Andreas Cavelius in St. Gumbertus, Ansbach

quintade, Sonntag, 14. Juli 2019, 19:19 (vor 2606 Tagen)
bearbeitet von quintade, Sonntag, 14. Juli 2019, 19:37

Wirklich zufällig erfuhr ich vom heutigen Konzert, direkt vor Ort.
Da würde man das als Ortsunkundiger normalerweise total übersehen, seit heute mittag kein einziger Hinweis, der Ständer am Eingang zeigt anderes, unter "Aktuelles" auf der HP auch nichts (oder übersehen..) . Aber es war keine geschlossene Veranstaltung...!

Programm:
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Die Kirche ist recht großzügig mit einer hellen, klaren Akustik, der große Chorraum antwortet schön auf die Orgel. (Jetzt bitte kein "Akustikbüro" beauftragen, Fraunhofer natürlich ausgenommen!)

Ich habe weder viel Hintergründe noch gar ArsOrgani- (welche Ausgabe(n)?) oder sonstige Artikel/Abhandlungen im Kopf, also schreibe ich wieder mal frei Schnauze.

Habe nicht durchgezählt, aber die Orgel scheint viele Streicher zu haben, mit oft sehr ausgeprägter Ansprache. Da muss man sich reinhören, dann kann man aber durchaus viel damit anfangen. Außerdem richtig schöne qualitätvolle, auch recht leise Zungen, sowohl solistisch als auch akkordisch ein Genuß. Und manchmal direkt unmerkliche Übergänge. Überhaupt recht eindringliche Klänge, da ist man automatisch "ganz Ohr". Auch viel Prinzialisches ist da, wirkliche Flöten offensichtlich weniger. Das mag auch ganz im Wiegleb-Sinne sein, keine Ahnung...
Gab es da nicht zum Teil auch massive Kritik an der Orgel? Kann ich erstmal nicht nachvollziehen.

Offensichtlich hatte sich der Organist des Abends KMD Andreas Cavelius aus Krefeld intensiv mit der Orgel beschäftigt und bot auch sehr durchdachte, variantenreiche Registrierungen. Insgesamt auch eine gute Orgelvorstellung.

Ich habe nichts mitnotiert, daher noch kurz, bevor die Eindrücke verblassen:

Der Einstieg mit dem Allabreve war eher enttäuschend, mehrere Stockungen waren eher nicht auf Harmonisches zurückzuführen. Aber dieses Werk (Pedal liegt nicht ganz so bequem, erst recht bei der breiten Mensur) habe ich schon öfter "ausbaufähig" gehört - und auch selbst so gespielt.
Wie auch immer: hat die Orgel einen "qualitätvollen Ton" ist das alles immerhin gar nicht so schlimm, auch ein falscher Ton oder Metrum liegt irgendwie schön in der Luft.
Meines Erachtens hat sie im Plenum auch einen ordentlich hohen Schalldruckpegel und trotzdem wird es (für meine Ohren) nicht unangenehm. Das will schon was heißen, gibt es doch massig mittellaute, aber total unbefriedigende, richtig nervende Mixturen jeglicher Stilistik auf der (Orgel-)Welt.

Glücklicherweise waren Unsicherheiten wie weggeblasen ab dem nächsten Werk und das Niveau blieb bis zum Schluß "ganz oben".

Der Zachow ist auch so ein "alter" Kandidat, den man eigentlich nur auf Historischem oder danach Empfundenem hören will, kann durchaus schnell langweilig werden so viele Dekaden Musikgeschichte später. Hier glücklicherweise nicht. Tolle Vox humana, einzelner 4', etc. Und das Gerüst dieses(!) Chorals leitet auch heute noch.

Der Corette war direkt neckisch, diese Frage-/Antwort-/Zitatspielchen, Kuckuck etc. Lockete, exakte Verzierungen auf der offensichtlich sehr guten, direkten Traktur.

Sehr passend und überaus eindringlich gestalteten sich die Alain-Stücke. Wieso ausgerechnet zu Beginn des ersten fünf der schätzungsweise 70-80 Zuhörer die Kirche verließen, weiß ich nicht, kann aber nur außermusikalische Gründe vermuten, jedenfalls gefielen die gerade an diesem "unpassenden" Instrument sehr. Ein schönes Legato gewinnt auch nochmal durch die teils wie gesagt stark ausgeprägten Ansprachegeräusche. Bitte mehr "Unpassendes" an solchen Orten. (Oder übte/spielte/komponierte Alain nicht sogar auch an einer hist. Orgel?). Auch die Stimmung machte alles gut mit.

Das Konzert endete mit dem Rinck, dessen Corelli-Thema ich zwar nicht kannte, mir aber sehr bald klar war. Das ist sicher gut verständliche Orgelmusik, wie viele sie "erwarten".

Längerer, dankbarer Beifall mit mehreren "Vorhängen", keine Zugabe. Am Ausgang dann noch CDs des Künstlers gegen Spende. Um die wurde sowieso auch unabhängig noch gebeten, der Eintritt war frei.

Ixh weiß nicht, ob Ansbach bekanntes Touristen-Ziel ist, könnte aber gut sein (Schloß etc.). Mittags sah ich z.B. auch viele Asiaten, auch in der Kirche. Wenn die aber nicht wissen, dass die unzweifelhaft schön anzusehende Orgel abends auch noch klingt...

PS Gestört hat mich nichtsdestotrotz dieses Schild. Neben bis gerade fehlendem UMTS/LTE an der Kirche (also ist immerhin nur temporär ein Mast ausgefallen). Irgendwie wirkt Nürnberg hier zumindest bahntechnisch eher weit weg, gut, dass die ION wenigstens dieses Instrument wohl fest integriert hat.


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