nochmal L-St. Marien, hier: E.E. Stender

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 17. April 2014, 16:23 (vor 4579 Tagen) @ stein

Die Idee der Transkriptionen finde ich gut. Der Organist tut seines dazu.
Ich habe die CDs vor Jahren kurz gehört und wieder weggelegt. Das Instrument vernichtet jeden Genuss.
Bei Tonger in Köln hat man mir diese CD geschenkt, weil sie keiner haben wollte.
Hier passen die Kompositionen zum Instrument. Ich habe sie neben Forster-Jankins eingeordnet. Fast alles in C-Dur und im Tutti.
Kennt die jemand.
Selbst das Spieltischbild ist falschherum.

http://www.firmamentshop.de/epages/61516592.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61516592/Produc...


....auf die bin ich mal bei jpc in Hamburg gestoßen, am Gerhard Hauptmann-Platz (da gab es einen roten Pavillon, in dem dieser Plattenladen auf zwei Ebenen untergebracht war - Pavillon und Laden sind schon lange verschwunden....). Leider kaufte ich sie nicht; ich schätzte sie ungefähr so ein wie Du.....nun ja, er wird wohl EES gebeten haben, sie einzuspielen und dafür vermutlich auch seinen Obolus entrichtet haben; "Fantafuga" kam mir damals auch schon seltsam vor - ob der wohl eine "Colafuga" vorausging? An der Niederelbe gibt es auch so jemanden, dessen "Einspielungen" eigener Werke für Heiterkeit bei seinen Kollegen sorgen......

Und ja: das Spieltischbild ist seitenverkehrt. Die runde Anzeige für Schweller (oder Walze?) gehört nach links. Auf der EES-DVD, die ich habe (mit Dvoraks "Aus der neuen Welt"), sieht man darin die Lämpchen der Reihe nach aufleuchten, wenn der betreffende Schwelltritt betätigt wird, wie bei einer Telefon-Wählscheibe (ha, wer hier kennt die Dinger noch?). Wird wohl in den 1960ern der letzte Schrei gewesen sein....

Auch was über die Tranksriptionen gesagt wurde, kann ich bestätigen: Musik und Instrument passen einfach nicht zusammen, die wirklich schrecklichen Mixturen nerven sehr schnell, unterhalb der Mixturen sind aber nur spröde und muffige Grundstimmen und nicht existierende Zungen. Leuchtende Farben, strahlend-selbstbewußte Solisten, souverän-tragende Prinzipale - alles Fehlanzeige.

Gleichwohl: meiner Wertschätzung des Interpreten tut das keinen Abbruch. 1980 hörte ich in Lübeck das erste mal Regers "Inferno" mit ihm und war ebenso tief beeindruckt wie erschrocken über den im Programmheft abgedruckten Notenauszug einer der schwersten Stellen - die ihm im Konzert erwartungsgemäß keinerlei Schwierigkeiten machte. Man mag seine "objektive" Spielweise kritisieren, aber das ist a) auch eine Generationenfrage (Walcha, Stockmeier...) und b) paßte es irgendwie zum Instrument und zur Akustik und c) empfinde ich dieses unaufgeregt-"sachliche", perlende Spiel manchmal schon wieder als Erholung gegenüber manch zackig-modischer Über-Interpretation. Ich habe in St. Marien manchen beeindruckenden Reger-Abend erlebt (Bach sowieso, und auch Reubke), trotz dieser Orgel. 2006 spielte er beim Hansetag in Osnabrück an der Flentrop der dortigen Marienkirche, und das war Buxtehude & Co. in Güteklasse A: temperamentvoll, farbig, mit sicherem Gespür für Instrument und Raum.

Gruß,
Wolfgang


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