Valley I

fluteceleste @, München, Montag, 30. Januar 2012, 06:59 (vor 5383 Tagen)
bearbeitet von fluteceleste, Montag, 30. Januar 2012, 07:08

hier ein paar Eindrücke aus dem „Orgelzentrum Schloß Valley“.
Es befindet sich ca. 1 Stunde von München entfernt im Lkr. Miesbach.
[image]
Es handelt sich beim Museum um ein Schloßgebäude mit wechselvoller Geschichte, das von Dr. Sixtus Lampl seit jahren wiederhergestellt und erweitert wird. Zur Geschichte des Gebäudes siehe hier.
Von außen ein Blick auf die schöne (im Bild bereits wiederhergestellte) Fassade:
[image]
Der erste Eindruck ist, hier wird auf alles geachtet-nicht nur auf Orgeln. Der Tag des Sixtus Lampl muß 48 Stunden haben- auch ein schön gepflegter Garten erwartet uns.
Beim Eintritt ins Schloß durften wir auch einen Blick in dieses für die Besucher sonst nicht zugängliche Musikzimmer werfen, wo uns gleich die Standesheilige begrüßt
[image]
Im 1.Stock befindet sich der Besucherraum, wo man schon allerhand interessante Exponate findet.
Herzliche Begrüßung durch den Gastgeber. Ich war im lezten Sommer mit einer Gruppe italienischer Orgelfreunde unterwegs, die auch ihren Augen kaum trauten..
[image]
Interessante Exponate sind hier ein Orgelpositiv aus der Zeit der Freiburger Musiktagung („Nonnenpositiv“)
[image]
[image]
eine mechanische einmanualige Kegelladenorgel von Steinmeyer um 1900 (s. Mitte, ich hab grad vergessen wo die stand, vielleicht kennt jemand opus 55..)
[image]
[image]
Hier führt Sixtus Lampl die einzelnen Klangfarben der Romantik vor.tolle Flöten und Streicher. und Gedeckt ist eben nie gleich Gedeckt...übrigens, wer aufs Detail achtet, die Türe rechts ist eines der vielen weiteren liebevollen Details im Schloß.
[image]
und die ehemalige Orgel der Basilika Gößweinstein (Albert Moser 1938, ca. II/39), die sich im seitlichen Anbau im Erker befindet (gleich neben dem wohl nicht originalen elektrischen Spieltisch vorn links bei der hölzernen Absperrung).
Man kann direkt in das Instrument hineinschauen :
[image]
[image]
[image]
Da die Orgel sich in der Höhe über zwei Stockwerke des Schlosses erstreckt, sieht man unten bereits die beginnende Vorratshaltung der Frau Lampl. Wenn da mal nicht ein Orgelstimmer drangeht...(obwohl, der Schloßherr stimmt ja eigentlich selbst..)
[image]

Man kann schon verstehen, warum diese Orgel in Gößweinstein weichen mußte, nicht nur aufgrund der 7-8fachen Mixtur, Scharfcymbel etc...eben ein Kind ihrer Zeit. Allerdings enthält sie eine sehr füllige traumhafte Holzflöte, die einiges vom scharfen Klang wieder "wettmacht".
Spieltisch:
[image]
[image]
Daneben gibte es noch ein Regal, und ein Tischpositiv, mit letzterem und dem Positiv hinten im Raum spielt Sixtus Lampl mit seiner Frau Duette. Herrlich!
[image]
Dann gab es noch ein Harmonium mit Glockenspiel, das auch kurz vorgeführt wurde.
Mein LIeblingsspieltisch war der aus der ehem. Chororgel in Einsiedeln (ebenfalls Moser):
[image]
[image]
[image]
Von dem dazugehörigen Hauptspieltisch existiert nur noch das Gehäuse, man mag sich kaum vorstellen, wie toll der ausgesehen haben muß.
to be continued..

Valley I

orgelquaeler, Südwestdeutschland, Montag, 30. Januar 2012, 07:56 (vor 5383 Tagen) @ fluteceleste

Moggen!

War da nicht gestern auch ein Beitrag im dlf?

Grüße

OQ

Valley I

elsenp, Montag, 30. Januar 2012, 18:27 (vor 5382 Tagen) @ orgelquaeler

Moggen!

War da nicht gestern auch ein Beitrag im dlf?

Grüße

OQ

Hallo,

Link hatte ich gestern schon gepostet.

Gruß
Peter

Valley I

orgelquaeler, Südwestdeutschland, Dienstag, 31. Januar 2012, 11:08 (vor 5381 Tagen) @ elsenp

Hallo!

Ja, aber weiter unten ;-)
Danke, sehr interessant. Da will ich auch mal hin. Orgelschloss und noch Michael Ende, was kann ich meinen Kindern mehr bieten ;-)

Grüße

OQ

Valley I

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Montag, 30. Januar 2012, 09:05 (vor 5383 Tagen) @ fluteceleste

Danke für die schönen Fotos! Ich freue mich auf die Fortsetzung!

--
Gruß vom Niederrhein

Valley II

fluteceleste @, München, Dienstag, 31. Januar 2012, 07:11 (vor 5382 Tagen) @ fluteceleste
bearbeitet von fluteceleste, Dienstag, 31. Januar 2012, 07:32

Weiter geht es in die Zollingerhalle, die ehemals zu einem Sägewerk gehörte (wird auch hier erläutert) und schließlich nach Valley gebracht wurde- somit gibt es auch etwas architektonisch interessantes zu sehen.

[image]
Dort befinden sich 6 Instrumente:
Zunächst die Orgel des Hamburger Schröderstifts (Ernst Röver/Hausneindorf (Ist das dann Kastenlade??:-)), sehr orgelbewegt, erinner mich leider nicht, ob später umgebaut).
[image]
Blick von der Empore:
[image]
Hier konnte sogar das Gemälde von Cesare Mussini (1804-1879) restauriert werden, das jetzt wieder neu erstrahlt (näheres dazu hier ; etwas nach unten scrollen zu "ein weitgereistes Gemälde.."), und jetzt die Frontseite des Saals ziert. Das darf schon als besondere Rarität gelten.
Spieltischdetail für Dispositionshungrige:
[image]
[image]
[image]
Hier schmiegen sich vor allem Prinzipal, Gedeckt und Flöte in 8' und 4'-Lage dem Ohr an, die mit der Pneumatik ein "stimmiges Gefüge" geben.
Dann die „erste Münchner Rokokoorgel“, mit einem durch eine lokale Schreinerei neu angefertigten Prospekt (das alte Gehäuse verblieb in der Kirche). Vom Klang her für mich das Highlight in der Halle. Kernig und herb.
[image]
[image]
Man möchte noch daran verweilen-doch es geht weiter.

Das Positiv von Karl Richter (mit ineinander stapelbaren Subbaßpfeifen)
[image]
[image]
[image]

Das Eule-Positiv ("ideale Kleinorgel") aus den 1940er Jahren, das aus einer privaten Musiksammlung stammt, Gehäuse ebenfalls restauriert
[image]
[image]
[image]
-ein platzsparender Sordun darf nicht fehlen:
[image]
Die Multiplex-Orgel (aus Wilhelmshaven). In einem Artikel wurde ja erwähnt dass sogar "ein rennomierter Organist aus Dresden" daran Gefallen fand..Allerdings war hier für eine Klangprobe keine Zeit, optisch jedenfalls nicht ganz so spektakulär, Gesamtansicht klaue ich jetzt mal von der Webseite..)
[image]
[image]
[image]

Die große Steinmeyer-Orgel aus der Jesuitenkirche Heidelberg (III/55).
[image]
[image]
Vergleicht man mit dem originalen Prospekt:
[image]
so fällt auf dass hier gekürzt wurde- diese sind jetzt gedeckte Pfeifen.
Ein in typischer Steinmeyer-Manier wirklich -wie ich finde- sehr ansprechender Spieltisch (bei einem Auto würde man sagen: Alle Bedienelemente und Instrumente übersichtlich und ergonomisch brauchbar angeordnet).
[image]
[image]
(könnte zum Pedal gehören)
[image]
[image]
(gesehen in Richtung Rückwand, mit Pedalposaune und Trompete(?). Es gibt auch ein Pedal-Cornett 2' (vgl. den 16'-4'-Thread!), das aber immerhin als Teil des kompletten Chors 16-8-4-2 fungiert.
Spieltisch direkt zwischen HW- und Pedalladen:
[image]
Wie bereits an anderer Stelle vermerkt, befindet sich der Spieltisch direkt in der Orgel, sodaß für den Orgelspielenden die Klangkontrolle nicht möglich ist.
Es gibt übrigens in der Orgel keinen Magzinbalg, was man bei länger angehaltenem Pleno-bzw. Tuttiakkord auch bemerkt…
Schließlich möchte ich auch auf die Dokumentation hinweisen, die die Geschichte zumindest der Orgeln in der Zollinger-Halle ausführlicher beschreibt, und auch postalisch angefordert werden kann. Die darin enthaltene CD hat Hedwig Bilgram eingespielt. Trotz einiger starker Verstimmungen va. bei der großen Orgel liefert die CD einen guten Eindruck der Instrumente. (soviel Werbung muß sein,und 12 EUR sind wirklich geschenkt)
Fortsetzung folgt!

Valley II

D. Hausmann @, Donnerstag, 02. Februar 2012, 14:48 (vor 5379 Tagen) @ fluteceleste

Ich hatte heute beruflich in unmittelbarer Nähe von Valley zu tun und bin kurzerhand einfach mal dorthin zum Orgelzentrum gefahren. Das Anwesen ist wirklich wunderschön - selbst im Winter (und bei den momentanen Temperaturen). Was ich auch toll fand, war die Tatsache, dass sich direkt nebenan eine Brauerei mit angeschlossenem Wirtshaus befindet, in dem man sich nach ausgiebiger orgeltechnischer Sättigung auch noch leiblich stärken kann :-)

Die Zollinger Halle hätte ich mir allerdings von den Bildern her wesentlich größer vorgestellt. Auf den optischen Eindruck der großen Steinmeyer dort drinnen bin ich schon jetzt sehr gespannt...
Leider konnte ich nicht lange dort bleiben - der nächste Termin stand an....

Herzlichen Gruß
Dieter

Valley III und Schluß

fluteceleste @, München, Freitag, 03. Februar 2012, 19:42 (vor 5378 Tagen) @ fluteceleste
bearbeitet von fluteceleste, Freitag, 03. Februar 2012, 19:48

Soo, dann will ich mal wieder..auf gehts in die dritte und letzte Runde..
Die Zollingerhalle verfügt auch über ein ausgeklügeltes Lüftungssystem.
Unter der Halle befindet sich die Werkstatt. Bild hier.
Dann wieder zurück ins Schloß, wo auf dem Dachboden die Spieltischsammlung (noch nicht offiziell zugänglich; Übersicht hier) mit so manchem Schätzchen aufwartet.
[image]
v.l.n.r. München, Dom (Zeilhuber); Landshut, St. Martin (Koulen-Orgel); Coburg, St. Moriz (Walcker 1928). Im Hintergrund noch der Spieltisch aus Einsiedeln (dieses Bild ist von meinem ersten Besuch im Jahr 2006, als der "Einsiedler" noch oben stand).
München:
[image]
[image]
Der Abschiedsgruß 1990 im Spieltisch (von Hans Leitner, der damals noch Kaplan in Milbertshofen war..):
[image]
Landshut:
[image]
[image]
Coburg:
[image]
[image]
Nürnberg, Frauenkirche, ca. 1958 (laut ODB Bayern wurden 20 Stimmen dieser Orgel im Neubau 1989 wiederverwendet):
[image]
Einige andere stimmungsvolle Details:
Transponierautomat (Späth):
[image]
Kein Anschluß unter dieser Nummer:
[image]
Bitte nur historisch korrekt staubwischen:
[image]
[image]
Noch mehr Spieltische:
[image]
[image]
Und überall Pfeifen,...
[image]

Schließlich noch ein Blick in die "Scheune". Von außen unscheinbar..
[image]
aber von innen...geht einem das Herz auf bei all dem alten "Geraffel" (gell Franz)
[image]
[image]
Die großen Pfeifen gehören wohl zur M-Domorgel und zur Konzertorgel aus dem Deutschen Museum (Steinmeyer 1938, IV/73- ein retrospektives Bildchen dazu:
[image]
Spieltisch Deutsches Museum:
[image]
[image]
Teile der Münchner Domorgel:
[image]
Alles wird gesammelt:
[image]
[image]
noch ein alter Bekannter:
[image]

So, und zum guten Schluß genießt man am Besten ein gutes Bier im Valleyer Biergarten nebenan
[image]
denn das kommt von gegenüber dem Museum!
[image]
[image]
Und damit nicht genug, man hat die schönste Landschaft auch draußen noch direkt vor der Nase
[image]
Schliersee und Tegernsee und das Mangfalltal liegen einem quasi zu Füßen.
Zum Schluß noch ein bereits früher geäußerter Gedanke. Die Zukunft des beachtlichen Projekts ist weiter unklar. Es könnte eines Tages an jemandem wie uns sein, die weltgrößte Orgelsammlung zu bewahren.
Immerhin gibt es bei der Stiftung Denkmalschutz einen Hinweis auf Valley-mehr aber auch nicht. Die Sache bleibt weiter spannend-ich werde es verfolgen.

Hören muß man natürlich das ganze selbst. Im Moment gibt es Besichtigungen nach Voranmeldung nur in Gruppen (also bitte nicht alle einzeln hinrennen, man kann sich aber telefonisch erkundigen, ob gerade eine Führung geplant ist, und sich dann anschließen).
Noch besser denke ich ist aber eine "Organisten"Führung, bei der man auch selbst spielen kann, und die Grundzüge der Orgelpfeife nicht unbedingt erklärt werden (wobei gerade das auch sehr lustig sein kann).
Kommentare willkommen. vielleicht schaffen wirs ja auf ein Treffen dort!

Immer noch beeindruckt grüßend,
Stefan

~ E N D E ~

Valley III und Schluß

otto krämer, Freitag, 03. Februar 2012, 20:43 (vor 5378 Tagen) @ fluteceleste

....kann man die spieltische kaufen?
Ehrliche Frage!
Gruß,
Otto

Valley III und Schluß

D. Hausmann @, Freitag, 03. Februar 2012, 21:08 (vor 5378 Tagen) @ fluteceleste

ÄUSSERST BEEINDRUCKEND!

DANKE SEHR!!


Dieter

powered by my little forum