Dom zu Gurk

Karl-Bernhardin Kropf, Dienstag, 19. März 2013, 07:03 (vor 4961 Tagen) @ Florian-L

Na, es ist zu hoffen, dass nachher eben NICHT alles gespielt wird, was in anderen Domen zu hören ist. "Dome in Concert" als CD-Titel sollte auch noch mal überlegt werden, aber Fremdsprachen sind nicht so das Thema meiner Landsleute dort...

Die Chororgel wurde von Orgelliebhabern schon zu ihrer Entstehungszeit als Skandal empfunden, zumal dafür historisches frühbarocke Material - verbogene Prospektpfeifen sind noch in Alois Forers "Orgeln in Österreich" zu sehen - zugunsten einer Katalogteil-Montage vernichtet wurde. Das Krpyta-Positiv ist ein Serienmodell des ehemaligen Regionalmonopolisten.

Zur Chororgel gibt es die Geschichte vom Papstbesuch 1988 - Johannes Paul II. betete in der Krypta, unterdessen sollte der Grazer Domorganist Emanuel Amtmann "oben" an der Chororgel improvisieren. Wir Zuhörenden fanden die Musik sehr reduziert, historisierend und etwas "dünne", aber nicht unangemessen.
Nachher kam raus, dass durch die hohe Stromlast der TV-Scheinwerfer einige Sicherungen rausgeflogen waren und eines der beiden Gebläse ausfiel - wodurch nur mehr die Pedal-Seite Wind hatte! Die Impro war also nur mit den Füßen realisiert worden - Respekt!

Zur Haupt-Orgel hieß es früher, sie wäre von Franz Xaver Chrisman, dem Erbauer der St. Florianer ("Bruckner"-)Orgel...??

Meine Lehrerin in den 80ern, Annemarie Groysbeck, geriet beim Thema Gurk stets ins Schimpfen. Es soll eine Konstellation möglich geworden sein, dass die eine Orgel von Metzler, die andere von Ahrend restauriert worden wäre (so etwa meine Erinnerung), aber Lokalentscheider und Lobbyarbeit des Monopolisten hätten dies gekippt, mit dem erwähnten Ergebnis.

Die Hauptorgel müsste sicherlich sorgfältig und aufwändig restauriert werden, da aber so lange nichts passiert ist, gibt es vermutlich eine gute Ausgangslage.
Eine Holzhey- oder Gabler-Orgel wird's am Ende wohl nicht werden.

Und vorne? Man könnte die beiden Chororgelgehäuse nach aktueller Mode füllen und, wenn die Seitenschiffe nicht beeinträchtigt werden (was ich mir aber nicht vorstellen kann), in der Tiefe "andicken", so dass eine Art zersägte CC-Chororgel entsteht.
Hier fand ich ein Bildvon einem Seitenschiff, man sieht die Gehäuserückwand. Also, viel geht da nicht mehr rein...


Aber eine ganz andere Frage, die scheinbar weiter ungelöst ist:
WER soll denn auf qualifizierten Orgeln dort als ständige Kraft Musik machen? Diese Frage wurde in Gurk jedenfalls bis in die 90er, die ich noch halbwegs überblickte, nahezu völlig verdrängt, in bester katholischer Manier.

Die Kirche ist zwar höchst bedeutend, aber eigentlich doch recht klein. Daher also nochmals die Hoffnung, dass NICHT die typische Domorgelmusik angestrebt werde. Im nahen Dom zu Klagenfurt hat der "kathedralmusikalische Anspruch" in Verbund mit Raumgröße und Emporengestaltung auch zum weitestmöglichen Spagat geführt. Eigentlich war das nur eine mittelgroße Jesuitenkirche, sollte nun aber auch quasi Dupré-tauglich sein.


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