Mitteltönigkeit oder verstimmt?

FranzS. @, Montag, 21. Januar 2013, 09:38 (vor 5023 Tagen) @ Poupoulcorouse

Man sollte höchstens im Hinterkopf behalten, daß die Mitteltönigkeit damals die Standardstimmung war. Das bedeutet: Man sollte sich darauf einlassen, anstatt sofort "Ihbäh" zu sagen ;-)

Zugegeben, die von Muenti verlinkte CD-Aufnahme ist auch für meine Ohren grenzwertig. Es gab in der Barockzeit gerade in Süddeutschland und Italien viele "chromatische Fantasien" oder ähnliche Werke. Ich verweise auch auf den "Fingerstreit, ausgeführt in einem Preambulum nebst einer Fuga" von Königsperger, der auf einer mitteltönigen Stimmung recht lustig klingen würde. Ich denke, dass gerade solche Werke als kleines "Späßle" gedacht waren. Ich kann mir die damaligen Zuhörer gut vorstellen, auf dem Sofa sitzend, den Bauch voll mit Torte und extrem süßen Champagner, hinter dem Fecher kichernd: "oho, jetzt hat der Herr Musicus aber eine anstößige Harmonie phantasieret".
Eine rein Mitteltönige Stimmung hatte ich zeitweise auf meinem kleinen Spinett und es hat das eigentlich ziemlich langweilige Zweckinstrument unglaublich aufgewertet. Das Ding klang wirklich nicht schlecht und die klaren Terzen gaben eine wunderbare Transparenz.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum