Rest Franck Orgelwerke mit Vincent Dubois

orgelwilli, Freitag, 28. Januar 2011, 23:24 (vor 5742 Tagen)
bearbeitet von orgelwilli, Freitag, 28. Januar 2011, 23:29

Rest Franck Orgelwerke mit Vincent Dubois

D. Hausmann @, Samstag, 29. Januar 2011, 09:56 (vor 5742 Tagen) @ orgelwilli

Hallo Hans Peter,

Danke für die Links. Nicht uninteressant; das Einzige was mich stört sind die ungestimmten Zungen.....

Gruß
Dieter

Rest Franck Orgelwerke mit Vincent Dubois

orgelwilli, Samstag, 29. Januar 2011, 10:38 (vor 5742 Tagen) @ D. Hausmann

Hallo Dieter!
Dann darfst Du nicht nach Frankreich fahren, um dort Orgeln anzuhören.
Die sind fast nie wirklich gut gestimmt. Bis auf wenige Ausnahmen stimmen die frz. Organisten nie die Zungen ihrer Orgeln..........

Rest Franck Orgelwerke mit Vincent Dubois

D. Hausmann @, Samstag, 29. Januar 2011, 14:06 (vor 5741 Tagen) @ orgelwilli

Bis auf wenige Ausnahmen stimmen die frz. Organisten nie die Zungen ihrer Orgeln..........

Oh - das wußte ich nicht.....

Wenn ich mir das dann so recht überlege - vielleicht sollte ich mich nach Frankreich verlagern und dort dann meine Dienste anbieten. Wäre doch mal eine neue Idee für eine Existenzgrundlage ;-))
Und da ja die Zungen in den Orgeln dort ein wichtiges klangliches Zentrum darstellen - vielleicht klappts ja.....
Muß gleich bei Laukhuff einen Satz Eisen bestellen - und Gehörschutz ;-))

Rest Franck Orgelwerke mit Vincent Dubois

FranzS. @, Samstag, 29. Januar 2011, 15:07 (vor 5741 Tagen) @ orgelwilli

Hallo,

ich bin nicht besonders Gallophil, (Louis de Funès ausgenommen) und deshalb nicht ganz im Bilde. Gibt es in Frankreich eigentlich (alte) Orgeln, welche wirklich restauriert worden sind und quasi wie neu dastehen? Man liest immer von verkommenen Meisterwerken und auch sehr bedeutende Instrumente sind nur bedingt spielbar. Ist das vielleicht der Grund warum unsere neuen französisch-symphonischen Orgeln irgendwie oft nicht so wirklich überzeugen? Steht da die "deutsche Gründlichkeit" dem französischem Klangbild im Weg, oder anders ausgedrückt; zu welchem Teil ist Schmutz und Staub für den zur Zeit so gelobten Klang verantwortlich? Leider wird bei uns eine Orgel oft gar nicht so alt um richtig zu verstauben, besonders dann wenn sie an einem prominenten Ort steht (nur in Wien ist die Welt diesbezüglich noch in Ordnung ;-) )

Grüße Franz

Rest Franck Orgelwerke mit Vincent Dubois

Fabian Brackhane ⌂ @, Worms, Sonntag, 30. Januar 2011, 10:18 (vor 5741 Tagen) @ FranzS.

Gibt es in Frankreich eigentlich (alte) Orgeln, welche wirklich restauriert worden sind und quasi wie neu dastehen?

Nun ja, wenn man von solchen Ausnahmen wie vielleicht NDP oder vielleicht auch noch mit Einschränkungen St-Sulpice absieht, dürften top-gepflegte Orgeln (gleich welchen Alters) in Frankreich wirklich höchst selten sein. Die Kirchen(gemeinden) sind schlicht bettelarm und in vielen Fällen gehört ihnen das Instrument ja nicht einmal, sondern dem Staat. Und der hat weiß Gott andere Sorgen, als sich um gestimmte Zungen zu kümmern. :-)

Extrembeispiel: Laon, Kathedrale. Die Orgel wurde 1899 von Didier gebaut und seit dem einmal (ich meine in den 1970ern) generalüberholt. Natürlich, da klappert und quietscht so manches und der Barker ist sagenhaft verreguliert. Aber trotz zentimeterdicker Staubschicht im Inneren klingt die Orgel berückend. Das nenne ich mal Qualität!

Man liest immer von verkommenen Meisterwerken und auch sehr bedeutende Instrumente sind nur bedingt spielbar. Ist das vielleicht der Grund warum unsere neuen französisch-symphonischen Orgeln irgendwie oft nicht so wirklich überzeugen? Steht da die "deutsche Gründlichkeit" dem französischem Klangbild im Weg, oder anders ausgedrückt; zu welchem Teil ist Schmutz und Staub für den zur Zeit so gelobten Klang verantwortlich? Leider wird bei uns eine Orgel oft gar nicht so alt um richtig zu verstauben, besonders dann wenn sie an einem prominenten Ort steht (nur in Wien ist die Welt diesbezüglich noch in Ordnung ;-) )

Das natürliche Altern des Metalls verändert den Klang, gar kein Zweifel. Staub und Dreck veredeln ihn vielleicht nicht undebingt, aber ich denke, dass trotzdem was dran ist an dem Vorwurf der "deutschen Gründlichkeit". Unsere neo-romantischen Orgeln sind technisch und intonatorisch zu perfekt, gewisse Unregelmäßigkeiten und Unzulänglichkeiten bereichern den Klang. Natürlich nur bis zu einem bestimmten Grad.

Rest Franck Orgelwerke mit Vincent Dubois

orgelwilli, Sonntag, 30. Januar 2011, 11:42 (vor 5741 Tagen) @ Fabian Brackhane

Genau meine Meinung: Heute werden neue Orgel oft "zu perfekt" intoniert. Gerade die kleinen Unebenheiten in der Intonation verleihen dem Klang "Leben"!

Imperfektionismus, war: Rest Franck Orgelwerke

Fabian Brackhane ⌂ @, Worms, Sonntag, 30. Januar 2011, 12:08 (vor 5741 Tagen) @ orgelwilli

Genau meine Meinung: Heute werden neue Orgel oft "zu perfekt" intoniert. Gerade die kleinen Unebenheiten in der Intonation verleihen dem Klang "Leben"!

Eben! Und wo wir schon dabei sind: Welche Orgel klingt denn interessanter? Eine mit einer sehr moderaten ungleichstufigen Temperierung oder die mit einer gnadenlos bis ins letzte gleichstufigen, gleichschwebenden Temperatur?

Ich meine mich dunkel zu erinnern, dass es in der Kunst und in der Ästhetik allgemein dieses Phänomen auch gibt: Etwas, das wir als vollendet schön empfinden, birgt immer kleine und kleinste Unregelmäßiglkeiten und "Fehler" in sich.

Rest Franck Orgelwerke mit Vincent Dubois

FranzS. @, Sonntag, 30. Januar 2011, 14:41 (vor 5740 Tagen) @ Fabian Brackhane
bearbeitet von FranzS., Sonntag, 12. August 2012, 20:28


Extrembeispiel: Laon, Kathedrale. Die Orgel wurde 1899 von Didier gebaut und seit dem einmal (ich meine in den 1970ern) generalüberholt. Natürlich, da klappert und quietscht so manches und der Barker ist sagenhaft verreguliert. Aber trotz zentimeterdicker Staubschicht im Inneren klingt die Orgel berückend. Das nenne ich mal Qualität!

Ja von der habe ich eine Aufnahme. Im Beiheft steht, das die deutsche Besatzung die Prospektpfeifen ausgebaut hat und in den 20ern wurde von Didiers Sohn ein bisschen rumgebastelt. Die letzte größere Überholung war dann von 1988- 1992 und wurde von der Firma Gonzalez ausgeführt. Auf der Aufnahme merkt man, dass das Gerät sehr verschlissen ist. Andererseits kommt schon noch was von ursprünglichen Klangpracht rüber (das anhand einer Aufnahme festzumachen ist natürlich etwas schwierig). Ich bilde mir jedenfalls ein, dass die Orgel sehr gut zeichnet. Einen sterilen Klangbrei, wie man ihn bei unseren neo-symphonischen Orgeln hört, meine ich hier nicht zu vernehmen.


Das natürliche Altern des Metalls verändert den Klang, gar kein Zweifel. Staub und Dreck veredeln ihn vielleicht nicht undebingt, aber ich denke, dass trotzdem was dran ist an dem Vorwurf der "deutschen Gründlichkeit". Unsere neo-romantischen Orgeln sind technisch und intonatorisch zu perfekt, gewisse Unregelmäßigkeiten und Unzulänglichkeiten bereichern den Klang. Natürlich nur bis zu einem bestimmten Grad.

was mir persönlich immer wieder bei Neubauten auffällt ist die Gleichheit innerhalb des Registers selbst. Ein heutiger Principal hat immer sehr viel Strich, wird in der tieferen Lage immer fetter und in der Höhe fehlt es an Glanz aufgrund der fehlenden Diskretion. Wie soll da eine Orgel lebendig kligen? In Laon schein das anders zu sein, da scheint die Orgel sehr viel Kraft aus den Principalen zu schöpfen, denn die werden in der höheren Lage sehr glänzend und geben schon ein Plenum ganz ohne Mixturen und Zungen, trotz Staub. Wie gesagt ich hab nur eine Aufnahme und meine Behauptung ist schon ein bisschen Spekulation.

Grüße Franz

Rest Franck Orgelwerke mit Vincent Dubois

orgelwilli, Sonntag, 30. Januar 2011, 15:31 (vor 5740 Tagen) @ FranzS.

Die Orgel in der Kathedrale in Laon habe ich vor 5 Jahren zuletzt gehört. Sie hat sehr schöne Grundstimmen und auch schön klingende (Solo-)Zungenregister. Den von den Cavaillé-Coll-Orgeln gewohnten raumfüllenden Klang hat sie allerdings nicht. Da fehlt noch ein ganzes Stück an Klangkraft.

Laon, war: Rest Franck

Fabian Brackhane ⌂ @, Worms, Montag, 31. Januar 2011, 07:16 (vor 5740 Tagen) @ orgelwilli

Die Orgel in der Kathedrale in Laon habe ich vor 5 Jahren zuletzt gehört. Sie hat sehr schöne Grundstimmen und auch schön klingende (Solo-)Zungenregister. Den von den Cavaillé-Coll-Orgeln gewohnten raumfüllenden Klang hat sie allerdings nicht. Da fehlt noch ein ganzes Stück an Klangkraft.

Da fallen mir zwei mögliche Gründe ein:

Erstens war die Orgel auch vor fünf Jahren schon sagenhaft verdreckt (der de facto nicht existente Schutz bei der Sanierung der Westrosette vor zwei Jahren hat es nicht besser gemacht, der ganze Schmutz in den Kernspalten und sonst wo dämpft natürlich massiv.

Zweitens ist diese Orgel zwar explizit als "à la Cavaillé-Coll" gewünscht und gebaut worden (man konnte sich CC nicht leisten und nahm daher Didier), aber sie ist eben nicht von Cavaillé-Coll. Didier war halt doch nur ein Orgelbauer der zweiten Garnitur.

Laon, war: Rest Franck

Fabian Brackhane ⌂ @, Worms, Montag, 31. Januar 2011, 07:24 (vor 5740 Tagen) @ FranzS.

Ja von der habe ich eine Aufnahme. Im Beiheft steht, das die deutsche Besatzung die Prospektpfeifen ausgebaut hat und in den 20ern wurde von Didiers Sohn ein bischen rumgebastelt. Die letzte größere Überholung war dann von 1988- 1992 und wurde von der Firma Gonzalez ausgeführt.

Stimmt, genau. Das ist ja grade erst vorbei quasi. Ich war in den vergangenen Jahren mehrfach in der Orgel drin (bei Aufnahmen etc.), sie ist wirklich sehr dreckig. Deshalb hatte ich jetzt intuitiv die Reiningung erheblich vordatiert.

Auf der Aufnahme merkt man, dass das Gerät sehr verschlissen ist.

Womit sich die Frage stellt, welche Arbeiten Gonzalez innerhalb dieser vier Jahre eigentlich ausgeführt hat. Ich weiß von dem Orgelbauer, der die Orgel mal für eine Aufnahme "fit" gemacht hat, dass die Mechanopneumatik beispielsweise noch komplett original ist, wenn ich mich recht erinnere großteils inklusive der Belederung.

Andererseits kommt schon noch was von ursprünglichen Klangpracht rüber (das anhand einer Aufnahme festzumachen ist natürlich etwas schwierig). Ich bilde mir jedenfalls ein, dass die Orgel sehr gut zeichnet. Einen sterilen Klangbrei, wie man ihn bei unseren neo-symphonischen Orgeln hört, meine ich hier nicht zu vernehmen.

Stimmt exakt. Vor Ort merkt man allerdings, dass der ganze Staub etc. die Orgel ziemlich dämpft, sie klingt verhältnismäßig leise.

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