Die Orgel der ev.Kirche/Duisburg-Meiderich

Karl-Bernhardin Kropf, Montag, 04. März 2013, 08:00 (vor 4977 Tagen) @ Friedrich

Trompeten in Haupt- und Schwellwerk sind im Gegenteil eigentlich typisch für Klotz, ab einer gewissen Größe - das Beispiel Antoniterkirche Köln hatten wir ja gerade.

Ah, ja!

Seine Musterdisposition im BvdO, die zu dem beigelegten Orgelquerschnitt (mit eingezeichneten Seilzugtrakturen) gehörte, lautete:

I. Rückpositiv
Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2', Zimbel III, Krummhorn 8'

II. HW
Bordun 16', Prinzipal 8', Rohrflöte 8', Oktave 4', Spitzflöte 4', Nachthorn III 2 2/3' (= Cornet III), Mixtur IV 2', Rauschzimbel III (IV?), Trompete 8'

III. SW
Holzflöte 8', Viola di Gamba 8', Prinzipal 4', Scharf VI 1 1/3', Dulzian 16', Trompete 8'

Pedal
Subbass 16', Offenbass 8', Choralbass 4', Rauschpfeife IV 2 2/3', Posaune 8'

Heute denke ich immer noch: Nicht übel für eine Minimaldisposition, da steckt eine Menge Reflexion dahinter – und genaue Kenntnis aller europäischen Orgelbautraditionen, die englische eingeschlossen.

Rückpositiv, zwei 4'-Prinzipale, Cromorne und Cornet auf I bzw. II, drei Zungenplena (plus Pedal), vier Prinzipalplena, fünf Flötenbauarten (Metallgedackt, Holzgedackt, Rohr-, Spitz-, Offene Flöte), Streicher, ein Schwellwerk mit »Full-Swell«-Fähigkeit – das ist doch deutlich mehr, als man gemeinhin von 25 Registern erwarten darf. Wenn dann noch ein guter Intonateur dran ist, wäre das doch nicht schlecht. Wurde aber, soweit ich weiß, nie so umgesetzt – oder weiß jemand da etwas anderes?

Allerdings finde ich, dass der Dulzian eine etwas schwere Bürde trägt als einzige 16'-Zunge, die sowohl dem Schwellwerk Gewicht geben soll als auch den lingualen 16' im Pedal vertreten können muss und doch eigentlich, gegenüber dem Krummhorn, die zartere Variante der zylindrisch-vollbecherigen Bauweise ist. Eine 8'-Posaune neben zwei weiteren Trompeten lässt schon auf einen nicht ganz so kleinen Raum schließen. Vielleicht würde man da heute eher einen Basson mit gekröpften Bechern voller Länge wählen. Damit würde die Orgel allerdings einen deutlich romantischeren Drall bekommen, und das Rückpositiv rückte auf einen etwas verlorenen Posten.

Nee, das war schon gut überlegt. Da darf man doch den einen oder anderen Hut ziehen.

Gruß,
Friedrich

Nun, Dulzian kann in der Praxis ja viel bedeuten. Der Dulzian 16' im I. Manual der Schuke(Berlin)-Unterrichtsorgel im Raum 2.22 in Lübeck klang besser als manches, was draußen als "Posaune" bezeichnet wurde. Natürlich sehr leise, aber trotzdem. Neben der herrlichen 32'-Posaune der Marcussen-Orgel im Dom zu Odense waren diese beiden Stimmen diejenigen, die mich von der im Orgelbauunterricht (oder nur am Disponententstammtisch?) ideologisierten extremen Bewertung der vollen Becherlänge abbrachten.

Aber der Würdigung von Klotzens Gedanken schließe ich mich an, sie sind mir halt, da stets außerhalb seiner Wirkungszone, nicht so präsent gewesen, und das Buch besitze ich wohl nicht....


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