nochmal: Weniger ist mehr
Also mehr Farbe statt Dezibel? Oder mehr Qualität statt Quantität? Manchmal habe ich jedoch den Eindruck, die Orgel selbst ist 'an und für sich' nicht schlecht, sie steht halt nur im falschen Raum.... Oder: das wichtigste Register der Orgel wurde leider nicht berücksichtigt.
So habe ich Fabians Kommentar auch verstanden. Ein "weniger" an (allgemein) schlechten Eigenschaften der Orgel ist immer ein "mehr" des verhältnisses zu guten Eigenschaften. Den Eindruck, dass der Raum als Instrument nicht berücksichtigt wird, habe ich hingegen hin und wieder auch. Es wird dann immer gerne gesagt, dass die Orgel für die vollbesetzte Kirche hin intoniert wird oder wurde.
Was die Registerzahl angeht, so ist es wohl immer noch hin und wieder so, dass das "Prestige" eine Rolle spielt. Man will eben eine große französische Kathedralorgel...
Dazu könnte ich in Koblenz einige Beispiele nennen. Seifert-Orgel, St. Josef. Die Orgel wurde hier von der Erbauerfirma von über 70 auf etwas über 40 Register verkleinert. Pedal und Hauptwerk/Brustwerk stehen vorne auf der Empore, dahinter erstreckt sich ein sehr großer Turmraum. So groß, dass an der Seitenwand im Turmraum der (offene) 32'-Holzprinzipal aufgestellt werden konnte. Hinter der Orgel befindet sich (freistehend) das grosszügig geplante Schwellwerk, welches durch diese Aufstellung einen unglaublichen Effekt entfalten kann. Bei geschlossenen Jalousien fast ein unhörbares 'Fernwerk', zugleich entfaltet sich beim Öffnen der Jalousien ein sehr wirksames Crescendo, ohne auch nur irgendwie 'brüllend' zu wirken. Diesen Effekt hätte man aber kaum erreicht, hätte man das Schwellwerk im Hauptgehäuse unterbringen müssen. Aufgrund der Akustik 'rollt' der Klang praktisch in den Raum hinaus, ein Effekt wie ich ihn sonst nur bei den großen franz. Kathedralen erlebt habe.
Hier ein Link zu einer kleinen Bildergalerie zu dieser Orgel.
http://www.sankt-josef-koblenz.de/_fuehrung/O2.htm
Ich kenne die Vorgänger-Ogel nicht, habe nur herausgefunden, dass sie ebenfalls von Seifert stammt (1929 erbaut). Ob eine solche Orgel (entsprechende Bauqualität vorausgesetzt) heute immer noch durch einen Neubau ersetzt werden würde? In der Festschrift war wenig dazu zu finden: Neben den üblichen Verschleißerscheinungen und Unzuverlässigkeiten bei Traktur und Windversorgung wurde vergemerkt, dass ganze Pfeifenreihen der alten Orgel "nicht mehr vorhanden" gewesen seien. Eine Restaurierung sei finanziell nicht vertretbar gewesen. Immerhin wurden 22 alte Register wiederverwendet.
Gruß
Karsten
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- nochmal: Weniger ist mehr - Fabian Brackhane, 30.12.2010, 08:46
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