Orgeln in Marburg (1)

Dorforganist @, Dienstag, 18. Juni 2013, 20:43 (vor 4872 Tagen) @ Dorforganist

„Elegant“ dürfte das in vielerlei Hinsicht passendste Adjektiv für die ziemlich neue Klais-Orgel der in Marburg so genannten E-Kirche (St. Elisabeth) sein: Der aufstrebende Prospekt

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und die gläserne Emporenbrüstung lassen das durchaus große Werk im Kirchenraum schweben, und der Spielschrank ist aufgeräumt und übersichtlich, so dass man sich sofort zurechtfindet, auch wenn man nur wenig Zeit hat – wobei allerdings auffiel, dass die schräggestellten Registertableaus dazu führen, dass man bei normaler Sitzhaltung direkt auf die Registerschilder blickt und kaum sieht, welche Register wirklich gezogen sind.

Die Traktur ist leichtgängig und exakt, wobei bei mechanischer Kopplung aller Werke schon ein ordentlicher Widerstand zu spüren ist. Doch der kann durch wahlweise elektrische Koppeln zum III. Manual fühlbar reduziert werden – eine elegante Lösung, die immer öfter in größeren mechanischen Werken zu finden ist.

Die Disposition lässt keine Wünsche offen, doch die Balance der Teilwerke vom Spielschrank aus gut einzuschätzen würde mehr Zeit erfordern - die aber wegen der touristischen Bedeutung der „ältesten rein gotischen Hallenkirche Deutschlands“ einfach nicht zur Verfügung stand -: denn während das frei ohne Gehäuse auf dem Emporenboden stehende Großpedal (im Bild links in der unteren Ecke zu sehen)

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mächtig um den schlanken und hohen Orgelfuß herumgrummelt, klingen die dadurch sehr hoch gestellten Werke ziemlich weit über dem Kopf des Organisten über die Emporenbrüstung hinweg.

Zusätzliche Spielzeit kostete darüberhinaus der sichtlich nervöse schwarzgewandete ältere Herr mit weißem Stehkragen - seiner Visitenkarte zufolge Wein- und Buchhändler, Opernchorist und Solist -, der sich auch vom Hinweis, dass sicher nicht wir ihn am Nachmittag begleiten würden, nicht abhalten ließ, eine Verständigungsprobe mit „Jesu bleibet meine Freude“ aus BWV 147 zu fordern. Seinem danach wesentlich entspannteren Gesichtsausdruck zufolge ließ sich das aber wohl in die Kategorie „ein gutes Werk pro Tag“ einordnen, und so machten wir uns nach knapp 45 Minuten auf zur Universitätskirche.


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