Für Pneumatik-Fans - Auflösung und Ergänzung

MCVL @, Sonntag, 22. Februar 2026, 11:33 (vor 191 Tagen) @ elias.orgel

gibt/gab es das öfter ? Bei meiner Suche nach ausgebauten Oktavkoppeln ist mir sowas nicht aufgefallen..

Bei Ignaz Weise waren die Superoktavkoppeln ab ca. 1907 standardmäßig sowohl in beiden Manualen als auch im Pedal vollständig ausgebaut. Die ausgebaute Superoktavkoppel im Pedal gab es schon seit etwa 1905, so in Ottering und Michaelsbuch.
Leider habe ich noch lange nicht alles an Akten aufgearbeitet, aber das Material dazu ist reichlichst vorhanden und liegt mir vor.

Koppelbesetzungen bei Ignaz Weise ab ca. 1907:

Reisbach, Pfarrkirche: II-I, Sub I, Sub II-I, Super I, Super I-II, Super II, Super II-I, I-P, II-P, Super P

Wildenranna: II-I, Sub I, Sub I-II, Sub II-I, Super II, Super I-II, Super II-I, I-P, II-P, Super P

Es sind dies alles Orgeln aus der Zeit kurz bevor es bei Weise zum Bau der Translationsorgeln kam.
Die ersten Translationsorgeln entstanden dann 1908 in der Reihenfolge Münsing (ein pneumatischer Umbau einer Maerz-Orgel von 1889), Gündlkofen und Grainet.
Münsing und Gündlkofen stellten technisch noch abweichend voneinander konzipierte "Prototypen" dar, Grainet war dann die technische Standardvariante der Translationsorgel.
Gerne hätte ich zu Eching, Münsing und Gündlkofen mir die Orgelakten der Pfarrarchive angesehen, diese liegen aber (wie 90 % der Pfarrarchive der von Ignaz Weise im Bistum München-Freising belieferten Orte) im Bistumsarchiv München und sind bislang noch nicht bearbeitet und ungeordnet (vielleicht ergibt sich doch noch die Möglichkeit, diese Akten einzusehen - momentan sind aber von den fraglichen Pfarrarchiven in München nur Marktschellenberg und Ramsau Kunterwegkirche benutzbar).
Zu Grainet liegt mir die komplette Aktenüberlieferung der Regierung von Niederbayern, des Bezirksamts Wolfstein, des Bischöflichen Ordinariats Passau und des Pfarrarchivs vor, ist aber noch nicht aufgearbeitet. Jedenfalls war für Grainet ursprünglich eine "Normalorgel" geplant, Weise muß davon (ohne die Kirchenverwaltung zu unterrichten) kurz vor Baubeginn abgewichen sein und lieferte aus freien Stücken eine Translationsorgel.

Apropos Münsing: nirgendwo in der Literatur oder in der Orgeldatenbank Bayern wird erwähnt, daß es sich dort um einen Denkmalprospekt des 18. Jahrhunderts handelt, der 1889 durch Maerz in geschickter Art durch zwei Rundbogen-Zwischenfelder erweitert worden ist (die Akten des Bezirksamts Wolfratshausen zu diesem Fall liegen im Staatsarchiv München).

und noch einmal die Frage, ob mann die Multiplex Orgel (insbesondere die "heutigen") nicht als logische Weiterentwicklung aus Translation und Sub/SuperOktavkoppel betrachten kann?

Da haben wir 1:1 denselben Gedanken. Alles deutet darauf hin. Die Aussagen von Peter Griesbacher, der (im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen) sehr mitteilsam war und immer wieder bestimmte Besonderheiten umfassend begründet, gehen alle in diese Richtung.
Beispielsweise auch sein Vorschlag, bei kleinen Orgeln ohne Mixturen eine "Überoktavkoppel" einzuführen. In Frichlkofen, etwas weiter Isarabwärts von Eching, erbaute Weise 1917 eine einmanualige Orgel mit der Manualdisposition Principal 8' - Gedeckt 8' - Salicional 8' und ausgebauter Super- und Überoktavkoppel, d.h. das Pfeifenwerk reicht von C-f5 (78 Töne). Griesbacher führt hierzu aus, daß mit Principal 8' sowie der Super- und Überoktavkoppel ein gesundes Principalplenum erreicht werden kann.

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Das Gesamtresultat der Prüfung war ein äußerst günstiges, was zur wohlverdienten Weiterempfehlung des in seinem Fache großen Plattlinger Meisters förmlich drängt. (Mariakirchen 1905)


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