ;-)
Klavierunterricht als Voraussetzung für Orgelspiel
Die Einzelerfahrungen sind naturgemaess sehr unterschiedlich und subjektiv. Fuer mich gilt:
nach 5 Jahren Klavierunterricht als fauler Schueler (am Ende Wohltemperiertes Klavier) stieg ich auf die Orgel um. Der Unterschied zwischen Manual und Pedal war nicht mehr aufzuholen.
Ich rate jedem. mit der Orgel ohne Klavierunterricht zu beginnen, und die am Klavier gut zu erlernende Gelaeufigkeit spaeter, d.h. nach Erreichen einer Orgelbasis (z.B. 8 Kleine) nachzuholen.
Gruß Nokuhn
pianistische grundlagen (war: Dupré)
...das mit dem "koordinativen aspekt" trifft in meinen augen den nagel auf den kopf! sehr gut ausgedrückt. merke ich mir! mich frappiert immer wieder, wie noten, die ich mit den händen leicht spielen kann, so spürbar viel schwerer werden, sobald ich den pedalpart -- und sei er ebenfalls einfach -- hinzunehme.
pianistische grundlagen (war: Dupré)
so geht's mir auch! Und wenn ich etwas neu einstudiere, erarbeite ich sofort den ganzen Komplex, also Hände und Füße gleichzeitig. Egal, wie elend sich das Gestackse zunächst anhört. Aber ich finde, zuerst den Manualpart einzuüben und dann den Pedalpart dazu, vermehrt (wenigstens für mich) den Übeaufwand. Allerdings merke ich dann auch, daß ab einem gewissen Punkt des Einübens der Pedalpart den Manualpart auch stützt: Spiele ich ohne Pedal, fehlt im Gesamtkomplex ein Element und die Fehler werden wieder häufiger.
Ich hätte ja die Wahl, denn im selben Zimmer steht ein Klavier. Aber ich finde es passender, die Dinge an der Orgel einzustudieren. Dazu kommt, daß ich in der trockenen Akustik die Orgel bei Unexaktheiten als weit rachsüchtiger empfinde als mein Klavier.