Wolfgang Abendroth in der Johanneskirche, D-Innenstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Samstag, 30. November 2013, 13:37 (vor 4653 Tagen)

Hallo Forum,

das war am 29.11.2013 um 19h in der Johanneskirche, Düsseldorf-Innenstadt, ein vielgestaltiges Programm und doch eine runde Sache. Unter dem Titel “Vom Dunkel zum Licht” hatte Wolfgang Abendroth passend zum Ende des Kirchenjahrs und zur bevorstehenden Adventszeit neun Stücke zusammengestellt, die entweder in sich oder als Paar dem Motto entsprachen.

Den Auftakt machte Mendelssohns zweite Sonate. Das dunkle Grave kam hier eher betrachtend als drängend; diese Gangart ließ den Übergang zum Adagio (schön ausgesungen) um so zwingender erscheinen. Heller dann, energisch und entschlossen die beiden Schlußsätze.

Von Bach folgte das herrliche Choralvorspiel “Wenn wir in höchsten Nöthen sein” BWV 641. Als heller Gegensatz dazu das große der Welt zugewandte Praeludium samt Fuge in C-Dur 9/8. Im wiegenden Rhythmus ging es durch das Praeludium, frisch und präzise die Fuge.

In wunderbaren dunklen Klangmischungen zelebrierte Abendroth danach “Herzlich tut mich verlangen” von Brahms. op. 122 Nr. 10; heller dann “Es ist ein Ros’ entsprungen” op. 122 Nr. 8.

Große Gegensätze auch mit Olivier Messiaen: Aus den Livre du Saint sacrement gab es die Nr. IX “Les ténèbres” und Nr. X “La Résurrection du Christ”. Das erste gestaltete Abendroth ernst und dramatisch. Das zweite wirkte wie ein Entwicklungsstück: Die Auferstehung nicht als plötzliches Ereignis sondern als anstrengender Prozeß, immer wieder aus dissonanten Akkorden sich zum Licht emporarbeitend, vergleichbar vielleicht mit einem Schmetterling, der erst nach vielen Versuchen und nur mühsam aus dem Cocon schlüpft. Am Ende dann aber die Erlösung in strahlendem Fis-Dur.

Dunkel und tastend beginnt auch Regers Charakterstück “Weihnachten”, ehe mit in dulci jubilo die Weihnachtsfreude aufleuchtet (op. 145 Nr. 3), sehr eindrucksvoll. Zum Abschluß noch ein großes Crescendo mit Théodore Dubois “Fiat Lux”.

Großer, lang anhaltender, dankbarer Beifall der ca. 80 Hörer.

Gruß Clemens Schäfer

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)


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