Ein schöner Text geht noch weiter – Teil I

Friedrich @, Samstag, 25. Januar 2014, 21:27 (vor 4597 Tagen) @ hardy

Ich habe die Orgel in Notre-Dame-de-la-Croix 1991 live gehört (also kurz nach der Restaurierung). Auf der Empore klingt sie in der Tat sehr kräftig; von unten gehört finde ich nicht, daß sie den Raum sehr füllt. Es klang für mich etwas "weit weg".

Man darf bei Cavaillé-Coll (habe einige gehört) auch nicht unbedingt laute Orgeln erwarten. Dafür wunderbare Klänge - die überblasenden Flöten 8-4-2 im Schwellwerk in Caen - so etwas habe ich in Deutschland noch nicht gehört. Auch wenn es à la CC sein sollte.

Es gibt eine ganze Menge Aufnahmen der Orgel auf YouTube auf dem Kanal von Vincent Hildebrandt. Es ist schon erstaunlich, was Frédéric Denis an Vielfalt aus dem Instrument herausholt, z. B. in Viernes « Cathédrales ». Da wüsste ich gerne, wie er den Full-Swell-Effekt zaubert – wahrscheinlich mit der Suboktavkoppel auf dem Koppelmanual und dann eine Oktave höher gespielt.

Ich kenne eine ähnlich kleine Orgel (ca. 30) mit zwei Manualen und Koppelmanual, die ebenfalls auf einer hohen Empore in einer großen Kirche mit breiter Vierung steht. Auf der Empore macht die mit französischen Pedalzungen 16-8-4 auch kräftig Druck und Geräusch, was sich aber im Schiff verliert zu Gunsten einer noblen Rundung besonders der Bombarde. Das gibt einen wunderbaren Eindruck von Wärme und Fülle.

Ich nehme an, dass Stephen bei seiner Erkundung klug genug war, den Orgelklang auch in der Kirche zu erwandern. Er spitzt natürlich zu in seiner Darstellung, aber er hatte dabei ein Publikum im Blick, das fest an die musikalischen Verdienste an Hochdruckzungen glaubt. Er versuchte dagegen in fast allen seinen Beiträgen zu vermitteln, dass Fülle und Komplexität des gesamten Ensembles viel wichtiger, musikalisch brauchbarer und auch über Jahrhunderte bewährter sind als einzelne Superhörner. So muss man den Beitrag wohl lesen. Eine Orgel mit sieben unterschiedlichen Trompetenstimmen in drei verschiedenen Lagen ist musikalisch eben einfach ergiebiger als eine mit Trombone, Tuba und Oktavauszügen auf 250 mm WS.

Ich muss sagen, dass ich bisher die jüngeren deutschen Beiträge zum Thema Hochdruckzunge auch höchstens kurios finde – Stichwort Kostümball. Meistens finde ich diese Apparate grauenhaft und mit ihren lustigen Namen – Bischofstrompete etc. – auch auf exorbitant alberne Weise autoritär und liebedienerisch. Wäre ich eine moderne Führungspersönlichkeit, dann käme ich mir veralbert vor und erbäte mir, dass die Dinger das nächste Mal bei Feueralarm erklängen. Oder steht auf der Wippe ein ;-) Smiley? Dafür freue ich mich über jeden kräftigen, reichen, ausgewogenen Prinzipalchor. Sooo selbstverständlich sind die nämlich nicht.

Viele Grüße,
Friedrich


gesamter Thread:

 

powered by my little forum