Neustart in St. Peter

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 31. Januar 2011, 21:42 (vor 5739 Tagen)

Hallo Forum,

Wieder eröffnet wird die Kirche St. Peter in D-Unterbilk/Friedrichstadt (Kirchplatz) am 20. Februar 2011 um 10 Uhr mit einem Pontifikalamt (Kardinal Meissner). Es erklingt die Mariazellermesse von Haydn (zu Schülertagen habe ich mal die Sopranstimme mitgesungen...).

Um 20 Uhr findet unter dem Titel “Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen” eine
mystagogische Kirchenführung bei Kerzenschein statt mit gregorianischen Gesängen und Orgelspiel (Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich; Kristina Hein, Pastoralreferentin)

Am 21. Februar 2011, 19:30 Uhr, Orgelkonzert. Werke von Bach, Widor, Liszt, Mulet, Messiaen u.a.; Marcel Andreas Ober, Orgel (Eintritt frei, Spende erbeten)

23. Februar 10:00 Uhr Kindergottesdienst

24. Februar 14:00 Uhr Kinderorgelführung (ab vier Jahre)

26. Februar 19:30 Uhr Chorkonzert “Tu es Petrus” bei Kerzenschein mit dem Vokalensemble Ars Cantandi: Motetten von Orlando bis Pärt (Eintritt frei, Spenden erbeten).

21. März 19:30 Uhr, Orgelkonzert. Werke von Dupré, Alain, Liszt und anderen; Prof. Stefan Schmidt (Eintritt frei, Spenden erbeten)

18. April 19:30 Uhr, Orgel und Tanz, “Le chemin de la croix” von Dupré. Marcel Andreas Ober, Orgel, Wolfram Goertz, Text (Claudel), Dr. Felix Grützner, Tanz (Eintritt frei, Spenden erbeten)

Es ist geplant, die vor dem Kirchenbrand bestehende Konzertreihe (immer am 3. Montag des Monats, 19:30 Uhr) weiter zu führen. Angefragt sind u.a. Winfried Bönig und Thierry Escaich.

Die Orgel wurde in den Zungen etwas gebremst, Winddrücke blieben aber unverändert. Der Kirchenboden wurde erneuert. Unter den Bänken liegt jetzt Parkett (vorher Holzbohlen); die nachkonziliare Altarinsel in der Vierung hat jetzt einen Steinboden (vorher -häßlicher - Nadelfilz). Das alles wird sich so oder so auswirken. Man darf gespannt sein.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Wenn man liest, wie die Verhältnisse in Frankreich sind, dann leben wir in einem Orgelparadies.

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Orgelparadies, war: Neustart in St. Peter

Fabian Brackhane ⌂ @, Worms, Dienstag, 01. Februar 2011, 10:03 (vor 5738 Tagen) @ Clemens Schäfer

P.S. Wenn man liest, wie die Verhältnisse in Frankreich sind, dann leben wir in einem Orgelparadies.

Wohl wahr! Und die Verhältnisse sind ja nicht nur in Frankreich so mies, in Italien (und wenn mich nicht alles täuscht auch Spanien und Portugal) ist die Orgelsituation (wenn auch aus unterschiedlichen Gründen) ähnlich schlimm. Von Osteuropa mal ganz zu schweigen. Aber das geht ja schon in unserem "Osten" los: wieviel Instrumente warten da in einem ruinösen Zustand auf Wiederbelebung?

Trotzdem, vielen scheint hierzulande nicht klar zu sein, dass wir orgelmäßig im absoluten Luxus schwelgen. Obwohl sich nur eine verschwindend geringe Splittergruppe für die darauf zu musizierende Musik begeistert.

Wie sieht's eigentlich in England aus? Nachdem in letzter Zeit doch einiges an gebrauchten englischen Orgeln auf dem Markt war, dürfte es da auch nicht so berauschend sien oder?

Orgelparadies, war: Neustart in St. Peter

Friedrich @, Dienstag, 01. Februar 2011, 11:04 (vor 5738 Tagen) @ Fabian Brackhane

Wie sieht's eigentlich in England aus? Nachdem in letzter Zeit doch einiges an gebrauchten englischen Orgeln auf dem Markt war, dürfte es da auch nicht so berauschend sein oder?

Wenn man die Diskussionen z. B. auf dem Mander-Forum verfolgt (sehr lesenswert), kommt man zu dem Schluss, dass die meisten hauptamtlichen Organisten sich ihrer Verantwortung sehr bewusst sind und die Instrumente gut, zum Teil mit großer Hingabe pflegen. Ein Problem sind, wie überall, offenbar die Instrumente, die von Nebenamtlern gespielt, aber von den Gemeinden kaum gepflegt werden; da verfallen auch schon mal welche.

Dass Gebrauchtorgeln aus England dutzendweise auf den Markt kommen, hat wohl damit zu tun, dass erstens die britischen Kirchen einen drastischen Sparkurs fahren und viele Kirchen schließen, auch mangels Besuchern. Zweitens sind die Orgeln oft in gutem Zustand, weil die englische Orgelbauindustrie der Zeit vor und um 1900, aus der sehr viele dieser Orgeln stammen, oft sehr solide gearbeitet hat (von den Orgeln z. B. des Orgelbauers Binns sprach man als "Battleship Binns") -- um so besser, wenn man solche Werte zu Geld machen will und Kaufwillige davon profitieren. Zumal es ein Vielfaches kosten dürfte, Orgeln solcher Beschaffenheit neu zu bauen.

Ich bezweifle, dass englische Orgelleute bei den Zuständen in ihrem Land von einem "Orgel-Pradies" sprechen würden, denn sie kämpfen mit denselben Widrigkeiten wie das Orgelvolk überall: Ignoranz, Kirchenflucht, Sparwut, Zahn der Zeit. Aber im Vergleich mit den romanischen Ländern hat man's dort vergleichsweise gut.

Gruß,
Friedrich

Orgelparadies, war: Neustart in St. Peter

Oliver Horlitz ⌂, Dienstag, 01. Februar 2011, 13:12 (vor 5738 Tagen) @ Fabian Brackhane

Wohl wahr! Und die Verhältnisse sind ja nicht nur in Frankreich so mies, in Italien (und wenn mich nicht alles täuscht auch Spanien und Portugal) ist die Orgelsituation (wenn auch aus unterschiedlichen Gründen) ähnlich schlimm. Von Osteuropa mal ganz zu schweigen. Aber das geht ja schon in unserem "Osten" los: wieviel Instrumente warten da in einem ruinösen Zustand auf Wiederbelebung?

Nun, zumindest hier in Brandenburg kann man wohl sagen, daß der alte Denkmalpfleger-Spruch: "Armut ist die beste Denkmalpflege" eine gewisse Berechtigung hat:

Meist hat man in den letzten 6-7 Jahrzehnten nur mit sparsamsten Mitteln das Vorhandene erhalten. - Einige historische Instrumente sind auch durch Geldmangel verloren gegangen, aber sicherlich weniger, als in meinen westlichen Heimatgefilden für Neubauten weichen mussten.

Und auch da, wo im Westen mit viel Enthusiasmus, aber anfänglich mit eher dogmatischer als wissenschaftlicher Grundlage, bei zu unrecht so bezeichneten "Restaurierungen" viel Originalsubstanz unnötig verloren ging, kann man nun für die Orgeln hier "in unserem Osten", den Wissensvorsprung der seither vergangenen Zeit substanzschonend einbringen.

Insofern bestätigt zwar die Anamnese, die hier in Brandenburg durch das zu einem Drittel (5 von geplant 15 Bänden) schon vorliegende "Orgelhandbuch Brandenburg" vorliegt, die Diagnose, daß da "viele Instrumente in ruinösem Zustand auf Wiederbelebung warten", die Prognose ist aber eine positive: Viele Kräfte, sei es in Gemeinden, Fördervereinen, Stuftungen, Landeskirchen, Diözesen Denkmalbehörden und nicht zuletzt Orgelbaubetrieben, können bei den oben erwähnten Voraussetzungen echte Schätze heben und beleben.

meint, herzlich grüßend
Oliver Horlitz

Orgelparadies, war: Neustart in St. Peter

Karl-Bernhardin Kropf, Dienstag, 01. Februar 2011, 21:01 (vor 5738 Tagen) @ Fabian Brackhane

P.S. Wenn man liest, wie die Verhältnisse in Frankreich sind, dann leben wir in einem Orgelparadies.


Aber das geht ja schon in unserem "Osten" los: wieviel Instrumente warten da in einem ruinösen Zustand auf Wiederbelebung?

Nicht mehr so viele. In M-V, sonst immer Armenhaus der Nation, ist schon viel gerettet worden. Und da, wo ruinöse Orgeln stehen, wartet man auf den Dornröschenkuss, wissend, dass die Instrumente es fast immer wert sind.

Ein Zitat von www.orgelmuseum-malchow.de:

Im Jahr 2010 sind in Mecklenburg 630 Orgeln bekannt,
davon wurden gebaut
vor 1700 3 Orgeln
1700 bis 1799 21 Orgeln
1800 bis 1839 19 Orgeln
1840 bis 1918 352 Orgeln
1919 bis 1945 17 Orgeln
nach 1945 218 Orgeln

Die Vor-1700er sind alle fit gemacht, auch die Mehrzahl der 1700er, bei den Früh-1800ern sieht es noch nicht so gut aus, bei der Masse im späten 19. Jh. sind viele geschafft worden (was dann auch heißt, dass viele noch warten...), vom Schweriner Dom bis zur dörflichen Friese-Kleinorgel oder rein pneumatischen Instrumenten von Runge oder Grüneberg. Zu tun ist noch bei den Zwischenkriegsgeräten, und die nach-45er sind natürlich unterschiedlicher Qualität, von "ausgezeichnet" bis "bemüht".
Aber eine Orgel aus der Kirche tragen, und keiner merkt's - das geht hier nicht mehr. Spieler werden gesucht, das stimmt allerdings. Und planmäßige Translokationen - nicht über Schwarzmarkt, sondern OSV innerhalb der Landeskirche - kann es auch geben. Die Landeskirche unterhält einen eigenen Orgelfons mit deutlich fünfstelliger Ausstattung.
Und oft gehen die Initiativen für Dorfkirchen- und Dorforgelrestaurierungen von Atheisten aus, einfach, weil die Kirche zum Dorf gehört.

Insgesamt muss man also Clemens Schäfer recht geben - so oder so paradiesisch.

PS: Unter http://www.orgelmuseum-malchow.de/inventar.htm kann man die Restaurierungsquote ablesen.

Orgelparadies, war: Neustart in St. Peter

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 01. Februar 2011, 22:04 (vor 5738 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Hallo Forum,

die Bemühungen in Mecklenburg-Vorpommern sind sehr schön dokumentiert u.a. in der 3 CD-Box "Historische Orgeln in MV für die Zukunft gerettet", herausgegeben von der ZEIT-Stiftung.

Und die Situation in der Lausitz zeigt die inzwischen auf 10 CD angewachsene Reihe "Orgellandschaft Niederlausitz" - drei weitere CD's sind noch in Vorbereitung.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Komme gerade aus einem Klavierabend Jewgeni Kissin. Liszt, u.a. h-moll Sonate und aus Anneés de Pelerinage. Sehr beeindruckend. Wunderbarer Anschlag. Viel Zeitgefühl. Ovationen schon zur Pause. Fast ausverkaufte Tonhalle.

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