5. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach
Das Schwellwerk war bisher der totale Knaller... leider nur am Spieltisch und für die paar Leute im Querhaus. Über die Akustik hatte ich schon oben berichtet. Bislang wurde das Schwellwerk als Säuselwerk im weiten Raum wahrgenommen. Ich habe nix gegen Fernwerke, wenn das weitere nötige Pedant dem gegenübersteht, aber zum jetzigen Hauptwerk war es einfach sehr schwächelnd. Über einige vorgebene Probleme habe ich ebenfalls oben schon berichtet (4’ Fußhöhe, sehr eng), mit denen man einfach leben muss.
Zuerst haben wir den Winddruck erhöht (60 auf 68mm), damit die mal die Achtfüßer richtig ansprechen. Waren die drei 8’ Füßer bisher matt und irgendwie gleichklingend, sprachen sie plötzlich schön an. Die Viola da Gamba wurde umgearbeitet, mit Rollbärten versehen und siehe an, plötzlich ist sie eine sehr schöne Gambe geworden, schön zeichnend, nix säuselndes mehr, fast Seraphongambe vom Klang her. Wermutstropfen: Die tiefe Oktave bleibt halt immer eine Quintade. Der furchtbar spukende Gedeckt wurde mit Kernstichen versehen. Der Holzprinzipal gibt in der tiefen Lage jetzt ein sehr breites Fundament, nach oben hin wird er sehr flötig im Klang, aber immer noch tragend. Ich wollte eine Schwebung ins Schwellwerk. Eine säuselnde Vox coelestis kam nicht in Frage. Da Pfeifen Geld kosten, haben wir das Experiment gewagt mit dem früheren Gemshorn 8’ aus dem Hauptwerk. Entweder klappts oder es klappt nicht. Nach anfänglicher Skepsis ob dies funktionieren könnte wurde das Gemshorn c0-g3 umgearbeitet und unterschwebend gestimmt. Wir waren selbst über das Resultat überrascht, wenn nicht sogar überwältigend. Josef Potthoff, ein man mit sonst sehr höflichen Ausdrucksweise, sagte „einfach geil“.
Die nun genannte Vox angelica kann mit jedem 8’ Fuß eingesetzt werden, auch mit den 8’ Füßern im Hauptwerk, dies war eine weitere Überraschung, mit der wir auch nicht gerechnet haben. Zieht man im Schwellwerk alle Achtfüßer, dazu die Schwebung und die Fugara hat man einen kompletten sehr breiten Streicherchorklang. Sogar mit allen Achtfüßern und Schwebung ist die Schwebung noch sehr gut zu erkennen und integriert sich komplett in den Klang.
So, genug geschwebt und geträumt...
Die Vox angelica fand Platz auf der Lade der Flûte harmonique 4’.
Im Septimenthread kam einiges an Fragen auf (jetzt nur noch ein 4’ im Schwellwerk, dabei eine Fugara 4’, Cornet decomposé-Möglichkeit? usw.). Natürlich sehr berechtigte Fragen, wenn man sich die Dispo durchließt.
Die Flûte harmonique, die in etwa mittig hinter den 8’-Füßern stand, konnte ihren Klang im Schwitzkasten nie richtig entfalten. Am Spieltisch klang Sie eigentlich sehr nett, leider war sie als Soloregister nicht einsetzbar. Sogar nur vom Gemshorn 8’ im Hauptwerk begleitet, ging sie im Raum unter, das klangliche Gleichgewicht stimmte einfach nicht. Die Flöten im Hauptwerk sind freier und sind dort gut aufgehoben und einsetzbar. Das Nazard und die Terz klingen sehr eng und nicht sonderbar schön, so wie fades, dünnes Geklimper, nicht was man von einem Nasard oder einer Terz erwartet. Früher 8’ Gedackt 4’ Flöte und eine der Aliquoten (oder beide) ging gar nicht, musikalisch reizlos, auch schlecht einsetzbar. Vom Gemshorn im Hauptwerk begleitet klang es, als käme das Solo aus einer Hinterkammer. Ich habe immer 8’ Gedackt 4’ Prinzipal und Aliquote registriert, habe dem 4’ sozusagen durch die Aliquote gefärbt, das ging. Zum Cornet: immer 8’ Prinzipal 4’ Prinzipal 2 2/3’ 2’ 1 3/5’, im Raum war dies als nettes Cornet erkennbar ☺
Nochmals zur Akustik: bei gut besetzer Kirche sah das Triospiel (Improvisation oder Triosonaten) folgendermaßen bisher aus: 8’ Gemshorn und Flöte 4’ oder 2’ im HW, im Schwellwerk: 8’4’ Prinzipal +2 2/3’ 2’ 1 3/5’, am Spieltisch knallte das Schwellwerk (armes linke Ohr), das HW war kaum noch hörbar, im Raum war es dann mal ausgeglichen...
Zum 4’ zurück: in Frage kam für mich nur ein klar zeichnendes Register. Der enge Geigenprinzipal wurde umgearbeitet zum Fugara 4’ mit leichtem Strich, schön Wind drunter, es ist jetzt richtig klar und sehr zeichnend im Raum, ohne daß es aber einem die Ohren absägt. Ein gutes Pendant zu den 8’ Füßern im Schwellwerk, wo es sich durchsetzen kann (früher 8’ Füßer, dazu danndie Flûte harmonique ging nicht, es war kaum ein Unterschied zu merken, im Raum schon überhaupt nicht.) Sehr gut klingt jetzt 8’ Gedackt, 4’ Fugara und eine Aliquote. Die Fugara zeichnet klar in den Raum, die Aliquote gibt die nötige Würze.
Angezweifelt wurde auch im Septimenthread die Plenumsmöglichkeit (was zwischen 8’ Prinzipal und Zimbel). Ich kann versichern, daß Prinzipal 8’ Fugara 4’ (eigentlich ja Prinzipal) 2’ Nachthorn (weit) und Cymbel gesichert ist. Dazu muss ich anmerken, daß natürlich das Nachthorn kein Prinzipal ist: Ich hatte aber oben glaub ich vom Effekt vom engen 2’ am Spieltisch und die Wirkung und tragende Kraft im Raum gesprochen. (Dies gilt natürlich leider auch für die beiden Aliquoten im SW oder auch die Cymbel (die sehr oft repetiert): nach längerem Spielen sind sie sehr ermüdend fürs Ohr am Spieltisch, klirrt irgendwann, aber damit muss man halt leben.)
Das Hautbois ist heißt Oboe, es war nie ein Hautbois, sondern von der Bauweise eine Schalmey-Oboe. Am Spieltisch knallt sie gewaltig (wie eine Trompete), im Raum sie dann abgemildeter.
Durch der Wechsel der Quinte 1 1/3’ ins Hauptwerk als Septime war jetzt eine Lade frei. Die Gelegenheit wurde genutzt, die Cymbel auf die auf Lade der Quinte zu stellen, und die Oboe auf die der Cymbel. Dies hat jetzt den Vorteil, daß man besser an die Oboe im engen Kasten zum Stimmen kommt (Cymbel bildete ja bisher den Abschluß).
Da wir noch die Cymbellade freihatten, konnten wir das Schwellwerk um ein weiteres Register ergänzen. Im Septimenthread kam der Vorschlag auf, nach einem 16’ Bordun oder einer 16’ Fußzunge. Dazu muss ich sagen, daß im Schwellwerk (4’ Höhe!) kein Platz dafür ist, auch nicht im Hauptwerk. Auch kam der Vorschlag nach Subkoppeln auf. Abgesehen davon, daß die finanziellen Mitteln für eine Doppeltraktur nicht zur Verfügung standen. macht dies hier nicht soviel Sinn. 1) Die 8’ Füßer ergeben einen sehr breiten raumfüllenden Klang. Dabei ist die Akustik sehr baßlastig und baßverstärkend. Man vermisst hier keinen 16’ beim Spielen in den Manualen. 2) Ich bin ein Freund von Sub/Superkoppeln, es ergeben sich dadurch viele neue Klangmöglichkeiten. Hier kann ich sie aber schlecht anwenden: was käme mit einer Subkoppel an Breiklang aus dem schon sehr engen Schwellwerk raus: es wäre nur noch undifferenzierbare Masse. Ich stelle mir gerade die 8’ 4’ 2’ im SW vor, dabei Subkoppel, geht nicht. Das klingt so, als würden 10 Leute sich in einen Mini quetschen. Dabei knallt der ganze Klang gegen die gegenüberliegende Wand... 3) ein 16’ Fuß im SW (angenommen wäre trotz der Größe des SW möglich) würde das SW einfach ersticken. Vielleicht sehen andere Leute dies anders, dies ist aber der Standpunkt, den ich vertrete.
Als Lösung bot sich für mich ein Clairon/Klarine 4’, da es die Klangmöglichkeiten um einiges erweitert. 1) steht es im SW, mit der Oboe zusammen hat man einen schönen Zungenchor, der durch die Schwellwirkung dynamisch ist 2) Es setzt dem Tutti des SW noch eine schöne „Krone“ auf 3) um eine Oktave transponiert hat man eine schöne klarzeichnende Solo-Trompete und ist darüberhinaus ins Pedal gekoppelt als cf verfügbar. Es ergänzt gut die Trompete im Hauptwerk.
Jetzt beim Probespielen der Orgel fiel mir auf, daß diese Klarine die Orgel um beachtliche Möglichkeiten erweitert hat und ich möchte sie jetzt schon nicht missen.
To be continued (Pedal und Spieltisch). Ich hoffe es ist nicht ein zu langer Roman geworden;-)
Grüße, Christophe
Hier ein paar Photos vom SW:
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und SW voll!
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- Celesta Kevelaer - JSBach, 22.10.2012, 13:49
- Celesta Kevelaer - ChristopheKnabe, 22.10.2012, 13:13
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- Konzertprogramm Otto Krämer am 28. Oktober, 17:00 Uhr - ChristopheKnabe, 23.10.2012, 11:06
- Schluß Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach - JSBach, 23.10.2012, 05:32
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- OT Hausorgel, war: Traktur - fluteceleste, 24.10.2012, 16:23
- OT Hausorgel, war: Traktur - ChristopheKnabe, 24.10.2012, 10:21
- Traktur - Hausorgler, 24.10.2012, 09:53
- Traktur - ChristopheKnabe, 24.10.2012, 10:41
- OT Hausorgel, war: Traktur - Benjamin Danner, 24.10.2012, 09:13
- Traktur - ChristopheKnabe, 23.10.2012, 20:49
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