Für Pneumatik-Fans - Auflösung und Ergänzung

MCVL @, Samstag, 21. Februar 2026, 19:42 (vor 189 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MCVL, Samstag, 21. Februar 2026, 19:54

Da es wohl doch zu schwierig für die meisten ist, möchte ich es einmal auflösen. Wir befinden uns in Eching bei Landshut, an einer Orgel von Ignaz Weise 1908. Die Orgel ist bis heute nahezu unverändert erhalten und besitzt sogar noch ihre ursprünglichen Prospektpfeifen aus Zinn (Principal 8' und Traversflöte 4'). Superkoppeln sind sowohl in beiden Manualen (C-f4) als auch im Pedal (C-d2) vollständig ausgebaut.
Die Orgel ist mit dem firmeneigenen Membranladensystem mit Druckfedern ausgestattet und verfügt über eine äußerst präzise Pneumatik, die sich hinter zeitgenössischen Erzeugnissen sogenannter "Weltfirmen" nicht verstecken braucht.


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Hier sehen wir das in der Orgel befindliche Relais für das I. Manual. Die von unten kommenden Bleiröhren sind diejenigen der Spieltraktur vom Spieltisch her kommend. Wer nun denkt, es sei ein klassisches Wechselwindrelais, der mag auf den ersten Blick recht haben, es ist aber keines. Die Orgel verfügt über eine Abstromtraktur und die Windladen funktionieren ebenfalls nach dem Abstromprinzip. Wir haben es hier mit einer äußerst seltenen Konstruktion, einem Abstrom-Abstrom-Relais zu tun. Mir ist zumindest im süddeutschen Raum keine Firma bekannt, die Abstromtrakturen kombiniert mit Abstromladen geliefert hat.
Die nach vorne wegführenden vier bzw. fünf Bleiröhren je Ton sind die Entlastungsröhren für die Membranen der Windladen. Jede Membrane wird mit einem separaten Bleirohr vom Relais aus gesteuert. Die Ventilfolge fällt von rechts nach links ab. Da die Mixtur über keine ausgebaute Superkoppel verfügt, sind im Oktavkoppelbereich auch nur noch vier Bleirohre für die 8' und 4'-Register vorhanden.


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Und hier sehen wir die Bleiröhren, wie sie in die Unterseiten der Kanzellen münden. Die erkennbaren Pappröhren gehören zur Registereinschaltung. Die Orgel verfügt nicht über "klassische" Windladen, sondern es sind für jedes Register Einzelkanzellen vorhanden, welche mit einem Rahmen verbunden sind. Ebenfalls eine interessante Konstruktion, die auf eine rationelle Fertigungsweise zurückzuführen sein könnte.


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Hier nochmals eine Gesamtübersicht, nun das zweite Manual mit den vom Spieltisch kommenden Röhren der Spieltraktur, dem Relais und den Entlastungsröhren zu den Kanzellenunterseiten.
Unter der Lade befindet sich das sogenannte "Pneuma-Gebläse", ein sehr früher Schwimmerbalg.


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Nun noch zu den Registereinschaltungen. Es führt zwar ein Kanal zwischen der C- und Cis-Seite der Kanzellen, dieser ist jedoch mit den Kanzellen nicht direkt verbunden, sondern speist die Einschaltapparate an der Unterseite. In den Einschaltapparaten bewegt sich ein Ventil, welches bei Betätigung die Verbindung zwischen Kanal und den Pappröhren vermittelt. Die Pappröhren münden etwa in der Mitte der Kanzellen in diese. Es könnte sein, daß diese Konstruktion etwas mit den sich zu dieser Zeit wohl schon im Projekt- und Baustadium befindlichen ersten Translationsorgeln zu tun hat. Eching wurde zu Ostern 1908 als offenbar letzte "Normalorgel" von Ignaz Weise fertiggestellt, die nachfolgende, im Mai 1908 fertiggestellte Orgel für Münsing am Starnberger See war bereits ein Translationsinstrument.


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Hier noch das "Pneuma-Gebläse", ein Schwimmerbalg und mit 1908 eines der ersten Exemplare seiner Art. Im süddeutschen Raum lieferten auch Siemann sowie Reiser zu dieser Zeit solche Schwimmerbälge, von allen Firmen wurde der Begriff "Pneuma-Gebläse" bzw. "Pneuma-Balg" verwendet. Es muß hier zwischen Biberach, München und Plattling irgend eine noch nicht erforschte Verbindung bestanden haben.


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Der schmucke Spieltisch mit "Nußbaumgarnitur" in Gesamtansicht. Ich stelle mir gerade vor, wie Peter Griesbacher bei der Abnahmeprüfung an ihm gesessen ist und von der Orgel geschwärmt hat.


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Damit ich die Disposition nicht noch abschreiben muß, hier die Registerschilder mit den für Ignaz Weise typischen Kippschaltern. Ähnliche Kippschalter hat ab 1917 auch Späth (inspiriert durch Weise?) geliefert.
Die Orgel besitzt tatsächlich neben Sub II-I und Super II-I auch Sub I-II und Super I-II. Auch dieses schon eine etwas in die Richtung Translationsorgel gehende Ausstattung.


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Des Meisters Signatur.

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Das Gesamtresultat der Prüfung war ein äußerst günstiges, was zur wohlverdienten Weiterempfehlung des in seinem Fache großen Plattlinger Meisters förmlich drängt. (Mariakirchen 1905)


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