Umbau der Weise-Orgel in Saarbrücken (Teil 1: Die Vorgeschichte)

Cmcmcm1 @, Ottobrunn, Mittwoch, 05. März 2025, 08:16 (vor 552 Tagen)
bearbeitet von Cmcmcm1, Mittwoch, 05. März 2025, 14:02

Zum Start der Fastenzeit gibt's heute gleich einen Umbaubericht zur Weise-Orgel von St. Eligius Saarbrücken und ich habe mich entschieden heute im Laufe des Tages die neue Disposition exklusiv in dieser Runde erstzuveröffentlichen.

Doch erst einmal chronologisch:

Die 1868-1873 errichtete katholische Pfarrkirche St. Eligius befindet sich im Saarbrücker Stadtteil Burbach und ist nicht zufällig dem Schutzpatron der Metallverarbeitenden geweiht. Bis heute ist Burbach ein Standort der stahlverarbeitenden Industrie und nicht wenige der damaligen Gläubigen arbeiteten auf der Burbacher Eisenhütte.

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1896 erhielt die neugotische Kirche ihre erste Orgel von der Firma Heinrich Koulen & Sohn (damals noch ansässig in Straßburg) mit 20 Registern auf pneumatischen Kegelladen:

I. Manual
Bourdon 16'
Principal 8'
Flöte 8'
Gedeckt 8'
Gamba 8'
Dolce 8'
Oktav 4'
Flöte 4'
Mixtur 4f 2 2/3'
Trompete 8'

II. Manual (schwellbar)
Geigenprincipal 8'
Gedeckt 8'
Salicional 8'
Celeste 8'
Traversflöte 4'
Piccolo 2'

Pedal
Violon 16'
Subbass 16'
Bassflöte 8'
Tuba 16'

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Es kamen die 1950er Jahre, die katholische Bevölkerung in Burbach wuchs und es wurde Platz gebraucht. Da man nicht wie andernorts große Erweiterungsbauten anfügen konnte oder wollte, beließ man es bei einer Umgestaltung und Umstrukturierung des Kirchenraumes. Bemerkenswert ist dabei, dass bei diesem Umbau zwischen 1958 und 1960 bereits einige kirchenreformatorische Gedanken umgesetzt wurden, die erst ein paar Jahre später im Zweiten Vatikanischen Konzil offiziellen Beschluss fanden. Dazu zählt unter anderem:

- Ein zweistufiger "Hybrid"-Altar mit integriertem Tabernakel, der sich sowohl als Hoch- als auch als Volksaltar nutzen lässt.
- Die Aufgabe des Mittelgangs zu Gunsten zusätzlicher Sitzplätze auf durchgehenden Bänken. Damit einhergehend die Aufgabe des Hauptportals, welches durch ein Buntglasfenster ersetzt wurde. Stattdessen wurden in der Flucht der Seitenschiffe zwei zwickelartige Vorbauten auf dreieckigem Grundriss als Seiteneingänge errichtet.
- Der Neubau einer massiv vergrößerten Empore, die tribünenartig ganze zwei Joche des Mittelschiffes überdeckt und damit weitere Sitzplätze bereitstellt.
- Die Aufstellung der neuen Orgel in der Apsis, als Zeichen der Musik als Teil der Gemeinde, aber auch aus pragmatischen Gründen: In der Apsis nahm die Orgel keine wertvollen Sitzplätze (auf der Empore) weg.


Stellt man sich an die Position des ehemaligen Hauptportales, so wird aus dieser Perspektive deutlich, warum dieser Eingang aufgegeben wurde, denn der Raumeindruck wird durch die riesige Empore aus dieser Perspektive sehr beeinträchtigt. Zum Direktvergleich ein Bild aus derselben Position aus dem Jahr 1908
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Oben ist viel Platz, der heute natürlich nicht mehr von Gottesdienstbesuchern genutzt wird.
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Der zweistufige "Hybrid-Altar"
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Die 1961 gelieferte Orgel ist ein Werk der Firma Weise aus Plattling. Bemerkenswert ist, dass Weise einen nicht unerheblichen Teil des Pfeifenwerkes der Koulen-Orgel wiederverwendete. Auch die Mensuren der 1961 gelieferten neuen Pfeifen sind ordentlich.

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Die originale Disposition (1961). Register ohne Anmerkungen stammen von Weise.

I Positiv (im Untergehäuse)
Gedackt 8' (K II. Manual)
Principal 4'
Quintade 4'
Blockflöte 2'
Sifflöte 1 1/3'
Cimbel 3f 1/2'
Musette 8'

II Hauptwerk
Gedackt 16' (K I. Manual)
Principal 8'
Holzflöte 8' (K II. Manual Traversflöte 4' bzw. Piccolo 2', nicht überblasend, C-H gedeckt)
Weidenpfeife 8' (herkunft unbekannt, in den 1980er/90er Jahren durch eine neue Rohrflöte 4' ersetzt)
Oktav 4' (K I. Manual)
Quinte 2 2/3' (K I. Manual Mixtur 2 2/3')
Oktav 2' (K I. Manual Mixtur 2 2/3')
Mixtur 5f 1 1/3'
Trompete 8'

III Schwellwerk
Gedackt 8' (K I. Manual)
Salicional 8' (K II. Manual)
Prästant 4'
Querflöte 4' (Weise, nicht überblasend, trotz des Namens)
Nasard 2 2/3'
Principal 2'
Terzflöte 1 3/5'
Scharff 5f 1'
Dulcian 16'
Schalmei 8'
Tremulant (wirkt indirekt auch auf das Positiv)

Pedal
Principal 16'
Subbass 16' (K P)
Oktave 8' (K I. Manual, ehem. Prospektregister)
Bassflöte 8' (K P)
Choralbass 4' (K I. Manual Gamba 8')
Feldflöte 2' (K II. Manual Celeste 8')
Hintersatz 4f 2 2/3' (K I. Manual Mixtur 2 2/3' sowie Pfeifen aus Flöte 8', Dolce 8')
Posaune 16'

Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P (keine Koppel III/I)

Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, 2 freie Pedalkombinationen, Tutti, Crescendowalze

Die drei Manualwerke besitzen allesamt elektropneumatische Kegelladen mit chromatischer Teilung.
Das Pedal war links und rechts auf Sturz in C-Cis-Seite geteilt und besitzt besagte Membranladen.

Der Spieltisch befand sich seitlich direkt neben der Tür zur Sakristei:
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Die Gründe für den aktuellen Umbau sind vielfältig:
- Der Abbau der Weise-Orgel war ohnehin notwendig um Schäden an der Apsis zu begutachten und zu beheben
- Akustische Unzufriedenheit mit dem Standort im schmalen Chorraum: Im Altarraum war die Orgel sehr kräftig, im Kirchenschiff kam dagegen aufgrund der ungünstigen Seiten-Abstrahlung nicht soviel Klang an.
- Starke Verschmutzung der Orgel
- Regelmäßige Heuler im Pedal (Membranladen)
- Die enge Aufstellung der Orgel machte das Instrument recht wartungsunfreundlich. Während das Positiv und das Schwellwerk gut erreichbar waren, war der extrem schmale Stimmgang des Hauptwerkes fast unerreichbar. Hier ein Blick vom Dach des Schwellwerkes. Enges Gedränge in der Apsis, auf der Empore im Hintergrund klaffende Leere.

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Hauptwerk (II):
Man beachte auf dem zweiten Bild am rechten Bildrand wie wenig Platz zwischen den Bechern der Trompete und den roten Schwelljalousien ist. Die Schubstange vor den Jalousien begrenzt den Platz zusätzlich. Dieser enge Stimmgang war aber aufgrund der beiden Pedalladen links und rechts ohnehin nur durch Ausbau von Pfeifen zu erreichen. Alternativ musste das Hauptwerk teilweise von vorne durch Ausbau von Prospektpfeifen gestimmt werden.
Auf dem ersten Bild ist ganz unten zu erkennen, dass der enge Stimmgang auf der Diskantseite nicht einmal vorhanden ist, sondern nur hinter den Basspfeifen.
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Schwellwerk (III):
Die Basslage des Gedackt 8' ist hinter dem großen bis C offenen Salicional unerreichbar.
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Positiv (I):
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Pedal
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Im Juli 2023 wurde die Weise-Orgel abgebaut. Seitdem sieht es nun so aus:

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Fortsetzung folgt in Teil 2...


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