Orgel in Breitenwang - Frage an die Fotoexperten...

Wolfgang Gourgé @, Montag, 23. Dezember 2013, 15:25 (vor 4629 Tagen) @ jrbecker

Hallo allerseits!

Heut hielt ich den 2014er Organa Europae in der Hand ... und bin bei einem Bild fast "aus den Latschen gekippt"... weil ich letztes Jahr genau in dieser Kirche war, selbst Aufnahmen gemacht habe und die Kirche auf mich einen völlig anderen farblichen Eindruck vermittelte, als die Abbildung im Kalender. Vielleicht hat ja noch jemand den Kalender und kann mal vergleichen?

Hier meine Fotos:
Breitenwang Dekanatskirche

Es war nicht ganz leicht zu fotografieren (Sonne durch die Fenster unter der Orgelempore, Orgelempore dadurch eher im Dunklen...), aber trotzdem ist der farbliche Eindruck auf meinen Fotos zumindest sehr nah an dem, was meine Augen direkt wahrnahmen: Ich sah keinen Grund für eine digitale Nachberarbeitung.

Auf dem Kalenderfoto dagegen hätte ich die Orgel fast nicht wiedererkannt... Die hat ja plötzlich einen satten Grünton als Grundton...

Da ich diese Kirche ja nun selbst kenne, vermute ich bei dem Kalenderfoto eine starke digitale Nachbearbeitung. Die Orgel selbst ist ja noch recht neu (2000) und dass in den letzten 13 Jahren eine vollständige farbliche Umgestaltung der Kirche stattgefunden hat, halte ich eher für unwahrscheinlich...

Hier ein Foto mit starker künstlicher Beleuchtung, ich meine aber in der Emporenbrüstung einen Farbton zu erkennen, der eher meinen Fotos gleicht.

Meine Frage: Ist es notwendig, für eine Darstellung in einem Kalender eine Orgel farblich so zu überarbeiten, dass sie sich doch sehr weit vom originalen Eindruck entfernt? Wo sind die Grenzen digitaler Nachbearbeitung? Oder sehe ich das zu eng? Oder sehe ich das vielleicht überhaupt falsch und die Farbabweichung ist nicht durch eine digitale Nachbearbeitung entstanden? (Wodurch aber dann?!?)

Gruß
Jörg

....es läßt sich sicher trefflich darüber streiten, ob es notwendig ist. Man darf aber damit rechnen, daß es gemacht wird - und zwar sehr massiv -, um die ausgedruckten Bilder so "augenfreundlich" wie möglich zu machen. Die Bilder sollen ja schließlich "schön" sein, nicht unbedingt wirklichkeitsnah. Du hast ja wahrscheinlich Digital Photo Professional - da kann man schon einige Grundfunktionen ausprobieren und feststellen, was unterschiedliche Weißabgleiche und "Bildcharaktere" ausmachen. Allerdings sind diese Funktionen auch nötig, weil ein digitaler Apparat nunmal anders "sieht" als ein menschliches Auge. Teilweise ist es also sogar nötig, solche Dinge wie Farbintensität, Kontrast und Weißabgleich sowie Bildcharakter im nachhinein zu korrigieren, um das Bild der menschlichen Wahrnehmung anzunähern; so geben Digitalkameras üblicherweise Szenen in Kunstlicht viel zu "warm" und mit z.T. schrecklichem Orange-"Stich" wieder, und bei hochstehender Sonne werden Kontraste viel zu hart.

Beim kommerziellen/professionellen Druck von Bildern kommen noch viele weitere Fragen hinzu, z.B. der zu verwendende Farbraum (also die druckbaren Farben), der nicht identisch ist mit dem von der Kamera verwendeten, dann das Druckverfahren sowie das Trägermaterial. Ich habe neulich in der c't special zur Digitalfotografie mal einen längeren Artikel dazu "überflogen", allerdings mit mäßigem Interesse, weil das hochkomplexe Fragen sind, die fast schon einen einschlägigen technischen Hochschulabschluß voraussetzen, und weil mir persönlich das deutlich zu viel "Fälschen" ist. Digitalfotos haben, sofern sie nicht von Presseagenturen kommen, die ihren Fotografen üblicherweise das Retuschieren und künstliche "Aufhübschen" des Bildinhalts strikt untersagen, keinerlei Beweis- oder Dokumentationswert.

Gruß,
Wolfgang


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