Mehr Transparenz bei Musikwettbewerben
Hallo!
Der Aufhänger stammt zugegeben aus dem off-topic-Bereich, aber meiner Meinung ist die Problematik durchaus im Orgelbereich relevant, wegen des Nischenbereichs der Orgelmusik sogar noch gravierender.
Musik-Wettbewerbe sind heute an der Tagesordnung, aber von vielen überaus umstritten. Ein Hauptkritikpunkt ist die Entscheidungsfindung, die Jury. In den meisten Wettbewerbsbedingungen finden sich Sätze wie "Die Entscheidungen der Jury werden in nicht öffentlichen Sitzungen getroffen, sind endgültig und unanfechtbar." Auch die Bewertungen der Jurymitglieder werden in der Regel nicht öffentlich gemacht. Zudem kommt das Problem, dass Studenten an Wettbewerben teilnehmen dürfen, in deren Jury ihre Professoren oder Lehrer sitzen. Auch wenn die verschiedenen Runden häufig anonym stattfinden, so merken Profis sicher sehr schnell, ob jemand aus "ihrem Stall" spielt. Dass Professoren ein großes Interese daran haben, dass ihre Studenten Preise gewinnen, dürfte sich von selbst verstehen.
Es gibt nun seit einiger Zeit eine wie ich finde lobenswerte Initiative von jungen Musikern, die sich für mehr Transparenz bei Musikwettbewerben (insbesondere Klavierwettbewerben) einsetzt. Fachzeitchriften wie Piano News haben bereits darüber berichtet ("Wie transparent sollten Jurys sein? Zu einer Petition über Transparenz von Klavierwettbewerbs-Jurys", Carsten Dürer in PIANONews (April 2009)).
Online findet man Informationen und die Petition selbst unter:
http://gopetition.com/online/23110.html
http://www.facebook.com/group.php?gid=30296679137 (öffentliche facebook-Site)
Einige Wettbewerbe veröffentlichen mittlerweile die Ergebnisse.
Wie schon erwähnt, scheint mir auf Grund des Nischen-Charakters von Orgelmusik diese Problematik relevanter zu sein: Man kennt sich untereinander.
Wie transpartent sind nun die Orgelwettbewerbe?
Mir ist bekannt, dass bei einigen Orgelwettbewerben nach dem Ausscheiden des Teilnehmers Jurygespräche angeboten werden. (Sowas scheint mir bei Klavierwettbewerben mit bis zu 80 Teilnehmern in den ersten Runden organisatorisch wohl unmöglich.)
Zusätzlich würde ich Orgelwettbewerbs-Reglements, die die Teilnahme von Studenten von Juryteilnehmern nicht zulassen, grundsätzlich für sinnvoll halten. Was natürlich bei dem eher übersichtlichen Hochschul-Terrain schwierig sein könnte. Praktisch könnten ganze Musikhochschul-Klassen an bestimmten Wettbewerben nicht teilnehmen...
Über Meinungen wäre ich sehr gespannt!
Gruß
Karsten