Offener 32' aus Metall im Prospekt - Gedächtniskirche Speyer

Karsten @, Dienstag, 08. Mai 2018, 20:39 (vor 3034 Tagen) @ Solcena
bearbeitet von Karsten, Dienstag, 08. Mai 2018, 20:48

Noch ein imposanter 32’-Prospekt - kennt jemand Details bzgl. des 32‘ in der Speyerer Kleukerorgel?

Aus
GERO KALESCHKE, Die Orgel der Gedächtniskirche
In: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde (BPfKG) 71. Jahrgang 2004

[Zum Steinmeyer-Neubau 1939 mit neuem, heute noch erhaltenen Miller-Prospekt:]

Wegen eines neuen Prospekts wurde über Johannes G. Mehl mit dem Bildhauer Hans Miller (München) Kontakt aufgenommen, der Steinmeyer am 16. September mitteilte, daß er mit der Prospektgestaltung beauftragt sei. Miller entwarf Ende November einen riesigen Freipfeifenprospekt, der bedeutend breiter angelegt war als die alte Orgel. Hier wurde zum ersten Mal die Idee eines offenen 32' -Prospekts entwickelt, zunächst allerdings als reiner Blindprospekt. Die Kosten für diesen Prospekt bezifferte Steinmeyer am 13.Januar 1938 mit 6.505 RM. Mehl äußerte aber schon am 31. Januar seine Bedenken:
"Aber wir sollten doch versuchen in gemeinsamer Arbeit diesen einzigartigen Prospekt, gegen den selbst Passau, Frauenkirche in München und St. Lorenz (in Nürnberg) nichts ist, etwas möglichst Vollkommenes werden zu lassen ... Weder Hamburg St. Michaelis, noch Breslau Jahrhunderthalle, noch Passau haben einen Prästant 32' ab C im Prospekt. Wir erhalten hier den größten Prospekt des Kontinents. Auch die alten barocken und noch mehr die gotischen 32' -Prospekte waren kleiner. Nun haben wir sogar Überlängen für ein C 32'. Der Millersche Entwurf ist an sich einfach wunderbar."
Daher wäre es wünschenswert, den Prospekt nicht nur als reine "Blechfassade"zu bauen, sondern ihn klingend zu machen. Steinmeyer äußerte allerdings aus anderen Gründen Bedenken. Miller hatte offenbar den Prospekt nur nach Fotographien des Kirchenraums entworfen und sich in den Größenordnungen gründlich vertan. Daherwegen der Länge der großen Pfeifen - könne der 32' erst ab E im Prospekt untergebracht werden, keinesfalls also die Pfeifen C - Dis.
Mehl reagierte mit der Bemerkung, daß dann die Mensuren weiter sein müßten und daß die vorgesehene Zahl von 13 Mittelpfeifen auf 9 reduziert werden müßte. Die übrigen Töne des 32' sollten aus dem Offenbaß 16' transmittiert werden. Er schloß: "Schließlich werden auch wir Herrn Graf gegenüber betonen, daß es natürlich unmöglich ist, den Betrag am Spieltisch einzusparen, der für die vier großen Pfeifen aus Metall 32' nötig ist. Diese Pfeifen bleiben also zunächst weg."

[...]

[Auszüge aus dem Abnahmegutachten Mehls aus dem Jahre 1939:]

"Der neue Prospekt ist rein äußerlich der größte unter allen modernen Prospekten
deutscher Kirchen. Er dürfte jedoch auch der künstlerisch wertvollste sein. Reiche
Gliederung im Einzelnen und überwältigende Geschlossenheit im Ganzen sind hier
überzeugend verbunden. Auch rein klanglich besitzt der neue Prospekt für das Orgelwerk
Bedeutung, insofern er die drei grundlegenden Prinzipalstimmen: Prästant 16'
des Hauptwerks, Oktavbaß 16' des Pedals, sowie den Stolz der Orgel, den Metallprästanten
32' (ab E), enthält ..."

Der Miller-Prospekt ist ja heute noch erhalten.

Gruß
Karsten


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