Wie drei 8'-Register sich ergänzen

Friedrich @, Dienstag, 19. Mai 2026, 10:28 (vor 99 Tagen) @ Orlos

Danke, ich finde das sehr interessant! Auch, weil Du schilderst, wie aus den Pfeifen plötzlich mehr Musik rauskommt, wenn man ihnen Wind und Platz einräumt.

Der Klassiker zum Thema -- vermutlich kennst Du ihn? -- und in meinen Augen ein Grundlagentext ist natürlich Stephen Bicknells Aufsatz über Cavaillé-Colls Four Fonds. Für mich wurde es über die Jahre immer unsinniger, die 8'-Besetzung als Hierarchie zu begreifen, in der das Prinzipal der Boss sein soll. Gemshörner finde ich toll, wenn sie ihre Rolle voll ausspielen -- mit Strich im Bass und zunehmend blockflötig im Diskant -- und eben nicht neutrale Begleiter sind, als die manche sie sich vorzustellen scheinen. Dann sind sie aber einfach nur blass. Als Dritte im Bunde finde ich sie, wenn gut gemacht, eine echte Alternative zum Streicher, auch weil sie nicht so schnell näseln.

Im Bonner Münster habe ich zum ersten Mal erlebt, wie ein gutes Gemshorn und eine Rohrflöte zusammen eine Art Flûte harmonique ergeben können, mit Zeichnung in der Tiefe und einem Aufblühen im Diskant. Das Schuke-Gemshorn in der Freiburger Pauluskirche, jetzt in der Friedenskirche am Musikhochschulcampus, ist auch ein musikalisch schönes Register, das sehr fein mit den Vierfüßen zusammenspielt, dem breiten Schuke-Prinzipal aber wenig zu sagen hat -- da müssen schon die beiden übrigen Achtfüße aus dem Oberwerk dazukommen, dann hat selbst diese Orgel von 1976 einigen Bauch. Überhaupt macht sie großen Spaß.


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