Robert Mäuser in St. Antonius, D-Oberkassel; 10.01.2011

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 10. Januar 2011, 21:38 (vor 5761 Tagen)

Hallo Forum!

Totgesagte leben länger. Das gilt auch für Orgeln. Von der Seifert/Peter-Orgel in St. Antonius, D-Oberkassel hatte ich ja schon mehrfach über Renovierungs-, Erweiterungs- und Umbaupläne berichtet. Vorgesehen ist, die Orgel der profanisierten Christus-König-Kirche aus dem gleichen Sprengel als Chororgel in St. Antonius einzubauen, Dann soll die Hauptorgel revidiert werden. Ein zusätzliches Fernwerk ist für die riesige Vierungskuppel vorgesehen. Inzwischen wurde die Orgel von Christus-König abgebaut und zur Werkstatt Mühleisen verbracht. In St. Antonius ist noch nichts von den bevorstehenden Ereignissen zu sehen. Im Gegenteil: Kurz vor Weihnachten versagte der Orgelmotor der Seifert/Peter-Orgel und mußte durch einen neuen ersetzt werden. So wurde die Orgel wieder spielbar gemacht. Und bestritt unter Robert Mäuser (*1973 in Kempen) am 10.01.2011 das zweite “Winterliche Orgelkonzert.”.

Mäuser bot eine sehr beachtliche Interpretation von “Ad nos...” Zwar fehlt der Orgel einiges an Grundtönigkeit. Andererseits ist dies ein sehr gnädiger Raum. Und so kam bestens heraus, daß sich Mäuser offenbar intensiv mit der Struktur und Architektur dieses Stückes auseinandergesetzt hatte. Auch klanglich geriet das meiste sehr schön. Verdienter Zwischenapplaus.

Die “11” ist das Motto der diesjährigen Konzertreihe. Und da sind Liszt, Alain und Grunenwald mit ihren Geburtsjahren richtig. An zweiter Stelle deshalb zwei Stücke von Alain: Aria und Intermezzo. Beides gelang klanglich und musikalisch vorzüglich. Man versteht, warum diese Orgel nicht aufgegeben sondern behutsam angepaßt werden soll.

Die große und angenehme Überraschung war Jean-Jacques Grunenwald (1911-1982). Aus der
zweiten Suite für Orgel (1937) spielte Mäuser “Nativité”, “Le Jardin des oliviers” und “Allégresse”. Da fragt man sich unwillkürlich, warum die Musik kaum je auf den Konzertprogrammen auftaucht. Klanglich, harmonisch, dynamisch höchst interessant. Messiaen, Dupré und Alain sind in der Nähe. Aber Grunenwald hat Eigenes zu bieten. Das sollte nicht in Vergessenheit geraten. Solistische Oboen/Schalmeyen in Nativité, schwül gedämpfte Stimmung (nicht vorhandene Streicher im SW! *g*) im Garten, schneidende Trompeten im Allégresse. Anhaltender Beifall der kaum 40 Hörer.

Übrigens: Auch das CD-Angebot von Grunenwalds Musik ist nicht groß. Ich erkenne gerade mal eine Orgel-CD (Filsell 1999).

OT sei mir noch eine kurze Hommage gestattet: Gestern in der Tonhalle: Academy of St. Martin in the Fields, am Pult Sir Neville Marriner (*1924). Berlioz-Ouvertüre (Béatrice et Benedict), Mozart KV 503 (Helmchen) und Dvoraks Siebte. Es und Er waren großartig. Hellwach und körperlich voll fit. Chapeau! Vor Jahrzehnten wurde mir Marriner mit seiner Academy bekannt durch eine Einspielung der Dvorak Streicherserenade. Seither war er regelmäßig in Düsseldorf zu Gast.

Gruß Clemens Schäfer

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Grunenwald

Bariolage @, Dienstag, 11. Januar 2011, 07:06 (vor 5761 Tagen) @ Clemens Schäfer

Die große und angenehme Überraschung war Jean-Jacques Grunenwald (1911-1982). Aus der
zweiten Suite für Orgel (1937) spielte Mäuser “Nativité”, “Le Jardin des oliviers” und “Allégresse”. Da fragt man sich unwillkürlich, warum die Musik kaum je auf den Konzertprogrammen auftaucht. Klanglich, harmonisch, dynamisch höchst interessant. Messiaen, Dupré und Alain sind in der Nähe. Aber Grunenwald hat Eigenes zu bieten. Das sollte nicht in Vergessenheit geraten. Solistische Oboen/Schalmeyen in Nativité, schwül gedämpfte Stimmung (nicht vorhandene Streicher im SW! *g*) im Garten, schneidende Trompeten im Allégresse. Anhaltender Beifall der kaum 40 Hörer.

Übrigens: Auch das CD-Angebot von Grunenwalds Musik ist nicht groß. Ich erkenne gerade mal eine Orgel-CD (Filsell 1999).

Sehr geehrter Herr Schäfer,

der Hinweis macht Lust auf mehr! Kennt jemand noch weitere lohnenswerte Musik von ihm?
Sind Improvisationsmitschnitte auf CD erhältlich?

FG
Bariolage.

Grunenwald

Karsten, Dienstag, 11. Januar 2011, 08:10 (vor 5761 Tagen) @ Bariolage


der Hinweis macht Lust auf mehr! Kennt jemand noch weitere lohnenswerte Musik von ihm?
Sind Improvisationsmitschnitte auf CD erhältlich?

Hallo!

Abgesehen von einzelnen Werken, die hin und wieder auf gemischten Orgelprogrammen zu finden sind, gibt es (u.a.?) folgende reinen Grunenwald-CDs:


[image]

Jean-Jacques Grunenwald
Hommage a Jean-Jacques Grunenwald

Clerambault: Orgelsuite im 1.Ton (Ausz.)
Widor: Allegro aus der Orgelsymphonie Nr. 6
Dupre: Vitrail op. 65
Grunenwald: Allegresse aus "2 Suiten für Orgel"
Improvisationen:
- 5 sinfonische Skizzen über gregorianische Themen
- Improvisierte französische Suite über Salve Regina;
Grunenwald: Vorspiel zu "Veni Creator Spiritus" (R. Vernet)
J.-J- Grunenwald, R. Vernet/ Orgel an St. Sulpice, Paris
Motette , ADD


[image]

Jean-Jacques Grunenwald (1911-1982)
Orgelwerke
- Hymne aux memoires heroiques
- Hymne al la splendeur des Clartes
- Introduction et Aria
- Messe du Saint-Sacrement
- Adoratio: Oppositions
- Le divin espoirs aus der Orgelsuite Nr. 1
- Toccata aus der Orgelsuite Nr. 2
- Hommage a Josquin des Pres
- Diptyque liturgique
Jeremy Filsell / Orgel Notre-Dame de France, London
Herald , DDD, 1999


Insbesondere die Homage ist ein wichtiges Tondokument, sowohl was Interpretation als auch Improvisation angeht. Die Filsell CD kenne ich leider nicht...

Gruß
Karsten

Grunenwald

Rainer - Friedrich @, Salzwedel, Dienstag, 11. Januar 2011, 10:48 (vor 5760 Tagen) @ Karsten

Hallo Karsten,
es gibt noch eine CD ausschließlich mit Werken von Grunenwald:
Hommage à J.-J. Grunenwald
Elmar Jahn an de C.-C.-Orgel Saint-Ouen Rouen (1995)
Auf dieser CD sind auch die von Herrn Schäfer erwähnten Werke eingespielt.
Übrigens,- ein wenig besserwisserisch meinerseits-, sind die Stücke aus der ersten Suite und nicht aus der zweiten.
Gruß Rainer.

Grunenwald

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 11. Januar 2011, 19:44 (vor 5760 Tagen) @ Rainer - Friedrich

Hallo,

Übrigens,- ein wenig besserwisserisch meinerseits-, sind die Stücke aus der ersten Suite und nicht aus der zweiten.

Oh, ich habe da einen Punkt gelesen, wo keiner steht: Im Programm heißt es: "... aus 2 Suites pour orgue 1937". Und ein "s" überlesen. Sorry!

Gruß Clemens Schäfer

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Grunenwald

3rd_astronaut, Samstag, 08. Oktober 2011, 03:12 (vor 5491 Tagen) @ Karsten


der Hinweis macht Lust auf mehr! Kennt jemand noch weitere lohnenswerte Musik von ihm?
Sind Improvisationsmitschnitte auf CD erhältlich?

- Hymne aux memoires heroiques

Ich dachte mir, dass das zitierte Stück (Grunenwalds Erinnerungen gelten J. Alain) ganz passend dieses Jahr ist und wollte es lernen (Noten gibt es von Ed. Salabert) -- knappe 3 Monate hab ich ja noch.

Hat das Stück schon mal jemand gespielt und kann mir sagen, wie schwer es ungefähr ist (am besten halt mit Vergleichsstücken)? Ich möchte es eigentlich nicht bestellen und dann ungespielt herumliegen haben, weil es nicht machbar ist...

*push*

3rd_astronaut, Montag, 10. Oktober 2011, 21:55 (vor 5488 Tagen) @ 3rd_astronaut

Über Hinweise auf andere mittelschwere Orgelwerke Grunenwalds bin ich natürlich auch dankbar, wenn denn keiner diese Hymne kennt...

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