Reger: Toccata op. 59 no. 5

3rd_astronaut, Montag, 24. Juni 2013, 22:10 (vor 4813 Tagen)

Liebe Foristen,
eine kurze Frage zur Reger-Toccata aus op. 59: Ist der 2. arpeggierte Akkord in dieser Arpeggio-Akkord-Reihe (vorletzte Seite) richtig notiert? Er klingt irgendwie härter dissonant als der Rest, mit d statt c wärs sanfter...
Ich meine diese Stelle http://youtu.be/1oqDywSPM44?t=2m30s , da sieht man auch die Noten (ich meine, in der Aufnahme ist auch kein c, aber finde ich schwierig zu hören).

Danke.

Reger: Toccata op. 59 no. 5

AndreasM @, Völklingen, Montag, 24. Juni 2013, 22:31 (vor 4813 Tagen) @ 3rd_astronaut

Hallo,

in der Breitkopf-Ausgabe schreibt Weyer: Offenbar ein Schreibfehler, analog zu den anderen Akkorden müsste es hier h-gis-h heißen. Ich spiele es so, in der verlinkten Aufnahme scheint es auch so zu sein, ich höre jedenfalls kein c.

Grüße Andreas

Reger: Toccata op. 59 no. 5

polisire, Dienstag, 25. Juni 2013, 07:04 (vor 4812 Tagen) @ AndreasM

Regers Autograph schreibt bei diesem Akkord für beide Hände c vor (jeweils mit einem deutlichem Auflösezeichen davor: also linke Hand c°, rechte Hand c', es kann deshalb kein Verschreiber für h sein).

C lässt sich aber durchaus auch von den harmonischen Fortschreitungen her legitimieren. Die von Weyer zurechtgebogene Lösung ist viel zu glatt.

Alle Entscheidungen der (revidierten) Gesamtausgabe sind in diesem wie in anderen Fällen stets mit größter Vorsicht zu geniessen.

Viel Spass mit dem Stück wünscht
polisire

Reger: Toccata op. 59 no. 5

Karsten, Dienstag, 25. Juni 2013, 07:19 (vor 4812 Tagen) @ polisire
bearbeitet von Karsten, Dienstag, 25. Juni 2013, 07:41

Regers Autograph schreibt bei diesem Akkord für beide Hände c vor (jeweils mit einem deutlichem Auflösezeichen davor: also linke Hand c°, rechte Hand c', es kann deshalb kein Verschreiber für h sein).

Wieso kann es kein Verschreiber sein? Sind "Verschreiber" denn immer als Verschreiber zu erkennen? Oder immer "undeutlich"?!
In der Carus-Ausgabe werden durchaus Stellen aufgezeigt, die, obwohl siw "auf dem Papier" her eindeutig zu sein scheinen, mit großer Wahrscheinlichkeit Verschreiber zu sein scheinen.
Eine ähnliche (umstrittene?) Stelle ist ein Takt in der Fuge der "Wachet auf"-Fantasie, wo es zu satztechnisch falschen und unnötigen Oktavparallelen kommt (UE, S.19, 3. System, 1. Takt, 4. Zählzeit). Obwohl die Manuskripte eindeutig sind ist es ein offenkundiger (und unnötiger) Satzehler. Eigentlich dürfte solch ein Fehler einem Profi nicht passieren, dennoch ist er im Druck nie korrigiert worden.

C lässt sich aber durchaus auch von den harmonischen Fortschreitungen her legitimieren. Die von Weyer zurechtgebogene Lösung ist viel zu glatt.

Das ist mal ein Gegenargument :)

Alle Entscheidungen der (revidierten) Gesamtausgabe sind in diesem wie in anderen Fällen stets mit größter Vorsicht zu geniessen.

Ja, gut, dass es die alten Ausgaben und nun bald auch die Carus-Ausgabe gibt.

Gruß
Karsten

Reger: Toccata op. 59 no. 5

Axel ⌂ @, Mechernich, Dienstag, 25. Juni 2013, 13:01 (vor 4812 Tagen) @ Karsten

Hat zufällig jemand die Straube-Ausgabe zur Hand? Ich finde sie gerade nicht. S. hat Regers Vortragsbezeichnungen deutlich modifiziert. Es wäre interessant zu wissen, was er an der Stelle schreibt. Sollte es ein Druckfehler sein, dürfte S. ihn behoben haben.

Grüße
Axel

Reger: Toccata op. 59 no. 5

polisire, Dienstag, 25. Juni 2013, 13:28 (vor 4812 Tagen) @ Axel

Er ändert überhaupt nichts an den Noten, schreibt also auch zweimal das (zu Unrecht) in Frage gestellte c.

Reger: Toccata op. 59 no. 5

3rd_astronaut, Dienstag, 25. Juni 2013, 22:50 (vor 4812 Tagen) @ polisire

Gut, also ein simpler Druckfehler ist es nicht, aber zumindest dem Weyer lief die Stelle auch gegen den Strich... Wenn ich das Endtempo drauf habe, werde ich nochmal mit dem Akkord herumexperimentieren; im Übetempo jedenfalls stört mich das c ;-)

Reger: Toccata op. 59 no. 5

Friedrich @, Mittwoch, 26. Juni 2013, 06:31 (vor 4811 Tagen) @ polisire

Regers Autograph schreibt bei diesem Akkord für beide Hände c vor (jeweils mit einem deutlichem Auflösezeichen davor: also linke Hand c°, rechte Hand c', es kann deshalb kein Verschreiber für h sein).

C lässt sich aber durchaus auch von den harmonischen Fortschreitungen her legitimieren. Die von Weyer zurechtgebogene Lösung ist viel zu glatt.

Alle Entscheidungen der (revidierten) Gesamtausgabe sind in diesem wie in anderen Fällen stets mit größter Vorsicht zu geniessen.

Und Reger soll ein sehr gewissenhafter Korrekturleser gewesen sein, bei aller Arbeitslast, die er sich aufbürdete. Zudem schrieb er die Stücke op. 59 zu einer Zeit, als er noch nicht wieder im Lehr- und Auftrittsbetrieb befangen war, sondern sein Arbeitspensum selber bestimmte: in Weiden, als seine Familie aufpasste, dass er nicht wieder dem Suff verfällt.

Beides sind nur Indizien, aber Reger ist kein Fall für Schlamperei, zumal im Opus 59. Das auch deswegen, weil die Nachwelt dazu neigt, den musikalischen Intellekt solcher Komponisten zu unterschätzen, die im Menschelbereich ihre Schwächen hatten. Davor sollte man auf der Hut sein.

Gruß,
Friedrich

Reger: Toccata op. 59 no. 5

Cor de Basset, Mittwoch, 26. Juni 2013, 14:04 (vor 4811 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von Cor de Basset, Mittwoch, 26. Juni 2013, 14:08

Regers Autograph schreibt bei diesem Akkord für beide Hände c vor (jeweils mit einem deutlichem Auflösezeichen davor: also linke Hand c°, rechte Hand c', es kann deshalb kein Verschreiber für h sein).

C lässt sich aber durchaus auch von den harmonischen Fortschreitungen her legitimieren. Die von Weyer zurechtgebogene Lösung ist viel zu glatt.

Alle Entscheidungen der (revidierten) Gesamtausgabe sind in diesem wie in anderen Fällen stets mit größter Vorsicht zu geniessen.


Und Reger soll ein sehr gewissenhafter Korrekturleser gewesen sein, bei aller Arbeitslast, die er sich aufbürdete. Zudem schrieb er die Stücke op. 59 zu einer Zeit, als er noch nicht wieder im Lehr- und Auftrittsbetrieb befangen war, sondern sein Arbeitspensum selber bestimmte: in Weiden, als seine Familie aufpasste, dass er nicht wieder dem Suff verfällt.

Beides sind nur Indizien, aber Reger ist kein Fall für Schlamperei, zumal im Opus 59. Das auch deswegen, weil die Nachwelt dazu neigt, den musikalischen Intellekt solcher Komponisten zu unterschätzen, die im Menschelbereich ihre Schwächen hatten. Davor sollte man auf der Hut sein.

Gruß,
Friedrich

Danke, Friedrich, für diese Anmerkungen! C in beiden Händen an besagter Stelle in der Toccata Opus 59 ist korrekt; so spielt es im Übrigen auch Jos van der Kooy eindeutig in der Aufnahme.

Auch in anderen Fällen ärgere ich mich wirklich über manche "gut gemeinten" Korrekturen von Weyer: im ersten Satz der 2. Sonate d-Moll Opus 60 (Takte 89-90) werden die Intervalle im Pedal an die korrespondierenden Takte 22-23 angeglichen, was den harmonischen Kontext dieser Passage grundlegend verändert. In der alten Leuckart-Ausgabe steht es korrekt, ebenso in Band 16 der Reger-Gesamtausgabe von 1959, und auch in der neuen Reger-Werkausgabe (Band I/3) bei Carus.

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