Umbau der Weise-Orgel in Saarbrücken (Teil 2: Das neue Konzept)

Cmcmcm1 @, Ottobrunn, Mittwoch, 05. März 2025, 10:00 (vor 552 Tagen)
bearbeitet von Cmcmcm1, Mittwoch, 05. März 2025, 11:49

Die Entscheidung der Gemeinde war gefallen: Wenn die Weise-Orgel aufgrund der Innenrenovierung von St. Eligius ohnehin abgebaut und renoviert werden muss, so soll sie in diesem Zuge gleich auf die riesige Empore (vgl. Teil 1) umgesetzt werden. Bei dieser Gelegenheit bot es sich an einige der bisherigen Unzulänglichkeiten der Orgel zu verbessern. Ausgeführt wurden und werden die Arbeiten durch die Firma Mayer in Heusweiler.
Die Einzelnen Maßnahmen sind im Folgenden:

1. Geringfügige Räumliche Umstrukturierung der Teilwerke
Die Zugänglichkeit des Hauptwerkes war aufgrund der streng begrenzten verfügbaren Tiefe in der Apsis nicht gegeben. Zusätzlich behinderten die beiden Pedalladen links und rechts den Zugang zur Hauptwerkslade. Auf der Empore ist dagegen reichlich Tiefe vorhanden, sodass die Orgel nun schmäler und etwas niedriger, und dafür räumlich tiefer als am ursprünglichen Standort aufgestellt werden wird. Die Werkanordnung wird im Prinzip beibehalten, aber in der Tiefe entzerrt. Lediglich die beiden Pedalwindladen wandern ganz nach hinten. Des Weiteren baut die Firma Mayer neue massive Seitenwände, die die Orgel zuvor nicht besaß.


2. Anpassung des Prospektes an die räumlichen Gegebenheiten auf der Empore
Das Mittlere Prospektfeld inklusive des Unterwerkes bleibt weitgehend unverändert. Die stummen Rohre über den Mittelpfeifen entfallen und werden durch die äußeren Prospektpeifen ersetzt, die von der Seite hinter das Mittelfeld wandern. Auch C und Cis des Principalbass 16' werden zu Innenpfeifen. Schließlich werden die äußeren 16'-Felder nach außen abfallend angeordnet und im Gesamten nach unten neben das Positiv heruntergezogen.


Alter Prospekt:
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Neuer Prospekt
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Nebenbemerkung: Die beiden Fotos des neuen Prospektes in der Montagehalle der Firma Mayer zeigen Pfeifen und Gehäuse in unlackiertem Zustand während der Umbauarbeiten: Diese werden selbstverständlich neu lackiert. Des Weiteren ist auch geplant einzelne Pfeifen durch farbliche Akzente hervorzuheben. Eine schlichte, nicht maßstabsgetreue (und in Details nicht exakte) Visualisierung aus meiner Feder, soll an dieser Stelle den ersten Eindruck unterstützen:

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3. Änderungen der Disposition
Kommen wir nun zum spannenden Teil :)

3.1 Positiv
- Die in den 80er/90er Jahren ins Hauptwerk eingebaute Rohrflöte 4' wandert ins Positiv und ersetzt dort die Quintade 4' von Weise, welche die Orgel verlässt.

- Die Cimbel 3f 1/2' wird unter anderem durch Pfeifen des Scharff 5f 1' aus dem Schwellwerk zu einer Cimbel 2-3f 1'. Durch die Rückung von Mensuren handelt es sich um keine 60er Jahre-Cimbel mehr.

- Anstelle der Musette 8', auf die wir später noch zu sprechen kommen, wird der Dulcian 16' des Schwellwerks zu einem ordentlich mensurierten Cromorne 8' aufgerückt und entsprechend umintoniert.

- ein eigener Tremulant für's Positiv ist an dieser Stelle auch drin.

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3.2 Hauptwerk
- Die ursprünglich nicht überblasende Holzflöte 8', die von Weise aus verschiedenen Koulen-Registern zusammengestellt worden war (vgl. Teil 1), wird durch englisches Pfeifenmaterial ergänzt und dadurch zu einer überblasenden Holzflöte 8' aufgerückt. Intonatorisch wird sie so ausgerichtet sein, dass sie sich selbst begleiten kann.

- Auf den Platz der ins Positiv gewanderten Rohrflöte 4' kommt die Querflöte 4' des Schwellwerks. Diese war ja trotz ihres Namens original nicht überblasend, wird aber jetzt ebenfalls ergänzt und ihrem Namen gerecht zum Überblasen gebracht.

- Die Mixtur 5f 1 1/3' wird zur Mixtur 4f 1 1/3'

- Neues aufgebänktes Cornettino 3f 2 2/3' auf einer kleinen Zusatzlade über dem Diskant des Hauptwerks

- Die Musette 8' des Positivs findet auf einer Zusatzlade eine neue Heimat als zweite Zunge im Hauptwerk.


3.3 Schwellwerk
Vorab ist zu sagen, dass die Registeranzahl im Schwellwerk aufgrund des vorhandenen Schwellkastens nicht vergrößert werden konnte, weshalb bei der Auswahl der Register ein Kompromiss gefunden werden musste. Ziel war es sich in den Grundstimmen insbesondere wieder in Richtung Koulen zu bewegen und der Orgel gerade in diesem Werk mehr Grundtönigkeit zu verleihen.

- Der irreführend Prästant 4' genannte Prinzipal 4' war ohnehin bereits eher eine Principalflöte 4' und wird umbenannt und umintoniert als Hornflöte 4' zum einzigen 4' des Schwellwerks

- Innerhalb des Schwellwerks wandert der Gedackt 8' von der Rückwand auf den Platz der Querflöte 4' (die nun im Hauptwerk steht).

- Dadurch wurde es möglich im Schwellwerk auf dem ehem. Platz des Gedackt einen neuen offenen Violprincipal 8' aus englischem Bestand einzubauen. Für die größten Pfeifen wurde der Schwellkasten um einen kleinen Aufsatz erhöht.

- Anstelle des Scharff 5f 1' tritt eine Celeste 8' (ab c0)

- Anstelle des Dulcian 16' (der nun eine Umwandlung zum Cromorne hinter sich hat) tritt eine französisch intonierte Trompette 8' aus englischem Pfeifenmaterial.

- Die Schalmei 8' wird zur Hautbois 8' umbenannt und umintoniert.

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3.4 Pedal
- Das Pedal erhält eine neue Quintschaltung des Principalbass 16' in eigener Quinte, die als Contrabass 32' bezeichnet wird. Eine solche Schaltung gab es auch des Öfteren bei Haerpfer & Erman in den 1950ern.

- Als zweiter, leiserer akustischer 32', wird ein Quintbass 10 2/3' aus englischem Bestand auf einer Zusatzlade ergänzt.

- Anstelle des Hintersatz 4f 2 2/3' tritt ein Fagott 8' aus englischem Bestand.


3.5 Spieltisch, Koppeln und Spielhilfen
Der Spieltisch wurde inklusive der Elektronik selbstverständlich völlig überarbeitet und die Registerwippen erneuert (weiß statt crèmefarben). Darüberhinaus wurden die zwei freien Pedalkombinationen aufgegeben, um Platz für eine Reihe neuer Wippen zur Aufnahme der Koppeln zu schaffen.

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Ursprünglich besaß die Orgel nur 5 Normalkoppeln, da die Koppel III/I (Schwellwerk an Positiv) fehlte. Diese wird nun selbstverständlich ergänzt.

Darüberhinaus erhält die Orgel folgende Oktavkoppeln:
III/I (Sub/Super), III/II (Sub/Super), III/III (Sub/Super), I/II (Sub)


Auf Wunsch des Kirchenmusikers wurde die Manualzuteilung nicht verändert, d.h. weiterhin ist Positiv auf I, Hauptwerk auf II, Schwellwerk auf III. Seine Begründung liegt im recht dünn besetzten neobarocken Positiv mit nur einem labialen 8', sodass dieses nicht wirklich im Sinne einer romantischen "Terassendynamik" zwischen Schwellwerk und Hauptwerk passt.
Stattdessen wird es auf meine Anregung nun zusätzlich eine siebte Normalkoppel II/I sowie eine weitere Oktavkoppel I/I (Sub) geben:
Der Einbau dieser beiden Koppeln ermöglicht es das I. Manual optional als "Hauptmanual" zu verwenden, da nun auf I dieselben Registrierungen möglich sind, wie auf II (II/I kehrt I/II um und I/I Sub ist das Pendant zu I/II (Sub).

Ein weiterer Vorteil dieser beiden Koppeln gegenüber einer variablen Manualzuteilung ist die Option des Rollentauschs von Hauptwerk und Positiv:

Klassische Variante mit II als Hauptmanual: I/II, III/II, III/I sind gezogen, d.h. es gibt die drei Ebenen:
SW, SW+POS, SW+POS+HW

Alternative Variante mit I als Hauptmanual: II/I, III/I, III/II sind gezogen, d.h. es gibt die drei Ebenen:
SW, SW+HW, SW+HW+POS

Dadurch nimmt das Hauptwerk quasi die Rolle eines großen Positivs ein (im Sinne der Terassendynamik), das (optional Subgekoppelte) Positiv wird auf I zum Grand Choeur. Mir ist bewusst, dass diese Idee insofern etwas hinkt, da z.B. die Trompete 8' nur dem Hauptwerk aber nicht dem Positiv zugeschaltet werden kann. Dennoch ist es eine Erweiterung der Klangvielfalt der Orgel gegenüber dem ursprünglichen Konzept.

Abgesehen davon ergeben sich natürlich neue Einzelregistrierungen durch die beiden Koppeln.


4. Die neue Disposition
Einige weitere Register wurden in der neuen Disposition umbenannt.

I Positiv
Lieblich Gedeckt 8'
Principal 4'
Rohrflöte 4'
Schwegel 2'
Sifflöte 1 1/3'
Cimbel 2-3f 1'
Cromorne 8'
Tremolo

II Hauptwerk
Bourdon 16'
Principal 8'
Holzflöte 8'
Octave 4'
Querflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Superoctave 2'
Mixtur 4f 1 1/3'
Cornettino 3f 2 2/3'
Trompete 8'
Musette 8'

III Schwellwerk
Violprincipal 8'
Gedecktflöte 8'
Salicional 8'
Celeste 8'
Hornflöte 4'
Nasard 2 2/3'
Piccolo 2'
Terz 1 3/5'
Trompette 8'
Hautbois 8'
Tremolo

Pedal
Contrabass 32' (akustische Schaltung aus Principalbass 16')
Principalbass 16'
Subbass 16'
Quintbass 10 2/3'
Octavbass 8'
Bassflöte 8'
Choralbass 4'
Feldflöte 2'
Posaune 16'
Fagott 8'


Koppeln:

Normalkoppeln: II/I, III/I, I/II, III/II, I/P, II/P, III/P

Suboktavkoppeln: I/I, I/II, III/I, III/II, III/III

Superoktavkoppeln: III/I, III/II, III/III


Spielhilfen: Setzeranlage, 2 freie Kombinationen, Tutti, Crescendowalze

Nebenregister: Celesta (frei an jede Klaviatur zuschaltbar)


5. Ausblick
Seit Juli 2023 ist die Orgel abgebaut, die Umbaumaßnahmen durch die Firma Mayer sind mittlerweile abgeschlossen. Der Wiedereinbau wird allerdings voraussichtlich erst 2026 nach Abschluss der Innenrenovierung der Pfarrkiche St. Eligius stattfinden. Ein genauer Termin steht noch nicht fest


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