Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Guten abend,
Ich habe mir nun vorgenommen diesen Sommer Bachs d-moll Toccata & Fuge
einzustudieren. Hoffentlich werde ich es nach mehren anläufen diesmal auch durchziehen.
Stimmt es, dass dieses Werk nicht von Bach stammt? Irgendwie ist es ja das populärste Orgelstück das es gibt - und meiner Meinung nach eine geniale Komposition.
Wen es nicht von Bach ist, welchem Meister wird es dann zugeschrieben?
Die 8 kleinen Präludien gelten ja mittlerweile auch nicht merh als Bach-Stücke.
Gruß, Martin
Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Guten abend,
Ich habe mir nun vorgenommen diesen Sommer Bachs d-moll Toccata & Fuge
einzustudieren. Hoffentlich werde ich es nach mehren anläufen diesmal auch durchziehen.Stimmt es, dass dieses Werk nicht von Bach stammt? Irgendwie ist es ja das populärste Orgelstück das es gibt - und meiner Meinung nach eine geniale Komposition.
Wen es nicht von Bach ist, welchem Meister wird es dann zugeschrieben?
Hallo, es gibt Musikwissenschaftler, die das Werk Johann Peter Kellner zuschreiben. Ich selbst glaube, dass das Werk tatsächlich von Bach ist und zwar deshalb, weil Johann Ludwig Krebs in seinem Präludium und Fuge d-moll das 565er Fugenpedalsolo zitiert. Krebs hat das in seinen großen Präludien oft gemacht. Wundersamerweise finden sich gerade Zitate früher Bachpräluden wieder, wie das kleine c-moll, das D-dur oder die C-dur 564. Oft sind die Zitate in der gleichen Tonart, nur das große h-moll gibts bei Krebs als f-moll und die F-dur Toccata in a-moll. Zurück zum d-moll; Krebs fügt in die d-moll Fuge das Pedalsolo der 565er Fuge ein. Man könnte einen Zufall vermuten, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Krebs in keiner seiner Fugen ein Pedalsolo bastelt (warum gerade in der d-moll Fuge eines, wenn Bach es nicht genauso gemacht hätte?), die Tonart d-moll, die Kenntnis Krebs der frühen Orgelwerke von Bach und die unverkennbare Ähnlichkeit mit dem 565er Pedalsolo lassen auf eine Echtheit des 565ers schließen. Ich glaube kaum, dass Krebs bei Kellner abgeschrieben hat.
Die 8 kleinen Präludien gelten ja mittlerweile auch nicht merh als Bach-Stücke.
Gruß, Martin
Die werden oft fälschlich Johann Ludwig Krebs zugeschrieben. Wer nur einmal ein Stück von Johann Ludwig Krebs gespielt hat, oder seine Musik nur ansatzweise kennt, muss zwangsweise erkennen, dass die 8 Kleinen nicht von Johann Ludwig Krebs sind. J.L.Krebs hat nie so geschrieben.
Grüße Franz
Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Ich selbst glaube, dass das Werk tatsächlich von Bach ist und zwar deshalb, weil Johann Ludwig Krebs in seinem Präludium und Fuge d-moll das 565er Fugenpedalsolo zitiert. Krebs hat das in seinen großen Präludien oft gemacht. Wundersamerweise finden sich gerade Zitate früher Bachpräluden wieder, wie das kleine c-moll, das D-dur oder die C-dur 564.
Ich kenne zugegebenermaßen nicht viel Krebs -- habe zwar ein paar Platten, aber bisher nicht die Geduld, mir die doch oft etwas langatmigen Sachen anzuhören; je kürzer der Krebs, desto besser gefällt er mir. Aber Franz' Argument (selbst rausgefunden? Hut ab!) gefällt mir bisher am besten von allen, die ich pro oder contra gehört habe. Es ist natürlich nicht zwingend, denn streng genommen kann Krebs zitieren, wen immer er will, und er hat nicht "Ist von Bach!" drangeschrieben. Aber wenn er in seinen Orgelsachen ausschließlich Bach zitiert (tut er das? Es könnte immer noch ungeklärte Zitate anderer Komponisten geben), dann ist das ein richtig gutes Argument.
Stilkritisch ist da viel argumentiert worden, und da mischt sich je nach Autor mehr oder weniger Wissen auch mit Geschmack und Erfahrung. Ich erinnere mich, dass ich mal ein Trio musiziert habe (Fl, Vl, BC), über dem "J. S. Bach" stand, aber es fühlte sich einfach nicht so an. Die Linienführung war kurzatmig, die Harmonik schüchtern ("Ich hab zu wenige DVs in den Händen", meinte die Klavierspielerin), der Kontrapunkt ganz OK, aber mehr auch nicht. Ich habe das Stück dann in einem BWV-Anhang gefunden sowie meinen Verdacht bestätigt. Es war wohl eine Übungsaufgabe Bachs für einen Schüler; der Anfang mindestens des Basses war von Bach, der Rest eine mehr oder weniger gelungene Fleißarbeit.
In der d-Moll-Toccata fühlt sich nichts so an, so halbgar. Sie ist zwar sprunghaft, hat aber eine überzeugende Dramaturgie; und das rhythmische Pulsieren -- das ist schon gesagt worden -- treibt einen förmlich aufs Ende zu. Wie Christoph Wolff in einem Seminar in Freiburg fragte: "Wer zu dieser Zeit in dieser Gegend sollte so etwas komponiert haben -- von dem wir wiederum nichts Vergleichbares haben?" Und Konrad Küster meinte, über ein so gelungenes Stück "J. S. Bach" zu schreiben, das sie doch verkehrtes Fälschen -- wenn, dann möchte man es doch sich selber zuschreiben.
Was mich inzwischen etwas nervt, ist die in der Alte-Musik-Szene um sich greifende Ansicht, das Stück sei erwiesenermaßen Violinmusik. Erwiesen ist da nämlich gar nichts, und imitatio violinistica war ein gängiges Tasten-Stilmittel.
Kurz: Danke, Franz!
Gruß,
Friedrich
Ceterum censeo: Der Bassgang d-A-B-A klingt wirklich idiotisch, auch wenn ihn noch so viele spielen. Hört doch einfach hin und bleibt bei d-c-B-A!
Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Die werden oft fälschlich Johann Ludwig Krebs zugeschrieben. Wer nur einmal ein Stück von Johann Ludwig Krebs gespielt hat, oder seine Musik nur ansatzweise kennt, muss zwangsweise erkennen, dass die 8 Kleinen nicht von Johann Ludwig Krebs sind. J.L.Krebs hat nie so geschrieben.
Grüße Franz
Hallo Franz,
danke für deine interessanten Ausführungen.
Wurden die "Acht Kleinen" nicht Johann Tobias Krebs, dem Vater des Johann Ludwig, zugeschrieben?
Gruß,
Martin
Urheberrecht
[...] denn streng genommen kann Krebs zitieren, wen immer er will, und er hat nicht "Ist von Bach!" drangeschrieben. Aber wenn er in seinen Orgelsachen ausschließlich Bach zitiert (tut er das? Es könnte immer noch ungeklärte Zitate anderer Komponisten geben), dann ist das ein richtig gutes Argument.
Mal ein ganz anderer Aspekt: Ist es nicht wunderbar, wie die alten Meister sich gegenseitig wörtlich (ohne Quellenangabe) zitiert, imitiert, interpretiert, nachgeahmt und weiterentwickelt haben? Ohne die Fesseln eines Urhebergesetzes?
War DAS nicht die eigentliche Freiheit der Kunst, die Welt ohne Verwertungsgesellschaften und Plagiatsdiskussionen? (Ohne jenen christsozialen Freiherren exculpieren zu wollen sei dies doch "in aller Deutlichkeit" angemerkt!) Was die Asiaten heute noch praktizieren (und damit sogar Ihre Fälschungen und Markenpiraterien rechtfertigen): Das Lernen vom Meister - eben zunächst auch durch Kopieren und Imitieren, und dann erst durch Weiterentwickeln...
Und ist, darüber hinaus, das Zitat nicht eine wunderbare Referenz und Ehrenbezeugung an den Zitierten, auch und gerade wenn es nicht um ein Imitat oder Plagiat geht?
An dieser Stelle ein Appell an die Freiheit des Geistes auch im Recht des geistigen "Eigentums"... Wie steht es denn um die berühmte "Gemeinpflichtigkeit des Eigentums" eben auch im geistigen Eigentum?? Unsere aktuelle Rechtslage zur "Gemeinfreiheit" ist doch ein karges Gefängnis...
OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Wenn es nicht von Bach ist, welchem Meister wird es dann zugeschrieben?
Bach, die Krebse... hmmh...
Irgendwo habe ich gehört, dass es von diesem bislang recht unbekannten deutschen Barockkomponisten stammt :-)
Der Herr hat es auch immerhin zu einem Wikipedia-Eintrag geschafft.
Martin
Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Ich selbst glaube, dass das Werk tatsächlich von Bach ist und zwar deshalb, weil Johann Ludwig Krebs in seinem Präludium und Fuge d-moll das 565er Fugenpedalsolo zitiert. Krebs hat das in seinen großen Präludien oft gemacht. Wundersamerweise finden sich gerade Zitate früher Bachpräluden wieder, wie das kleine c-moll, das D-dur oder die C-dur 564.
(selbst rausgefunden? Hut ab!)
Ja, selbst rausgefunden, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass ich der Erste und Einzige bin, dem das aufgefallen ist.
gefällt mir bisher am besten von allen, die ich pro oder contra gehört habe. Es ist natürlich nicht zwingend, denn streng genommen kann Krebs zitieren, wen immer er will, und er hat nicht "Ist von Bach!" drangeschrieben. Aber wenn er in seinen Orgelsachen ausschließlich Bach zitiert (tut er das? Es könnte immer noch ungeklärte Zitate anderer Komponisten geben), dann ist das ein richtig gutes Argument.
Das kann ich mir bei Krebs nicht vorstellen, denn andere Zitate würden ihm wohl kaum ins Konzept passen. Das C-dur Präludium verdeutlicht genau was ich meine. Man könnte dem Krebs angesichts dieser Werke mangelnde Kreativität vorwerfen, aber es ist doch ganz eigene (und fast schon eigenartig verschrobene) Musik entstanden. Die Werke von Krebs sind sehr artifiziell und absolut gefühlskalt und das ist das geniale an Krebs.
In der d-Moll-Toccata fühlt sich nichts so an, so halbgar. Sie ist zwar sprunghaft, hat aber eine überzeugende Dramaturgie; und das rhythmische Pulsieren -- das ist schon gesagt worden -- treibt einen förmlich aufs Ende zu. Wie Christoph Wolff in einem Seminar in Freiburg fragte: "Wer zu dieser Zeit in dieser Gegend sollte so etwas komponiert haben -- von dem wir wiederum nichts Vergleichbares haben?" Und Konrad Küster meinte, über ein so gelungenes Stück "J. S. Bach" zu schreiben, das sie doch verkehrtes Fälschen -- wenn, dann möchte man es doch sich selber zuschreiben.
Man darf auch nicht vergessen, dass wir nur eine einzige Abschrift von der d-moll-Toccata haben und die ist nicht die beste. Es ist auch anzunehmen, dass Krebs eine eigene Abschrift besessen hat, die wohlmöglich noch irgendwo rumliegt.
Was mich inzwischen etwas nervt, ist die in der Alte-Musik-Szene um sich greifende Ansicht, das Stück sei erwiesenermaßen Violinmusik. Erwiesen ist da nämlich gar nichts, und imitatio violinistica war ein gängiges Tasten-Stilmittel.
Diese Leute sollten mal ihre Lauscher aufstellen. Wenn man so Violinmusik definiert, dann wäre 90 % der Claviermusik des 18. Jahrhunderts Violinmusik.
Gruß,
Friedrich
Gruß zurück Franz
OT: Krebs zitiert Bach
Hallo Franz,
Ich selbst glaube, dass das Werk tatsächlich von Bach ist und zwar deshalb, weil Johann Ludwig Krebs in seinem Präludium und Fuge d-moll das 565er Fugenpedalsolo zitiert. [...] Krebs fügt in die d-moll Fuge das Pedalsolo der 565er Fuge ein. Man könnte einen Zufall vermuten, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Krebs in keiner seiner Fugen ein Pedalsolo bastelt (warum gerade in der d-moll Fuge eines, wenn Bach es nicht genauso gemacht hätte?), die Tonart d-moll, die Kenntnis Krebs der frühen Orgelwerke von Bach und die unverkennbare Ähnlichkeit mit dem 565er Pedalsolo lassen auf eine Echtheit des 565ers schließen.
kannst Du bitte die Stelle mit Taktzahlen benennen? Ich finde kein wörtliches Zitat, nur in Takt 53+54 ein ähnlich klingendes Etwas.
Grüße von tiratutti
Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Hallo FranzS.,
aus Beobachtungen am Werk von J. L. Krebs auf die Echtheit von BWV 565 zu schließen, ist zweifellos ein interessanter Ansatz, ob sich diese damit beweisen lässt, eine andere Sache. Ich halte die Autorenschaft Bachs zwar auch für wahrscheinlich, aber nicht
deshalb, weil Johann Ludwig Krebs in seinem Präludium und Fuge d-moll das 565er Fugenpedalsolo zitiert.
[/i]
Seit den Plagiatsskandalen der letzten Zeit wissen wir, dass ein Zitat die wörtliche Übernahme von Texten anderen bedeutet. Das ist aber hier keineswegs der Fall, du schreibst später selbst von der "unverkennbaren Ähnlichkeit" mit dem 565er Pedalsolo.
Und um mehr handelt es sich in diesem Falle auch nicht. Man kann bei Bach weitere ähnliche Stellen finden, z.B. am Anfang der Klaviertoccata d-Moll BWV 913, bei der die Übereinstimmung mit der besagten Krebs-Stelle m. E. größer ist, vor allem durch den harmonischen Verlauf der Figuration. Und solche treppenartig absteigende oder akkordbrechende Figurationen sind typisch für barocke Pedalsoli. Weitere Übereinstimmungen mit BWV 913 findet man in der Krebs-Fuge ab Takt 175. Ob solche Ähnlichkeit bewußt gesetzt worden ist, lässt sich sicher nicht beurteilen, sie entspringt vermutlich eher der seinerzeit gängigen Musiksprache. In fast allen Pedalsoli von Krebs lassen sich zahlreiche Anklänge an diese d-Moll-Stelle nachweisen. (vgl. Pedalsolo Toccata E-Dur,Toccata a-Moll, Präludium G-Dur, c-Moll und D-dur).
Krebs hat das in seinen großen Präludien oft gemacht.
Das ist zweifellos der Fall.
Oft sind die Zitate in der gleichen Tonart, nur das große h-moll gibts bei Krebs als f-moll und die F-dur Toccata in a-moll.
Hier kann man aber auch nicht von Zitaten, allenfalls von Nachahmung von Mustern oder Vorlagen sprechen.
Zurück zum d-moll; Krebs fügt in die d-moll Fuge das Pedalsolo der 565er Fuge ein. Man könnte einen Zufall vermuten, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Krebs in keiner seiner Fugen ein Pedalsolo bastelt (warum gerade in der d-moll Fuge eines, wenn Bach es nicht genauso gemacht hätte?),
Diese Stelle hat m. E. eine andere Bedeutung als die besagte bei Bach: Es handelt sich nicht um ein Pedalsolo im üblichen Sinne, wobei oft eine eigenständige, sich vom übrigen Material unterscheidende Motivik vorherrscht, sondern um die Einführung des 2.Themas in der Doppelfuge, das im Pedal vorgestellt und von den übrigen Stimmen beantwortet wird. Es taucht später nochmals in a-Moll im Pedal auf als Kontrapunkt zu den Oberstimmen und wird schließlich mit dem 1. Thema verknüpft, das im Übrigen auch in der Umkehrung verarbeitet wird, wodurch sich z. T. die ungewöhnliche Länge der Fuge von 228 Takten erklärt.
Aus Ähnlichkeiten im Werk von Krebs die Autorenschaft Bachs an BWV 565 herzuleiten, scheint mir aufgrund meiner Beobachtungen nicht zwingend. Er benutzt gängige Muster, die sich aus der engen Anlehnung an die Werke seines Lehrers ergeben und deren Vorbild auch in anderen Kompositionen Bachs zu finden sind.
Stammt die d-moll Toccata von Bach?
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Seit den Plagiatsskandalen der letzten Zeit wissen wir, dass ein Zitat die wörtliche Übernahme von Texten anderen bedeutet. Das ist aber hier keineswegs der Fall, du schreibst später selbst von der "unverkennbaren Ähnlichkeit" mit dem 565er Pedalsolo.
Und um mehr handelt es sich in diesem Falle auch nicht. Man kann bei Bach weitere ähnliche Stellen finden, z.B. am Anfang der Klaviertoccata d-Moll BWV 913, bei der die Übereinstimmung mit der besagten Krebs-Stelle m. E. größer ist, vor allem durch den harmonischen Verlauf der Figuration. Und solche treppenartig absteigende oder akkordbrechende Figurationen sind typisch für barocke Pedalsoli. Weitere Übereinstimmungen mit BWV 913 findet man in der Krebs-Fuge ab Takt 175. Ob solche Ähnlichkeit bewußt gesetzt worden ist, lässt sich sicher nicht beurteilen, sie entspringt vermutlich eher der seinerzeit gängigen Musiksprache. In fast allen Pedalsoli von Krebs lassen sich zahlreiche Anklänge an diese d-Moll-Stelle nachweisen. (vgl. Pedalsolo Toccata E-Dur,Toccata a-Moll, Präludium G-Dur, c-Moll und D-dur).
Hallo, mit Zitat habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Die Ähnlichkeit des besagten Pedalsolos halte ich aber trotz deiner guten Gegenargumente für unverkennbar. BWV 913 ist natürlich schon ein gutes Gegenargument, aber wie ich auch erwähnt habe, kann man vor allem frühe bachsche Orgelwerke bei Krebs hören. Solche Ähnlichkeiten hat zumindest Krebs bewusst gesetzt, vor allem im c-moll Präludium ist das am offensichtlichsten. Der Sinn des Pedalsolos ist bei Krebs schon ein Anderer, aber ob Krebs das Pedalsolo nur geschrieben hat um es später thematisch weiter zu verarbeiten? Trotzdem bleiben die Tatsachen, dass Krebs aus frühen Orgelwerken zitiert hat, die ähnliche Linienführung, die Tonart und einziges Pedalsolo in einer Krebsfuge (warum gerade in der d-moll Fuge?)
Aus Ähnlichkeiten im Werk von Krebs die Autorenschaft Bachs an BWV 565 herzuleiten, scheint mir aufgrund meiner Beobachtungen nicht zwingend. Er benutzt gängige Muster, die sich aus der engen Anlehnung an die Werke seines Lehrers ergeben und deren Vorbild auch in anderen Kompositionen Bachs zu finden sind.
Er benutzt gängige Muster, das ist wahr, aber Anspielungen auf einen bestimmten Bach kommen nie zweimal vor. In der (späteren) E-dur Toccata (vielleicht sein bestes Werk) kann ich keine direkte Vorlage erkennen. Das G-dur Präludium ist zweifellos nach einer Vorlage von Bach komponiert, die uns jedoch nicht bekannt ist. Also Leute, durchkämmt die Archive, denn ein großes G-dur von Bach liegt noch unbekannt rum ;-)
Grüße Franz
OT: Krebs zitiert Bach
kannst Du bitte die Stelle mit Taktzahlen benennen? Ich finde kein wörtliches Zitat, nur in Takt 53+54 ein ähnlich klingendes Etwas.
Hallo,
mit Zitat habe ich mich nicht korrekt ausgedrückt. Was ich meinte ist eine überraschende Ähnlichkeit, weshalb ich meine, dass 565 als Vorlage gedient hat. Die Taktzahl kann ich dir nicht nennen, da die Krebsbände zur Zeit an der Orgel liegen und ich gerade in der Uni sitze und eigentlich "mathematische Methoden der Optimierung" lernen sollte.....(scheußliches Zeug)
Grüße Franz
der jedem rät "lernts wos Gscheids!"
OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Ihr irrt alle! Urheber war dieser hier: http://de.wikipedia.org/wiki/P._D._Q._Bach
Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Dass Krebs als Bach-Schüler seinem Lehrmeister mit vielfachen Zitaten huldigte, liegt nahe und mag wiederum für die Urheberschaft Bachs an der d-Moll-Toccata sprechen. Wirkliche Gewissheit werden wir wohl nie erlangen.
...genauso wenig darüber, wie Bach wirklich geklungen hat. Er soll ein genialer Improvisator gewesen sein. Doch leider gibt es aus dieser Zeit keine authentischen Klangbeispiele.
Herzlich grüßt
Scotty.
--
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." (Gustav Mahler)
OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Naja, ob die Unvermeidliche jetzt SO schlecht ist, daß man sie diesem (Zitat) "profoundly shallow composer" zueignen mag, möchte ich jetzt nicht beurteilen.
WENN sie von P. D. Q. Bach stammt, dann müsste es zumindest eine doch sehr ähnliche Vorlage gegeben haben. Aber vielleicht ist sie auch bloß verschollen.
Ich bin ja Anhänger der Theorie, daß Buxtehudes Tochter Anna Margareta die wahre Urheberin des Stückes ist. Sie wollte den jungen Bach mit ihrem Stück beeindrucken und ihn dazu bringen, seine Ablehnung ihres überlieferten Liebreizes noch einmal zu überdenken. Leider kam es nicht dazu. Bach hat mit dem Manuskript von Anna Margareta Buxtehude ein undichtes Fass guten Lübecker Herings abgedichtet, das er auf seiner Rückreise mit nach Arnstadt nahm. Über Umwege gelangte das Papier nach Gräfenroda, der Wirkungsstätte Kellners, wo es 1736 beim Orgelneubau zur Abdichtung eines Windkanals benutzt wurde.
Bei einer Ausreinigung der Orgel durch Kellners Schüler Johannes Ringk kam es dann zu einer denkwürdigen Begebenheit: Ringk wurde in den Abendstunden von Kellners Nichte Marie Elisabeth Wuckel aufgesucht, die ihm, ob der fortgeschrittenen Stunde, das Nachtmahl direkt an die Orgel bringen sollte. Da es schon dunkel wurde und beide sich ungestört wähnten, kam es, wie es kommen musste. Leider wurde das junge Glück durch den Küster gestört, der auf dem Heimweg vom Gasthaus schwer angetrunken und also orientierungslos glaubte, daß es schon Sonntag Morgen sei und also die Kirche aufsuchte, jedoch nicht orientierungslos genug war, um Anhand der Geräusche nicht zuordnen zu können, was auf der Empore vor sich ging - aber, herzensguter Mensch, der er war, den jungen Orgelschüler lediglich dazu nötigte, sich sein Schweigen mit dem Vortrag eines schönen Orgelstückes zu verdienen.
Als nun dem verzweifelten Ringk schon minutenlang partout nichts einfallen wollte, was er dem immer ungeduldiger werdenden Küster vortragen könnte, erinnerte er sich schließlich an die unbekannten Noten aus dem Windkanal. Der herzhaft angetrunkene Küster war derweil auf die Kanzel in eine akustisch günstige Position gekrabbelt und wartete hörbereit. Was er dann vernahm, muss ihn so erfreut haben, daß er sich nach dem Schlussakkord lautstark von der Kanzel herab auf die ersten Bankreihen erbrach. Ringk, dankbar darüber, daß der Küster sich am nächsten Morgen an nichts erinnern konnte, übertrug das unbekannte Stück ins Reine und schrieb es, um Eindruck zu schinden, Johann Sebastian Bach zu.
Ob die Tatsache, daß Ringk das Stück auf einer zweifellos mitteltönig gestimmten Orgel vortrug, zum Vergessen des Küsters beigetragen hat, ist leider nicht überliefert.
Erst Jahre später, im Zuge der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Tagebücher des Lübecker Heringshändlers Johann Fürchtegott Pudersen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, kam heraus, daß das in der Gräfenrodaer Orgel aufgefundene Manuskript nur von Anna Margareta Buxtehude stammen kann. Es ist somit ihr erstes und einziges überliefertes Orgelwerk.
Als kleines Schmankerl zum Schluss und als klangliche Illustration dieser musikhistorischen Ausnahmebiografie möchte ich euch noch auf diese Aufnahme hinweisen:
http://www.youtube.com/watch?v=dHOcCLvUeH4
Es zeigt die traditionelle Aufführung ihres magnum opus in mitteltöniger Stimmung, mit der die jährliche Vollversammlung der Anna Margareta Buxtehude Foundation eröffnet wird. Die beinahe schon schmerzhaft hörbare Zerrissenheit, die sich auch wie ein roter Faden durch Anna Margareta Buxtehudes windschiefe Biographie zieht, könnte keinen frappierenderen Ausdruck bekommen, als in dieser schon beinahe zum Ritual geronnenen Interpretation.
OT: Stammt die d-moll Toccata von Bach?
Ich bin ja Anhänger der Theorie, daß Buxtehudes Tochter Anna Margareta die wahre Urheberin des Stückes ist.
...und wenn sie nicht gestorben sind, ...
Was für eine wunderschöne Geschichte !
Die würde ich doch glatt zur Verfilmung an ZDF-History schicken, damit sie die Welt auch glaubt.
Oder wie wäre es mit Buxtehude-Rollmöpsen statt Bismark-Heringen?
Schmunzelde Grüße von
Subkoppel II - I