Wer schreibt "für die Kirche"?

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 13. Mai 2026, 09:00 (vor 105 Tagen) @ Subbass1

Nachtrag: Da weiß man dann auch, warum kaum noch ein ernstzunehmender Komponist "für die Kirche" komponieren mag (irgendwelche mediokren Stilkopien zähle ich ausdrücklich nicht dazu) - wenn das Vorliebe und "Magnet" von (allmächtigen) Pfarrern und "Besuchern" ist. Manchem "Musikfachmann" dürfte das in Gänze so langsam deutlich zu blöde werden.

Welcher ernstzunehmende Komponist hat denn noch im 20. (!) Jhdt. "für die Kirche" komponiert?

Olivier Messiaen wäre nach meiner Einschätzung der letzte. Und war weitgehend der Einzige, der sich (zumindest "immer wieder") sonntags als Kirchenmusiker verstand.
Der Rest schuf "Geistliche Musik", aber "für die Kirche"? Oder von der "Kirche" beauftragt? Jetzt müssten wir natürlich noch über "ernstzunehmend" diskutieren....

Und davor? Hat Brahms "für die Kirche" komponiert? Mendelssohn? Reger ja, mit seinen "praktisch" angelegten kleineren Stücken für Chor oder Orgel. Ebenso Franck mit "L'Organiste", nicht mit den "Trois Chorals", dazwischen gab es natürlich auch noch was... Schwenk nach Italien: Verdi? Rossini? Puccini? Nur die bekannten Solitär-Werke, und auch nicht "für die Kirche". Rossini (die Messe machte ich gerade) als geistliches Konzert.... Schubert? Die kleinen Chor-Sachen vielleicht, die großen Messen hatten eher strategische Ziele. Die französischen Hochromantiker de Kirchen-Szene? Ja, aber die waren ja auch Organisten mit - so weit ich weiß - noch einem Hauch von Vergütung, schrieben also auch für den Brötchengeber, nicht nur aus religiöser Ekstase. Diese Stichproben lassen sich in den anderen Nationen mit ähnlichem Resultat fortsetzen, ich tippte nur, was mir schnell einfiel.

Die "ernstzunehmenden Komponisten" waren ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr bei Kirchens, was folgerichtig ist, weil sich neben der höfischen Musikstruktur eine säkulare bzw. gesellschaftliche etablierte, namentlich im 19. Jhdt. Man könnte sogar zynisch sagen (wie heute), dass nur wenig ernstzunehmende Komponist:innen die Nähe zur Kirche suchen, oder schärfer: Wer komponieren kann, braucht nicht für die Kirche zu arbeiten. Und das gilt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber wenn man sich wieder eine Depressions-Tablette einerfen will, kann man natürlich das Mantra vom vor Erfindung des E-Pianos reicheren Lametta beten.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum