Hallo!
Wie angekündigt spielte Tobias Breitner gestern Messiaens Orgelzyklus "La Nativité du Seigneur".
Auf den Plakaten im Glaskasten wurde mit dem deutschen Titel "Die Geburt des Herrn" geworben. Ob sich dies als "Falle" für den unbedarften Kirchenkonzertbesucher erwies, der eher "weihnachtliche" Hirtenreigen erwartete? Jedenfalls fanden sich über 70 Leute zu dieser Orgelmeditationsstunde ein. Nur wenige verließen nach dem ersten Stück die Kirche. Da es sich aber um kein richtiges "Konzert" handelte und keine Aufsichtsperson oder KAssentisch da war (Eintritt war frei), ließ es sich nicht vermeiden, dass einige Besucher trotz offensichtlicher Konzertsituation die Kirche besichtigen und fotografieren mussten. Immerhin wurde dies einigermaßen leise und dezent getan, am meisten störte der (unsinnige) Blitz (dein Stichwort, Wolfgang ;) ). Die Jesuitenkriche ist nun mal leider (oder Gott sei Dank) auch eine Touristenattraktion.
Breitner begrüsste das Publikum und war sichtlich begeistert, dass so viele gekommen sind und sich auf das Abenteuer Messiaen einlassen wollten. Als Hörhilfe wurden neben ausgeteilten Programmblättern mit Einführungstexten auch die Nummern per Liedanzeiger angegeben. Ich konnte beobachten, dass in den meisten Fällen die Programmblätter nur kurz zur Orientierung in die Hand genommen wurden und sonst die meiste Zeit schlicht zugehört wurde. Gibt es für den Interpreten und die Musik ein schöneres Kompliment?
Die Klais-Orgel, im Kern neobarock mit großem Schwellwerk, vor einigen Jahren technisch saniert und grundtöniger neuintoniert, erwies sich zusammen mit der Kathedral-Akustik der Jesuitenkirche als gute Partnerin für Messiaens Musik. Für meine Geschmack hätte Breitner an vielen Stellen noch mehr mit dem Register Raum arbeiten können.
Ich konnte jedenfalls feststellen, wie schnell die Zeit verging, gerade wenn die Zeit in der Musik regelrecht "stehenbleiben" soll und kann.
Herzlicher Applaus für Tobias Breitner, der - bescheiden - den Beifall durch Hochhalten der Partitur an Messiaen weiterleitete.
Gruß
Karsten