Frankreich und Reger

Friedrich @, Donnerstag, 07. April 2011, 11:05 (vor 5628 Tagen) @ Rochus Schmitz

Anläßlich einer Paris-Reise demnächst machte mich ein guter Freund darauf aufmerksam, daß in unserem Nachbarland die Orgelmusik Max Regers offensichtlich so gut wie keine Rolle spielt. In der Tat kenne ich keine (prominente) Einspielung Regerscher Orgelwerke auf französischen Instrumenten ...

Kommt drauf an, ob Du diese als prominent bezeichnen würdest:
[image]

Gut und aufregend ist sie. Baker spielt teilweise mit irrwitzigen Tempi, und die Orgel ist ungewöhnlich hell eingefangen. (Vielleicht konnte sich die Bookletredaktion nicht vorstellen, dass es sich um eine Barker-Traktur handelte, und hat deswegen "elektropneumatisch" angegeben.)

Was man an dieser Aufnahme allerdings auch hört, ist die besondere dynamische Organisation einer Cavaillé-Coll-Orgel samt ihren Grenzen. Das Crescendo-Diminuendo lässt sich tendenziell als eine einzige Klangstraße beschreiben, vielleicht mit mehreren Spuren, aber im Prinzip mit immer dem gleichen Verlauf und typischen Stationen.

Das ist bei einer deutsch-romantischen Orgel anders, vielleicht weil dort oft alle Registerfamilien in unterschiedlichen Stärkegraden zur Verfügung stehen, weil man also auf mehreren Straßen ins Ziel ("Org. Pl.") kommt. Diese Charaktervielfalt hilft bei Regers Musik enorm, schon weil er seine Formen oft assoziativ und kleinteilig aufbaut, sodass man gern auch klanglich abwechslungsreich gliedert.

Die Cavaillé-Collsche Einsinnigkeit dagegen eignet sich am besten für die großen formalen, von der Melodik und Rhythmik getragenen Formlinien Francks, des späten Widor, Louis Viernes.

Ich warte auch noch auf die Interpretation eines Reger auf einer französischen Orgel, die der Vielfarbigkeit seiner Musik gerecht wird. Es gibt ja auch regelrechte Franck-Imitationen von Reger, bei denen man vielleicht anfangen könnte.

Gruß,
Friedrich


gesamter Thread:

 

powered by my little forum