Mitteltönigkeit oder verstimmt?

Oliver Horlitz ⌂, Sonntag, 20. Januar 2013, 15:21 (vor 5025 Tagen) @ Muenti

Moin!
Ich muß mich mal aus meiner passiven Rolle des Mitlesers wagen, weil mich eine Frage geradezu quält!
Auf einer CD aus dem Dom zu Speyer mit Roland Dopfer gibt es unter anderem das Capriccio cromatico von Merula.
Bei dieser Aufnahme dreht sich mir der Magen um! Nennt man sowas nicht Orgelwolf? Oder ist das die mitteltönige Stimmung?
Ich habe mir viele weitere Einspielungen des Stücks angehört, auf italienischen Orgeln wie z.B. hier oder auch auf Cembalo etc. Nirgends hört sich das so "quälend" an!
Also, meine Frage an die Profis: Was ist da los im Dom zu Speyer?

Die Unterschiede zwischen den beiden Aufnahmen liegen unter anderem daran, daß die beiden Instrumente ganz unterschiedliche Stimmungen haben. Bei der italienischen Orgel hört man zwar eine ungleichstufige Stimmung, es handelt sich nicht um eine mitteltönige Stimmung! Speyer hingegen ist 1/4 Komma mitteltönig.

Das mit "verstimmt" ist so eine (Gewöhnungs-)Sache: Wenn Du mal drei Monate nur an einem Instrument mit historischer Stimmung gespielt hast, wird dir ein gleichstufiges Instrument grauenhaft verstimmt vorkommen - aber auch eine ganz anders angelegte historische Stimmung kommt Dir dann schnell verstimmt vor. Das Ohr (genauer gesagt das Hirn) gewöhnt sich sehr schnell an eine Stimmung, wenn es ihr ständig ausgesetzt ist...

Ich hatte mein Klavier mal eineinhalb Jahre in Werckmeister III gestimmt (und später ebensolange in Kirnberger II) und jedesmal "Ohrenschmerzen", wenn ich ein gleichstufiges Klavier hören "musste". Heute ist mein großes Klavier gleichstufig, das Pedalharmonium auch, ein kleines Positiv 1/4 Komma mitteltönig, das Clavichord Werkmeister III, eins der kleinen Klaviere Kirnberger II und meine große Orgel Valotti gestimmt. Jetzt fällt mir die Umstellung von einer Stimmung zu anderen relativ leicht.

meint, wohlgestimmt grüßend,
Oliver


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