Vorgestern kam diese DVD/CD Box bei mir an. Für Freunde der franz.rom. Orgelmusik ein Muss. Ich habe bisher nur kurz hineingesehen. Bild und Tonqualität sind m.E. auf sehr sehr hohem Niveau. Auf der Webseite kann man sich über den genauen Inhalt informieren. Sehr vielfältig: Bilder, Dokumente, Innenaufnahmen, Erklärung von Barker, Flute harm., Poikolorgue ... Alles sehr authentisch, bis auf das Zugpferd Olivier Latry mit toller Vorführung und Impro am elektrischen Interimsspieltisch von ND. Er lässt die ganzen Veränderungen von Boisseau und Konsorten weg, et voila da haben wir eine Cavaillé-Coll Orgel. Bei einer anderen Impro scheppern dann die Chamaden und Mixturrepetitionen mit.
![[image]](images/uploaded/2012122919495050df495e9798c.jpg)
The Genius of Cavaillé-Coll
JSBach
, Aachen, Samstag, 29. Dezember 2012, 23:41 (vor 5047 Tagen) @ stein
Kann die Box nur empfehlen...
ich gebe mal eine genauere Inhaltsangabe:
DVD 1: The Genius of Cavaille-Coll (Dokumentation in 3 Teilen)
Part 1: 1811-1840
Grandson of a Classical Organ Builder
Saint-Denis
The Resistance of Air
Cavaille-Coll the Man
Part 2: 1840-1862
Danjou Attacks
Napoleon III and a New Vision of France
Cavaille-Coll and the Salon Organ
Lefebury-Wely and Lemmens
Franck and the Orchestral Organ
The 100 Stop Organ
Part 3: 1862-1899
Widor
Grandeur at Notre Dame; Grand Ideas for the Vatican
Industrialisation and Riches; German Influence and German War
The Symphonic Organ and a Project for Rome
Bankrupts and Oligarchs
Eternity
DVD 2: The Organs of Cavaille-Coll
Basilique-Cathedrale de Saint-Denis
Saint-Louis, Bedarieux
Cathedrale Sainte-Croix d'Orleans (orgue de choeur)
Cathedrale Notre-Dame de Saint-Omer
Saint-Louis d'Antin, Paris
Saint-Sulpice, Paris
Saint-Maurice de Becon, Courbevoie
Cathedrale Notre-Dame de Paris
Saint-Jean-Baptiste, Long-sur-Somme
Cathedrale Sainte-Croix d'Orleans (grand orgue)
Saint Etienne, Elbeuf (orgue de choeur)
Basilique Saint-Sernin, Toulouse
Saint-Ouen, Rouen
Saint-Remy, Selongey
Saint-Antoine des Quinze-Vingts, Paris
DVD 3: Apres Cavaille-Coll
Cathedrale Sainte-Croix d'Orleans (grand orgue)
Basilique Saint-Sernin, Toulouse
Basilique-Cathedrale de Saint-Denis
Saint-Sulpice, Paris
Cathedrale Notre-Dame de Paris
Zu jeder Orgel gibt es mindestens ein Stück (von kleinen 90 Sekunden Stücken aus L'Organist bis hin zu einem kompletten Ad nos von 30 Minuten) und eine Demonstration der Orgel, wo verschiedene Besonderheiten, Register, Geschichte etc. erläutert werden (zwischen 2 und 12 Minuten im Schnitt, St. Denis, St. Sulpice, NDdP 25-40 Minuten jeweils, da inclusive größerer/mehrerer Improvisationen)
The Genius of Cavaillé-Coll
Klingbach, Sonntag, 30. Dezember 2012, 12:01 (vor 5047 Tagen) @ JSBach
Hallo,
die DVD ist einfach nur Klasse.
Zu bedauern ist lediglich, dass das Instrument in der Parr hall in warrington nicht mit einbezogen wurde/ werden konnte.
Dort sind wohl immer noch Diskussionen im Gange, das Instrument aus der hall zu entfernen, mangels Geld/ Interesse und an anderer Stelle (?) aufzustellen.
In einer Randnotiz, die der Sendung der DVD beigelegt war, wurde von weiteren Projekten mit Widor und Franck an Cavaille-Coll Orgeln gesprochen.
Da lacht das Herz.
Klingbach
Orgelprojekt Petersdom in Rom: Buch von Ronald Ebrecht
Cor de Basset, Sonntag, 30. Dezember 2012, 13:40 (vor 5047 Tagen) @ Klingbach
Da in der umfassenden Dokumentation "The Genius of Cavaillé-Coll" auch das Orgelprojekt für St. Peter in Rom thematisiert wird (und dieses Thema ebenfalls hier im Forum diskutiert worden ist), möchte ich auf Ronald Ebrechts 238-seitiges Buch Cavaillé-Coll's Monumental Organ Project for Saint Peter's, Rome - Bigger Than Them All hinweisen, das bereits vor einem Jahr veröffentlicht wurde, in Deutschland aber, wie mir scheint, bislang überhaupt nicht zur Kenntnis genommen worden ist. Ron Ebrecht ist seit seinem Buch über Maurice Duruflé kein Unbekannter mehr.
Orgelprojekt Petersdom in Rom: Buch von Ronald Ebrecht
Karsten, Sonntag, 30. Dezember 2012, 14:00 (vor 5047 Tagen) @ Cor de Basset
bearbeitet von Karsten, Sonntag, 30. Dezember 2012, 14:03
Da in der umfassenden Dokumentation "The Genius of Cavaillé-Coll" auch das Orgelprojekt für St. Peter in Rom thematisiert wird (und dieses Thema ebenfalls hier im Forum diskutiert worden ist), möchte ich auf Ronald Ebrechts 238-seitiges Buch Cavaillé-Coll's Monumental Organ Project for Saint Peter's, Rome - Bigger Than Them All hinweisen, das bereits vor einem Jahr veröffentlicht wurde, in Deutschland aber, wie mir scheint, bislang überhaupt nicht zur Kenntnis genommen worden ist.
Nun ja, zwei der drei auf der Artikelseite zitierten Rezensenten sind deutschsprachig (Philipp Klais, Orgelbau Klais und Stefan Stürzer, Orgelbau Glatter-Götz).
Aber der transkontinentale Rezensionsaustausch ist in der Tat optimierungswürdig, trotz bzw. gerade wegen Internet und der doch recht guten Verfügbarkeit der Bücher.
Gruß
Karsten
Orgelprojekt Petersdom in Rom: Buch von Ronald Ebrecht
Cor de Basset, Sonntag, 30. Dezember 2012, 14:29 (vor 5047 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Cor de Basset, Sonntag, 30. Dezember 2012, 14:38
Da in der umfassenden Dokumentation "The Genius of Cavaillé-Coll" auch das Orgelprojekt für St. Peter in Rom thematisiert wird (und dieses Thema ebenfalls hier im Forum diskutiert worden ist), möchte ich auf Ronald Ebrechts 238-seitiges Buch Cavaillé-Coll's Monumental Organ Project for Saint Peter's, Rome - Bigger Than Them All hinweisen, das bereits vor einem Jahr veröffentlicht wurde, in Deutschland aber, wie mir scheint, bislang überhaupt nicht zur Kenntnis genommen worden ist.
Nun ja, zwei der drei auf der Artikelseite zitierten Rezensenten sind deutschsprachig (Philipp Klais, Orgelbau Klais und Stefan Stürzer, Orgelbau Glatter-Götz).
Aber der transkontinentale Rezensionsaustausch ist in der Tat optimierungswürdig, trotz bzw. gerade wegen Internet und der doch recht guten Verfügbarkeit der Bücher.Gruß
Karsten
Aber ganz erheblich optimierungswürdig! Es ist schon traurig genug, dass so manche deutschen Kollegen noch nicht einmal wissen, wofür die Abkürzungen "AGO" (American Guild of Organists) oder "TAO" (The American Organist; monatliche Zeitschrift der AGO) stehen.
Bezüglich der beiden deutschen Rezensenten (Ph. Klais & S. Stürzer) kann ich mich nicht erinnern, dass ihre Beiträge in einer Fachzeitschrift zu lesen waren, weder hierzulande noch "abroad". Vielleicht waren es private Zuschriften an den Autor oder den Verlag?
Hinsichtlich der mangelhaften Rezeption englischsprachiger Orgel-Fachliteratur in Deutschland spricht ein Blick auf die Buchabteilung des OHS Catalog Bände. Einige Lesetipps zur Auswahl - die meisten Bücher dürften in Deutschland per Fernleihe verfügbar sein:
Ronald Ebrecht: Cavaillé-Coll's Monumental Organ Project for Saint Peter's, Rome
Barbara Owen: The Great Organ at Methuen
In the Organ Lofts of Paris by Frederic B. Stiven (annotated and edited by Rollin Smith)
John R. Near: Widor: A Life Beyond the Toccata
Wm. A. Little: Mendelssohn and the Organ
Rollin Smith: Playing the Organ Works of César Franck
Rollin Smith: Toward an Authentic Interpretation of the Organ Works of César Franck
French Organ Music from the Revolution to Franck and Widor
Rollin Smith: Stokowski and the Organ
Joel Speerstra: Bach and the Pedal Clavichord
Organ Loft Whisperings: Paris 1893-94
Christopher Anderson: Max Reger and Karl Straube: Perspectives on an Organ Performing Tradition
Music in the Marketplace: The Wanamaker Organ
Ronald Ebrecht: Maurice Duruflé, 1902-1986: The Last Impressionist
Rollin Smith: Louis Vierne: Organist of Notre Dame
Graham Steed: Organ Works of Marcel Dupré
Michael Murray: French Masters of the Organ
Fenner Douglass: The Language of the Classical French Organ
Fachliteratur
Karsten, Montag, 31. Dezember 2012, 11:28 (vor 5046 Tagen) @ Cor de Basset
bearbeitet von Karsten, Montag, 31. Dezember 2012, 11:43
Aber ganz erheblich optimierungswürdig! Es ist schon traurig genug, dass so manche deutschen Kollegen noch nicht einmal wissen, wofür die Abkürzungen "AGO" (American Guild of Organists) oder "TAO" (The American Organist; monatliche Zeitschrift der AGO) stehen.
Es erscheint mir wenig konstruktiv zu sein, hier irgend einer Ozeanseite Vorwürfe zu machen. Es stellt sich immer auch die Frage, ob ein Kirchenmusiker in Europa solche Zeitungen und Bücher, geschweige denn deren Inhalt, kennen muss. Die Zielgruppen und die Strukturen, in denen sie Wirken, sind schon sehr unterschiedlich. Man kann sich ja auch mal die Mitgliederverteilung der GdO nach Ländern anschauen...
Interessanter wird solche Fachliteratur erst für "Spezialisten", die sich für ein bestimmtes Teilgebiet aus wissenschaftlichem (Bachelor-, Master- oder Doktor/PhD-Arbeiten) oder spielpraktischem Interesse dafür interessieren.
Überspitzt ausgedrückt: lohnt es sich für einen Kirchenmusiker 90 Euro für ein Franck-, Dupré- oder Vierne-Buch ausgeben, nur um in seiner (alten) Notenausgabe anhand der Fehlerlisten im Anhang ein paar Vorzeichen oder sonstige Drekfuhler auszubessern, wenn sowieso zig andere kleine "Patzer" passieren, weil er eh keine ausreichend Übezeit hatte, die Stücke für die Gottesdienste am Wochenende intensiv, wie er es vielleicht wirklich gewünscht hätte, vorzubereiten oder ihm die Hälfte des Chores beim Nachspiel dankbar auf die Schulter klopfen, wie toll es doch war und einen schönen Sonntag wünschen ;)
Kurze Zwischenanfrage an die praktizierenden Mitleser:
Wer wurde denn mal nach einem Gottesdienst von einem Besucher gefragt, aus welcher Ausgabe er das Stück von Bach/Buxtehude/Vierne/XY/... zur Kommunion/Auszug gespielt hat?
Wenn man so manche aktuelle Wettbewerbsanekdoten mitbekommt, fragt man sich, wieso man selbst als angehender "Virtuose" sich textkritisch mit den Werken auseinander setzen sollte, wenn diese Erkenntnisse aufgrund der verkrusteten Jury-Mentalität abgeschmettert werden: "Ja, schön, dass sie sich Mühe gemacht haben, die Autographe zu studieren, aber das steht nun mal so nicht in meiner Ausgabe...".
Was die US-amerikanische Orgellandschaft angeht, so halte ich beispielsweise Hielschers Buch "Berühmte Orgeln der USA" erst einmal für völlig ausreichend. Wer sich dann für bestimmte Orgeln noch intensiver interessiert, kann ja imemr noch die umfangreichen und äußerst lesenswerten Monographien zu den Orgeln im Wanamaker-Store, Mormon Tabernacle oder Atlantic City besorgen. Finden und ordern kann man sie ja.
In Deutschland kann man allerdings vom Glück sagen, dass man in den (weiterführenden) Schulen wenigstens Fremdsprachen einigermaßen gut lernt und je nach dem mit englischsprachiger (immerhin wissenschaftlicher Standard) oder französischer Literatur überhaupt was anfangen kann bzw. einigermaßen problemlos jemnden findne kann, der beim Übersetzen helfen kann. In den anderen Ländern, insbesondere den USA, scheint mir das nicht so der Fall zu sein ("Wieso sollte man als Engländer orde rAmerikaner eine Fremdsprache lernen, wenn alle Englisch können?" ;) ). Kein Wunder, dass dann umgekehrt deutschsprachige Fachliteratur ignoriert wird.
Das krasseste Beispiel,das mir mal begegnet ist, war eine amerikanische D.M.A.-Arbeit über Karg-Elerts BACH-Passacaglia. Der/Die VerfasserIn analysierte in dieser Arbeit das Werk als "typisches Beispiel" eines Karg-Elert-Großwerks. In der ganzen Arbeit wird allerdigns kein Sterbenswörtchen über die nebulöse Entstehungsgeschichte und Fassungen des Werkes verloren. Das Werk exisitiert nur in Bearbeitungen von Piersig und Stockmeier, die Originalfassung von Karg-Elert ist verschollen. Diese Problematik wird in so gut wie jedem CD-Booklet zumindest erwähnt und sollte jemanden, der sich intensiv mit dem Stück beschäftig, irgendwann mal "über den Weg gelaufen" sein. Unfassbar, dass gerade dieses Werk dann als "typisch Karg-Elert" ausgewählt und wie ein "originaler" Karg-Elert behandelt wurde. Und das (trotz der bedauerlichen Subjektivismen) Standardwerk über Karg-Elerts Orgelwerke von Günter Hartmann - deutschsprachig - erscheint in der Literaturliste leider überhaupt nicht.
Gruß
Karsten
Fachliteratur
Cor de Basset, Montag, 31. Dezember 2012, 13:46 (vor 5046 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Cor de Basset, Montag, 31. Dezember 2012, 13:59
Es erscheint mir wenig konstruktiv zu sein, hier irgend einer Ozeanseite Vorwürfe zu machen. Es stellt sich immer auch die Frage, ob ein Kirchenmusiker in Europa solche Zeitungen und Bücher, geschweige denn deren Inhalt, kennen muss. Die Zielgruppen und die Strukturen, in denen sie Wirken, sind schon sehr unterschiedlich. Man kann sich ja auch mal die Mitgliederverteilung der GdO nach Ländern anschauen...
Ich habe mich mit keinem Wort auf Kirchenmusiker bezogen. Es gibt (auch in Deutschland) genügend Organistinnen und Organisten, die an keine Kirchenstelle gebunden sind oder an Wettbewerben teilnehmen, sondern hauptberuflich einer Konzerttätigkeit nachgehen und mehr Geld verdienen als mit jeder kirchenmusikalischen Anstellung.
Die Gesellschaft der Orgelfreunde hat bei weitem keine vergleichbare internationale Bedeutung oder auch nur annähernd den Einfluss, die Öffentlichwirksamkeit oder auch eine organisatorische Struktur wie die American Guild of Organists, die bereits seit 1896 existiert, und nach deren Vorbild 1951 die GdO in Ochsenhausen gegründet wurde. Somit erschließt sich mir leider nicht der Sinn Deines Verweises auf die Mitgliederverteilung der GdO nach Ländern.
In Deutschland kann man allerdings vom Glück sagen, dass man in den (weiterführenden) Schulen wenigstens Fremdsprachen einigermaßen gut lernt und je nach dem mit englischsprachiger (immerhin wissenschaftlicher Standard) oder französischer Literatur überhaupt was anfangen kann bzw. einigermaßen problemlos jemnden findne kann, der beim Übersetzen helfen kann. In den anderen Ländern, insbesondere den USA, scheint mir das nicht so der Fall zu sein ("Wieso sollte man als Engländer orde rAmerikaner eine Fremdsprache lernen, wenn alle Englisch können?" ;) ). Kein Wunder, dass dann umgekehrt deutschsprachige Fachliteratur ignoriert wird.
Schade, dass hier ein weitverbreitetes Klischee unkritisch verbreitet wird. Es ist nicht besser als das klassische Vorurteil nicht weniger Deutscher, dass doch die meisten Amerikaner so fett seien. Ich habe nicht den Eindruck, dass Du "drüben" viel Zeit verbracht hast, sonst würdest Du etwas anderes schreiben. Die Behauptung, dass deutschsprachige (und andere fremdsprachige Fachliteratur) in den USA ignoriert wird, entspricht nicht der Realität, und schon gar nicht dem wissenschaftlichen Hochschul-Alltag. Dein Karg-Elert-Beispiel ist ein möglicher Fall, aber eher eine bedauerliche Ausnahme, wenn Du existierende wissenschaftliche Arbeiten im Fach Orgel einmal in größerem Rahmen studieren wirst. Die wissenschaftliche Qualität eines Christopher Anderson (Max Reger), John Near (Widor) oder Rollin Smith (Vierne, Saint-Saens, Franck…), um nur einige Namen exemplarisch zu erwähnen, sucht man in Deutschland oder Frankreich bis heute jedenfalls vergeblich.
Es gibt übrigens noch heute viele deutsche Organistinnen und Organisten in Deutschland (nicht KirchenmusikerInnen, sondern Konzertorganistinnen und -organisten!), denen überhaupt nicht klar ist, dass die Orgelwelt nicht "eurozentriert" ist, sondern dass andere lebendige und umfassende "Orgelkulturen" auch außerhalb der europäischen Landesgrenzen existieren, sei es im Orgelbau, im Bereich der Orgelmusik, im wissenschaftlichen und pädagogischen Bereich, und nicht zuletzt auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit und "Fundraising" beim Thema "Orgel".
Fachliteratur
Karsten, Montag, 31. Dezember 2012, 14:28 (vor 5046 Tagen) @ Cor de Basset
bearbeitet von Karsten, Montag, 31. Dezember 2012, 14:42
Ich habe mich mit keinem Wort auf Kirchenmusiker bezogen. Es gibt (auch in Deutschland) genügend Organistinnen und Organisten, die an keine Kirchenstelle gebunden sind oder an Wettbewerben teilnehmen, sondern hauptberuflich einer Konzerttätigkeit nachgehen und mehr Geld verdienen als mit jeder kirchenmusikalischen Anstellung.
Sicher, aber das scheint mir immer noch eine kleine Minderheit in Deutschland. Und die schloss ich ja in meiner Bemerkung "Spezialisten" ausdrücklich als Zielgruppe solcher Literatur ein. Wenn man nun in Deutschland grundsätzlich die Rezeption der englischsprachigen Fachliteratur bemängelt (und dann gerade hier Lesetipps gibt), dann richtet sich die Kritik wohl auch (!) auf die "breite Masse" der in Deutschland vorhandenen Kichenmusiker. Zumindest habe ich das so verstanden.
Die Gesellschaft der Orgelfreunde hat bei weitem keine vergleichbare internationale Bedeutung oder auch nur annähernd den Einfluss, die Öffentlichwirksamkeit oder auch eine organisatorische Struktur wie die American Guild of Organists, die bereits seit 1896 existiert, und nach deren Vorbild 1951 die GdO in Ochsenhausen gegründet wurde. Somit erschließt sich mir leider nicht der Sinn Deines Verweises auf die Mitgliederverteilung der GdO nach Ländern.
Es ging mir um sprach- und landesspezifische Beispiele. Die GdO ist eben auf den deutschsprachigen Raum gemünzt, die AGO auf die USA. Das spiegelt sich eben auch in der Mitgliederverteilung wider.
Beide Organisationen sind in der Tat nur bedingt verleichbar, und eben deshalb auch mein Einwand, dass es für den "Durchschnitts-Orgelfan" hier nur von bedingten Nutzen/Interesse ist, in solchen anderen Vereinigungen dort Mitglied zu sein oder sich damit intensiv zu beschäftigen (wenn man nicht eben sowieso ein eigenes, spezifisches Interesse hat).
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Schade, dass hier ein weitverbreitetes Klischee unkritisch verbreitet wird. Es ist nicht besser als das klassische Vorurteil nicht weniger Deutscher, dass doch die meisten Amerikaner so fett seien. Hättest Du einige Zeit "drüben" gelebt, würdest Du etwas anderes schreiben. Die Behauptung, dass deutschsprachige (und andere fremdsprachige Fachliteratur) in den USA ignoriert wird, entspricht nicht der Realität, und schon gar nicht dem wissenschaftlichen Hochschul-Alltag. Dein Karg-Elert-Beispiel ist ein möglicher Fall, aber eher eine bedauerliche Ausnahme, wenn Du existierende wissenschaftliche Arbeiten im Fach Orgel einmal in größerem Rahmen studieren wirst. Die wissenschaftliche Qualität eines Christopher Anderson (Max Reger), John Near (Widor) oder Rollin Smith (Vierne, Saint-Saens, Franck…), um nur einige Namen exemplarisch zu erwähnen, sucht man in Deutschland oder Frankreich bis heute jedenfalls vergeblich.
Verzeihung für den nicht explizit angegebene Ironiemodus.
Natürlich, in ernsthaften Publikationen (wie den genannten) wäre es hanebüchen, wenn beispielsweise über die französische Orgelszene geschrieben wird, keine französische (Original-)Literatur zu zitieren. Sprachkenntnisse sind das eine, Auswertung fremdsprachiger Fachliteratur das andere.
Ich war leider noch nicht "drüben" in den USA, mir reichen, was Sprachkenntnisse angeht, völlig die Erlebnisse mit so manchem der zahlreichen Austauschstudenten und -Dozenten aus aller Welt (inkl. USA) an einer deutschen Universität. Zugegeben nicht im musikwissenschaftlichen Bereichen.
Gruß
Karsten
Fachliteratur
kjz1, Montag, 31. Dezember 2012, 20:29 (vor 5045 Tagen) @ Karsten
Es ging mir um sprach- und landesspezifische Beispiele. Die GdO ist eben auf den deutschsprachigen Raum gemünzt, die AGO auf die USA.
Wobei mir auch die Ausrichtung eine andere zu sein scheint. Die AGO erscheint mir mehr als eine 'Organisten-Gewerkschaft', also ein Berufsverband als Interessenvertretung mit sehr vielen Profi-Musikern. Die GdO hat mehr den Fokus (wie im Namen) auf Orgelfreunde, also Orgelliebhaber.
Mich würde mal der Anteil an hauptamtlichen Kirchenmusikern in beiden Gesellschaften interessieren.
Viele Grüße,
- Karl-Josef
Fachliteratur
Orlos, Montag, 31. Dezember 2012, 14:46 (vor 5045 Tagen) @ Cor de Basset
Den Satz "Die wissenschaftliche Qualität eines Christopher Anderson (Max Reger), John Near (Widor) oder Rollin Smith (Vierne, Saint-Saens, Franck…), um nur einige Namen exemplarisch zu erwähnen, sucht man in Deutschland oder Frankreich bis heute jedenfalls vergeblich." finde ich etwas forsch.
Als ich meine Doktorarbeit über die Orgelwerke von Louis Vierne geschrieben habe, konnte ich sehr viel Literatur zusammentragen, aber Smith schreibt eher über das "Drumherum", weniger zu den Werken selbst. Das mag auch wissenschaftlich sein, ist aber eben ein anderer Ansatz als der analytische. Trotzdem waren auch die meisten analytischen Werke über Viernes Orgelstücke in den USA entstanden, weil eben viele amerikanische Organisten sich damals in Paris umgetan haben und universitäre Abschlussarbeiten in den USA viel häufiger sind als in Frankreich, wo sich die Musikwissenschaft noch an früheren Epochen abarbeiten muss. Übrigens war es gar nicht einfach, an diese Uni-Arbeiten heranzukommen, diese Arbeiten sind oft gar nicht gedruckt worden. Das gilt aber auch für deutsche Diplom-Arbeiten, da konnte ich eine sehr gute über Umwege in die Finger bekommen.
Ich fand es putzig, über einen französischen Komponisten zu forschen und dabei viel mehr amerikanische als französische Artikel und Bücher lesen zu müssen.
Wer sich weniger um die Analyse kümmern will, ist im Falle Viernes immer noch am besten mit Rollin Smith bedient, hier gibt es alles über das Umfeld und die beteiligten Personen zu erfahren. Das Buch ist auch in einigen deutschen Bibliotheken vorrätig.
Fachliteratur
Karsten, Montag, 31. Dezember 2012, 15:46 (vor 5045 Tagen) @ Orlos
Als ich meine Doktorarbeit über die Orgelwerke von Louis Vierne geschrieben habe, konnte ich sehr viel Literatur zusammentragen, aber Smith schreibt eher über das "Drumherum", weniger zu den Werken selbst. Das mag auch wissenschaftlich sein, ist aber eben ein anderer Ansatz als der analytische.
Das ist das entscheidende: es gilt in der Wissenschaft, die zahlreiche Fachliteratur zu sichten und dann das passende für den eigenen Arbeitsschwerpunkt auszuwerten. Und auf wissenschaftlich-akademischer Seite sollte dieser Forschungsüberblick eben im Idealfall umfassend sein.
Für den kulturwissenschaftlichen Hintergrund und praktische Notenkorrektur ist Rollin Smiths Vierne-Buch eine goldgrube, für die musikwissenschaftlich Analyse eben nur sehr bedingt.
Trotzdem waren auch die meisten analytischen Werke über Viernes Orgelstücke in den USA entstanden, weil eben viele amerikanische Organisten sich damals in Paris umgetan haben und universitäre Abschlussarbeiten in den USA viel häufiger sind als in Frankreich, wo sich die Musikwissenschaft noch an früheren Epochen abarbeiten muss. Übrigens war es gar nicht einfach, an diese Uni-Arbeiten heranzukommen, diese Arbeiten sind oft gar nicht gedruckt worden. Das gilt aber auch für deutsche Diplom-Arbeiten, da konnte ich eine sehr gute über Umwege in die Finger bekommen.
Ja das ist nun mal leider so. Gerade was Geisteswissenschaften angeht, gibt es in Deutschland, was die (Online-)Verfügbarkeit von Arbeiten etc. angeht, noch eine Menge aufzuholen. Ich für meinen Teil tue daher auch mein Möglichstes, bei Anfragen und Suchen nach Fachartikeln oder ähnlichem behilflich zu sein, wo es nur geht. Man hofft halt auf das Gute im Menschen und dass man es irgendwann mal "zurückbekommt". :)
Ich fand es putzig, über einen französischen Komponisten zu forschen und dabei viel mehr amerikanische als französische Artikel und Bücher lesen zu müssen.
Der Prophet gilt bekanntlich nichts im eigenen Lande ;) Und die französischen Romantiker mussten sich ebenso durch die französische "Orgelbewegung" hindurchretten wie Reger & Co hierzulande. Immerhin wurde 1992 den Vierne-Sinfonien auch mal eine L'Orgue-Ausgabe gewidmet...
Gruß
Karsten
Fachliteratur
Karl-Bernhardin Kropf, Montag, 31. Dezember 2012, 14:52 (vor 5045 Tagen) @ Cor de Basset
Ich habe mich mit keinem Wort auf Kirchenmusiker bezogen. Es gibt (auch in Deutschland) genügend Organistinnen und Organisten, die an keine Kirchenstelle gebunden sind oder an Wettbewerben teilnehmen, sondern hauptberuflich einer Konzerttätigkeit nachgehen und mehr Geld verdienen als mit jeder kirchenmusikalischen Anstellung.
Kann mir nicht vorstellen, dass jemand als Organist in Deutschland ohne Lehr- und Kirchentätigkeit mein Gehalt (zwar A-Stelle, aber Ost) erreicht???? Vielleicht bin ich ja inzwischen total uninformiert oder lese eben doch die falschen Zeitungen...;-)
Oder war an eine katholische Küster/D-Stellenkombination gedacht?
Soll aber jetzt keine weitere Aufregung verursachen, zumal ich die Diskussion des Themas schon in Ordnung finde - ich kann beiden Positionen etwas abgewinnen.
Fachliteratur
C.B., Dienstag, 01. Januar 2013, 11:01 (vor 5045 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Kann mir nicht vorstellen, dass jemand als Organist in Deutschland ohne Lehr- und Kirchentätigkeit mein Gehalt (zwar A-Stelle, aber Ost) erreicht???? Vielleicht bin ich ja inzwischen total uninformiert oder lese eben doch die falschen Zeitungen...;-)
Naja, vlt. als Continuo-Spieler in der Weihnachtszeit, wenn man sehr viel Glück hat ;-)…ansonsten wohl eher nicht.
Die Konzertorganisten die mir spontan einfallen, sind allesamt entweder Stelleninhaber, oder solche - meistens Jüngere - die sich eben darum bemühen.
Und ob es in den USA wirklich mehr anstellungslose Konzertorganisten bzw. Organisten mit Konzerttätigkeit als Hauptberuf gibt als in Europa, wage ich zu bezweifeln – wohlweislich, dass ich u.U. nicht alle amerikanischen Namen kenne.
Ein frohes neues Jahr,
CB