Thorsten Göbel in der Auferstehungskirche, 31.12.2010

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Samstag, 01. Januar 2011, 18:01 (vor 5721 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Samstag, 01. Januar 2011, 20:28

Hallo Forum,

an Sylvester hatte Thorsten Göbel in die Auferstehungskirche eingeladen (auch per eMail). Deutlich mehr als 200 Orgelfreunde waren gekommen, um Gustav Holst’s Planeten op. 32 zu hören. Es gab die Orgelfassung des Organisten Peter Sykes (*1958) aus dem Jahre 1996. Neben Thorsten Göbel wirkte Bernhard van Almsick mit, der nicht nur beim Umblättern oder dem Ziehen der nicht in die Setzeranlage integrierten Nebenzüge (hier insbesondere das Europhon) half, sondern auch hin und wieder eine dritte Hand lieh, um beim Neptun dann ganz zum vierhändigen Spiel auf die Orgelbank zu rücken.

Hart und gebieterisch kam der Mars daher, weich und gewinnend die Venus. Merkur wurde
scherzohaft ausgespielt. Jupiter mit markantem Thema, dann ins kirmeske schwenkend - am Ende der choralartige Fan-Gesang siegreicher Rugbymannschaften (Göbel). Ernst, ja bedrückend wurde es mit ablaufender Uhr beim Saturn. Schneidend der Auftritt des Sensenmannes. Nichts für ängstliche Gemüter. Wieder etwas Aufhellung bei Uranus, dem Magier. Ganz geheimnisvoll am Ende der Mystiker Neptun; harmonisch kaum festlegbar, nicht zu fassen und doch faszinierend.

Das alles zauberten Göbel und van Almsick in 60 Minuten mit höchster Delikatesse. Da war alles durchdacht. Jedes Tempo war zwingend. Alle Dynamik richtig dosiert. Nichts überzogen, donnernd oder gar lärmend. Stringenz ja, Brüllen nein. Das Instrument war hier genau mit seinen Stärken gefordert. Und konnte die in der relativ trockenen Akustik voll ausspielen: Es gab trotz der Fülle keinen Klangbrei; alles blieb durchhörbar. Zu Recht begeisterter Beifall.

Göbel hatte sich offenbar mit vollem Einsatz vorbereitet. Und so wollte er seinem Publikum davon auch etwas mitgeben. Also schaltete er eine Werkerläuterung mit Beispielen vor das eigentliche Konzert. Die geriet mit 30 Minuten allerdings viel zu lang. Auch das Mikro machte nicht immer mit. Aber was soll’s! Danach war es schlicht herrlich. Danke!

Gruß Clemens Schäfer, alles Gute zum Neuen Jahr!

P.S. In gedruckter Form lag in der Auferstehungskirche bereits das Jahresmusikprogramm 2011 aus. Zum Oberkasseler Orgelfrühling kommen am

04.05. Johannes Geffert (Mendelssohn, Vivaldi, Willscher)
11.05. Roland Maria Stangier (Elgar, Vierne, Holst, Bridge, Duruflé, de Saint Martin)
18.05. Winfried Bönig (Bach, Höller, Alain, Liszt)
25.05. Jürgen Kursawa (Mendelssohn, Bach, Reger)
01.06. Norbert Düchtel (Eben)
08.06. Thorsten Göbel (Dupré, Peeters, Jongen)
jeweils 18:30h, Eintritt frei

Vermutlich in Kürze wird das Programm hier online sein. Ja - in Düsseldorf kann man wirklich eine aktive Orgelszene von hoher Qualität feststellen. Meine Empfehlung: Hingehen!

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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