Bewertung Improvisation

jbraki, Dienstag, 16. April 2013, 09:32 (vor 4934 Tagen) @ Orgellehrling

Hallo,

ist schwierig - und dennoch - auch nicht.

Das Volk während eines Gottesdienstes kann viel zu wenig bewerten.
Ein vernünftiges Thema oder eine vorwegnahme des ersten Liedes - mit etwas Feingefühl umgesetzt und dem Anlass entsprechend umgesetzt - und schon sollte man auf dem richtigen Weg sein.

Im GD spiel ich sicher alles andere als perfekt. Breche oft genug die Form bei der Impro. Moduliere fast gar nicht oder zu wenig.
ABER - sehr oft kommt trotzdem extrem positives Feedback - über das tolle Kommunionstück oder den rauschenden Auszug.
Kompliment genug ist sicher für jeden von uns - wenn danach gefragt wird, wer das tolle Stück denn komponiert hat!
Die Leute bekommen sehr wohl mit wenn man versucht dem Anlass angemessen was besonderes zu machen. Doch deren Bewertungsmassstab ist ein anderer. Auch wenn vielleicht manch Orgelprofi die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde weil es technisch nicht perfekt war.

Im GD muss man nicht in alle Tonarten transponieren. Nicht die wildesten Motive fugentechnisch abarbeiten.
Das gewählte Vorstellungsbild - sei es barock oder romantisch - versuchen durchzuhalten. Das Motiv nach Möglichkeit sauber darstellen. Vielleicht 1-2 Varianten einbauen. Was wollen wir denn in 1-2 Minuten alles abliefern - eine ganze Suite - unmöglich.
Beispiel: im Buxtehude Stil mit nur zwei Akkorden was machen - das geht und klingt sogar toll - hätte ich nie für möglich gehalten.

Anders das Konzert - hier gibt es sicher andere Masstäbe.
Hier sollten klare Themen - klare Ausarbeitungen - Sätze - harmonische Wendungen Pflicht sein.
UND - je wilder, je virtuoser = umso besser - NEIN - da kann ich nicht zustimmen.

Da gibt es die technischen Wunderspieler - Latry & Co.
Ein Wunder was die Zaubern - da fliegen die Finger - aber ist das auch immer schön.
Ist das auf den kirchlichen Bezug - würdige Musik zu machen wirklich schön (anzuhören).

Bei vielen Impros deren Grundlage ein musikalischer "Rausch" ist, bin ich leider nicht der Meinung - aber das ist "meine" Meinung.
Das Können des Interpreten will ich hier überhaupt nicht in Frage stellen.

So sind manch einfachere, saubere Impros der ganz Großen für mich persönlich viel schöner anzuhören. Haben mehr Würde und dienen - selbst im Konzert - auch dazu, letztendlich Gott zu dienen und die Herzen zu bewegen - vor allem wenn es kirchliche Themen sind.

als persönlicher Vergleich:
Latry oder Philipp Lefebvre - irrer Tastenzauber - aber wie ich finde oft nicht schön
Daniel Roth - die ruhe in Person - tiefgründige Musik, die bewegt

zusammengefaßt passt es bei mir wenn das bei mir ankommt - wie Widor sagte:
Orgelspielen heißt einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren

Gruß
jbraki


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