Prospektgestaltung - Neues ohne Provokation

BourdonCéleste, Mittwoch, 15. Dezember 2010, 23:07 (vor 5738 Tagen) @ Friedrich

Hi Friedrich :-)

Nr. 1: Ganz knallig, steht aber etwas unverbunden vor der strengen Wandgliederung; könnte insofern auch überall und nirgends stehen, und würde in der hier angepeilten Dimension wohl etwas klein wirken. Wäre es nicht besser, die Wandgliederung aufzugreifen, etwa mit einem geschlossenen Kranzgesims, und so den Gehäusekasten zum Schweben zu bringen? Wie das bei Nr. 2 so schön funktioniert?

Zu Nr. 1: Ja, nachdem mir der Raum gar nicht gefiel, habe ich in der Tat was für sich selbst sprechendes, dafür aber auch "universal passendes" gezeichnet, das wir tatsächlich später auch für ein weiteres Angebot "recycled" haben:

[image]

Nr. 2: Greift gut den Rhythmus der Fensterchen (?) auf und hat schöne Proportionen, aber die Farbgestaltung Silberweiß-Blau finde ich etwas küchig-kalt und beinahe modisch. It's so Eighties.

Dazu muss man wissen, dass alle Pfeifen VOR dem Gehäuse hängen, unten zugelötet mit einer versteckten Windversorgung von hinten auf Höhe der Labien, geführt durch einen doppelten Fuß. Also keine sichtbaren Kondukten wie in der Berliner Philharmonie, sondern vollkommen versteckt in der Aufhängung. Ebenso bei dem Spiegelprospekt, dessen Pfeifenfüße nahtlos (abgesehen von einer Lötnaht) eineinander übergehen.

Die blauen Fensterimitate (diese Kästchen in der Wand sind in der Tat Fensterchen) sollten als farblose milchiges Glas ausgeführt und mit farbigen (monochromen, aber farbwählbaren) LEDs hinterleuchtet sein. Insgesamt ergibt sich ein geschlossenes Muster mit den echten Fensterchen.

Nr. 3: Schön, die schiefen Pfeifen bräuchte so ein klassischer Entwurf gar nicht.

Fand ich eben schon, nämlich um die Tatsache zu persiflieren, dass es keinerlei Achsen in diesem Raum gibt.

Nr. 4: Wenn ich das Foto richtig verstehe, haben wir's mit einer runden, aber nicht symmetrischen Kirche zu tun. Da finde ich einen betont symmetrischen Orgelkörper nicht passend, zumal wenn er sich eine Brosche in den Schopf steckt. Ich kenne einige Kirchen ähnlicher Art, in denen sich oft eine schwingende Spannung ergibt. Eine symmetrische und auch noch zentral dekorierte Orgel blockiert sie doch ziemlich, die will Mitte sein. Lieber eine stabile, aber offene Form, lieber Asymmetrie -- und lieber keinen Gehäuseschmuck, wenn die Wirkung der Architektur ringsumher ganz auf Raumspannung setzt! So eine Brosche wird dann immer wirken, als würde sie gleich runterfallen.

Im Nachhinein sehe ich das ähnlich. Was man auf der Zeichnung nicht erkennt: Die Orgel hätte weitestgehend transparent sein sollen, gehäuselos mit einem Scheingehäuse aus Glas und/oder Plexiglas, das die Orgel wie einen Geist in diesem skurrilen Raum erscheinen lässt. Alle Holzteile (Laden, Holzpfeifen, Traktur, Bälge etc.) in einer hellgrauen, silbergrauen und weiss changierenden Farbfassung. Ein Geist eben.

Bitte, Du hast gefragt!


Danke für die ausführlichen Antworten :-)

Gruß,
Friedrich


gesamter Thread:

 

powered by my little forum