Reger und Deutschland

jrbecker @, Dienstag, 12. April 2011, 22:25 (vor 5622 Tagen) @ FranzS.

Am wichtigsten ist aber, dass Reger und Bach Pflichtprogramm und täglich Brot für jeden Organisten sein sollte, weil man solche Musik sonst nicht findet und man fürchterlich viel versäumt, wenn man diese Musik nicht spielt und hört (aus welchen Gründen auch immer).


Grüße Franz


Hallo Franz,

was Bach angeht, ist das keine Frage. Bei Reger jedoch muss ich deiner Auffassung, dass dieser "Pflichtprogramm und täglich Brot" für jeden Organisten sein sollte, aufs heftigste widersprechen. Zunächst einmal ist natürlich der Geschmack eines jeden Musikers zutiefst unterschiedlich, und wir sollten einmal annehmen, dass es außer mir noch weitere Organisten gibt, an die Regers Orgelwerke einfach nicht herangehen. Ich persönlich spreche explizit von den Orgelwerken, denen ich allesamt nichts abgewinnen kann, nicht von anderen Kompositionen, viele Chorsätze z. B. mag ich sehr. Hinzu kommt die Ausbildung, die bei mir an einer historischen, ursprünglich einmanualigen Schöler-Orgel, stattgefunden hat, die durch Oberlinger in den 60ern um ein Echowerk erweitert und mit einer modernen mechanischen Spielanlage versehen wurde. Bei insgesamt 28 Registern wäre hier einiges möglich gewesen, aber mein Orgellehrer, von dem ich mich nicht erinnern kann, jemals Reger an dieser Orgel gehört zu haben, lehrte mich in puncto Literaturspiel alles, was sich zwischen Pachelbel, JCF Fischer, Bach und Walther abspielte, außerhalb der beiden organgen FOaM und den 80 CVaM0 bewegte sich da wenig. Weitergehende Literatur musste ich selbst einbringen und wurde stets nur widerwillig behandelt. Ein solcher Unterricht fördert den Zugang zu Reger nicht gerade. - Halt, Lüge! - REGER habe ich bei diesem Lehrer gelernt und gespielt! DOCH, ICH ERINNERE MICH!!! - Fünf, sechs Sätzchenleinchen aus den 30 kleinen Choralvorspielen, eines davon gab's dann auch zum Eignungsnachweis, da sollte man ja auch was romantisches Spielen...

Vielleicht hätte ich einen anderen Zugang zu Reger, hätte ich einen anderen Unterricht erhalten. So jedoch hatte ich nie die Gelegenheit zu lernen, wie man Reger versteht und interpretiert. Also lasse ich es. Erfolgreich. Seit nunmehr 25 Jahren. Keiner meiner Zuhörer hat sich bisher beschwert, dass ihm Reger fehlt. Würde ich keinen Bach spielen, dann weiß ich genau, dass ich gefragt würde, warum nicht. Aber Reger? Den brauchen auch die Zuhörer nicht so, dass er zum "Pflichtprogramm und täglich Brot" werden müsste. Wäre das tatsächlich so, ich würde meinen Job an den Nagel hängen. Ungelogen.

LG
Jörg


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