Stanford - Stimmung

SlowOrg @, Maribor, Freitag, 08. Februar 2013, 19:18 (vor 5003 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von SlowOrg, Freitag, 08. Februar 2013, 19:21

Berühmt ist sie unter anderem für ihre Doppelstimmung: Wohltemperiert (welcher Art, habe ich noch nicht herausbekommen) und 1/5-Komma-mitteltönig (hier ein Klangbeispiel – hat sich eigentlich schon der Spitzname »mittelvogeltönig« eingebürgert?). Werck, Rückpositiv, Seitenwerk und Pedal lassen sich mit einem Hebel gemeinsam »umstimmen«, das Brustwerk hat Subsemitonien. Bei diesem Konzert tönte die Orgel ausschließlich wohltemperiert, passend zur Musik.

Hast Du denn nicht die von Harald Vogel in Stanford eingespielte CD mit Buxtehude, Bruhns und Bach? (Hilbrands hat sie schon einmal hier erwähnt.) Die beiden von Vogel entworfenen Stimmungen sind im Booklet sehr genau beschrieben. Die Orgel ist ja so konstruiert, dass jede Oktave 17 Pfeifen hat, 7 gemeinsame für die Untertasten sowie 10 (je 5 für jede Stimmung) für die Obertasten. Somit klingen die Untertasten bei beiden Stimmungen gleich. Sowohl die mitteltönige als auch die wohltemperierte Stimmung haben dadurch auch sechs gleich große, um 1/5 Pythagoräisches Komma (4,7 Cent) enger gestimmte Quinten und drei gleiche, um 2,7 Cent zu große Terzen. Der wichtigste Unterschied ist aber natürlich, dass die mitteltönige Stimmung einen ordentlichen "Wolf" auf gis hat, der allerdings um 4 Cent kleiner ist als bei der 1/4-Mitteltönigkeit. Außerdem hat die mitteltönige Stimmung insgesamt acht relativ reine ("geschärfte) große Terzen, von denen jene auf e mit nur 0,7 Cent Abweichung von der reinen Stimmung am saubersten klingt, während die wohltemperierte Stimmung außer der drei bereits erwähnten nur noch eine große Terz hat, die enger ist als eine gleichstufige Terz. Beide Stimmungen haben gleiche vier relativ schlechte große Terzen, wobei natürlich bei der wohltemperierten Stimmung keine der großen Terzen das Syntonische Komma überschreitet (was ja eigentlich die Grundvoraussetzung für eine wohltemperierte Stimmung ist). Und während die mitteltönige Stimmung in Stanford keine reinen Quinten hat, gibt es bei der wohltemperierten gleich drei. Es handelt sich also bei beiden Stimmungen um Varianten einer 1/5-pyth.-Komma-Stimmung. Übrigens schreibt Wegscheider in seinem Artikel über das Anlegen von Stimmungen (es ist auf seiner Homepage zu finden), dass sich Fisk wegen der kleinen Orgel in der Marktkirchel in Halle für die mitteltönige Stimmung in Stanford entschieden hat.

Für alle, die mithilfe eines programmierbaren Stimmgeräts eine der beiden Stimmungen selbst anlegen möchten, hier die entsprechenden Angaben (von mir errechnete Cent-Abweichungen von der gleichstufigen Stimmung auf Basis der reinen Oktave):

Stanford - mitteltönig:
a/b/h/c/cs/d/ds/e/f/fs/g/gs
0,00/14,37/-5,48/8,21/-12,32/2,74/17,79/-2,74/10,95/-8,90/5,47/-15,74

Stanford - wohltemperiert:
a/b/h/c/cs/d/ds/e/f/fs/g/gs
0,00/4,30/-5,48/8,21/3,13/2,74/2,34/-2,74/10,95/-3,52/5,47/0,39

M


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