OT: unendliche Möglichkeiten elektronischer Klangerzeugung

Friedrich @, Samstag, 01. Juni 2013, 17:46 (vor 4837 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe

War das nicht damals schon ein bisschen plakativ? Gibt einige Stellen die wirken doch richtig platt.
Nettes Zeitdokument, aber mehr zumindest mal für mich auch nicht.

Dass zum Generieren solcher Geräusche damals raumfüllende Gerätschaften nötig waren und das heute im Grunde jeder begabte 13jährige an seinem Laptop machen kann, ist nun mal entwicklungsbedingt so.

Zum zweiten Punkt: Die Geräusche und Töne scheinen mir doch ziemlich charakteristisch fürs Trautonium zu sein, oder vielleicht auch für Salas Behandlung des Instruments. Die Saitenspiel-Charakteristik scheint nicht so leicht nachahmbar zu sein, wenn auch die Elektronik dahinter – da hast Du recht – heute bloß einen Bruchteil des Raums braucht, der früher nötig war. Der Heulton der Ondes Martenot oder der Sound des Theremin ist auf seine Weise ja auch charakteristisch.
Außerdem darf man nicht vergessen, dass Sala ein ausgebildeter Konzertpianist war – da kann der 13-jährige Schüler noch so begabt sein, da kommt er an Sala eher nicht heran. Salas Musikalität erkennt man unter anderem in seinem Rhythmussinn, der ihn nie verlässt, auch unter den irrwitzigsten Zeitdehnungen nicht. Der vom Video aus verlinkte Osnabrücker Konzertmitschnitt mit der »Caprice Rubato« zeigt das sehr schön – auch, dass er in Sachen Rubato die alte Schule in einer Perfektion vertrat, die heutigen Spielern schwer erreichbar ist. Davon gibt’s ein paar schöne CDs, z. B. bei Edition Zeitklang.

Zum ersten Punkt: Da braucht man sich nur mal vorzustellen, was ein amerikanischer Studiokomponist der Zeit da wohl geliefert hätte. Erst natürlich knallige Fanfaren, dann irgendwann busybusy Swing- und Bebop-Musik (letztere, sobald die ersten Quadratzentimeter schwarzer Haut ins Bild kommen).
Salas eigene Musik ist ziemlich konservativ, stark dreiklangorientiert und mit symmetrischen Rhythmen, die er für die elektronischen Effektpassagen auch mal aufbricht, aber am liebsten, um dann zurückkehren zu können. Das ist eine Art Schäkerei des alten mit dem neuen Klang, der charmant, zeitweise auch spannend ist, aber schon hinter den Hindemith-Stücken zurückbleibt; eher Interpretenmusik als genuin neue Kompositionen.

Ja, ich bin aus der Ferne ein großer Sala- und Trautonium-Fan und glaube, dass es sich lohnt, da hinzuhören. Ich würde mich noch mehr freuen, wenn es für das Instrument mal neue Musik und neue Interpreten gäbe.

Gruß,
Friedrich


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