Orgel im Petersdom in Rom

Cor de Basset, Sonntag, 01. Juli 2012, 18:04 (vor 5232 Tagen) @ stein
bearbeitet von Cor de Basset, Sonntag, 01. Juli 2012, 19:43

Die modernen Konzepte sind unlängst bekannt.
Elektrische Spielanlagen die nach 20 Jahren den Geist aufgeben. Dann wird mit sechsstelligen Summen alles erneuert und modernisiert. Klanglich tut sich danach nicht viel.
Siehe Beispiel Notre-Dame. Die tolle Synaptel Anlage nach 20 Jahren auf dem Müll.
1990 hat sich noch Weltkompetenz darum die Köpfe zerbrochen.

Hätte man nicht unter Cochereau den grössten Teil der CC Substanz mitverwendet, wäre auch ein Austausch des Pfeifenwerkes aktuell.

Eine Konstruktion nach ACC finde ich heute aktueller denn je.

Seine grossartigen Werke in Rouen, Toulouse usw. stehen noch in 100 Jahren, wenn kein Feuer, Naturkatastrophe oder Vandalismus ihr den Gar ausmachen.

Die noch so zukunftsträchtige Orgel in Ratingen wird in 20 Jahren nicht mehr zu erkennen sein. (Spielanlage und Pfeifenwerk inklusive) Das wissen wir genau. Oder wir wollen es nicht genau wissen, weil die momentane Neugier zu gross ist.
Wir leben zur Zeit nun einmal in einer Wegwerfgesellschaft.
Wenn man an einem alten Instrument sitzt bekommt man zu alle dem einen anderen Bezug. Das hat jeder schon einmal erlebt.
gruss stein

Mein Diskussionsansatz bezüglich eines Orgelneubaues in St. Peter in Rom bezog sich nicht auf die Bevorzugung gewisser Technologien im Orgelbau wie Synaptel, MIDI oder SINUA oder die Abwägung von Vor- und Nachteilen elektronischer Komponenten in der Spieltraktur und Registersteuerung, sondern vielmehr auf die einseitige Fokussierung auf ein Orgelbaukonzept nach Cavaillé-Coll auf dem Stand von 1875.

Die liturgischen Anforderungen an eine Orgel und deren Funktion innerhalb der katholischen Liturgie haben sich seit Cavaillé-Colls Entwurf vor 137 Jahren - und nach einem Konzil und der damit verbundenen Liturgiereform in den 60er Jahren - grundlegend gewandelt, ebenso wie die Anforderungen der Organistinnen und Organisten an die Instrumente, die sie, ob im kirchlichen oder konzertanten Umfeld, zum Erklingen bringen.

Was Notre-Dame in Paris und den Umbau der großen Orgel zwischen 1989 und 1992 betrifft: Schon während der Dienstzeit von Pierre Cochereau wurden zwischen den 60er und 80er Jahren (mindestens) fünf- bis sechsstellige Geldbeträge pro Jahr in die stetigen Umbauten und Erweiterungen der Hauptorgel investiert, mit dem Ergebnis, dass seit Herbst 1983 die Setzeranlage wegen Kurzschlussgefahr unbenutzbar wurde (schon im bekannten Video aus der Crystal Cathedral vom Mai 1982 erwähnt Cochereau gegenüber Robert Schuller sarkastisch, dass seine Orgel in Notre-Dame "completely dead" sei). Gleichzeitig wurden neben den neuesten elektronischen Errungenschaften (Pedalteilung, werksweise Absteller über den Registerzügen, die letzendlich die Ursache für die Kurzschlussgefahr waren) für die Windversorgung preiswerte Materialien aus dem Sanitärbereich (Westaflex) verwendet (vergleichbare Materialen, darunter auch Papprohre, fanden übrigens auch beim Umbau der Bremer Domorgel in den 50er Jahren Verwendung).

Ich bezweifle sehr, dass Cavaillé-Coll sein Konzept eines Orgelneubaues für den Petersdom in Rom nach 1875 nicht weiterentwickelt hätte. Es gibt auch andere bedenkenswerte Orgelbaukonzepte, und es muss dabei nicht gleich eine komplette Digitalisierung sein.

Und auch die bekannten Instrumente in Rouen, Toulouse oder Paris wären heute nicht mehr zu hören, würden sie nicht regelmäßig gewartet, gepflegt, gestimmt und die Barkermaschinen minutiös nachreguliert (in diesem Zusammenhang ist der aktuelle Zustand der Orgel in St. Ouen leider als traurig zu beschreiben).


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